Warum ist der Tod besser als das Leben?

Das Festhaltenwollen am Leben läuft der Auferstehung zuwider, weil es Erstarrung ist.

Sichhingeben, Sichopfern ist lebendiges Tun, während Vermeidenwollen, Aufhaltenwollen nur Erstarrung und Verhärtung erzeugt.

Ricarda Huch „Über die verjüngende Kraft des Todes“ (1921)

Warum diese Gesellschaft, diese angeblich so aufgeklärte, wissenschaftliche, offene, tolerante, demokratische Gesellschaft zugleich so zwänglich, zensierend, bieder und verhärmt?

So lässt sich auch erklären, warum diese Gesellschaft, diese angeblich so aufgeklärte,
wissenschaftliche, offene, tolerante, demokratische Gesellschaft zugleich so
zwänglich, zensierend, bieder und verhärmt war. Über alles, worauf sie stolz war,
durfte nicht gesprochen werden. Die Frage, ob etwas wahr oder falsch war, wurde
nicht mehr über Logik geklärt, sondern nur noch über gutes Benehmen, und das
wurde dann als „Fakten“ bezeichnet. „Vernünftig“ war, wer sich an die Denkverbote
hielt, „Weitsichtigkeit“ war eine Frage des „Taktes“. Wer hingegen tatsächlich
faktenbasiert dachte, dem wurde bestenfalls „Taktlosigkeit“ unterstellt.

Kardinal Novize Igor

Wozu neigt die Masse?

Die Massen haben einen tiefen Drang zur persönlichen Verehrung. Sie bedürfen in ihrem primitiven Idealismus weltlicher Götter, denen sie mit desto blinderer Liebe anhängen, je schärfer das raue Leben sie anpackt.

Robert Michels (Soziologe) in Soziologie des Parteiwesens 1911

was ist ein Gedankenexperiment?

Öffnen wir uns deshalb für ein Gedankenexperiment: Die Maßnahmen und wechselnden Narrativen sollen keinen Sinn ergeben. Die fehlende Logik ist nicht etwa die Schwachstelle der Pandemiebekämpfungspolitik. Die Schwachstelle ist unser menschlicher Geist, der versucht, sich einen Reim zu machen, während wir uns im Handeln zugleich der Unlogik unterwerfen. Zu erkennen, dass etwas unsinnig ist, aber trotzdem mitzumachen, ist die ultimative Methode der Einübung von Gehorsam.

Erst wenn es keinen Sinn macht, macht es Sinn. Denn der neue «Sinn» ist etwas anderes als der alte «Sinn». Erinnern wir uns an Voltaire: «Wer andere dazu bringen kann, Absurditäten zu glauben, kann dazu gebracht werden, Gräueltaten zu begehen.» Gilt das nicht noch mehr, wenn man die Absurditäten sogar aktiv mitmacht? Hannah Arendt fand, dass totalitäres Denken eine Art Geisteskrankheit sei. Im Totalitarismus gehe es schlicht darum, gesunde Hirne in kranke zu verwandeln.

M.M.

Wir oder Ihr?

Doch dann stolpere ich über Alexander Solschenyzins «Archipel Gulag», wo er schreibt: «Wir liebten die Freiheit nicht genug. Wir unterwarfen uns mit Freude. Wir hatten die Freiheit nicht verdient.» Und dann denke ich mir: Es geht irgendwie wieder los und wir sollen jetzt die alten Schlachten von damals noch einmal kämpfen? Die einen auf der Seite des Ihr und die anderen auf der Seite des Wir?

M.M.