Wie ist die Unendlichkeit?

Fritzchen:  Wie ist die Unendlichkeit?

Immanuel:  Die Unendlichkeit ist endlich.

Fritzchen:  Willst du mich veräppeln?

Immanuel:  Nein, will ich nicht.

Fritzchen:  Jetzt bin ich aber mal gespannt.

Immanuel:  Alles was endlich ist, hat eine Grenze.

Fritzchen:  Wie meinst du das.

Immanuel:  Zum Beispiel die Menschen: Sie sterben. Die Grenze des menschlichen Lebens ist der Tod. Das Leben hat ein Ende, eine Grenze.

Fritzchen:  Okay das ist eine zeitliche Grenze.

Immanuel:  Es gibt auch räumliche Grenzen.

Fritzchen:  Welche?

Immanuel:  Ein Fußball zum Beispiel. Da gibt es einen Raum innerhalb des Fußballs der mit Luft gefüllt ist und die Luft außerhalb des Fußballs.

Fritzchen:  Und was hat das jetzt mit der Unendlichkeit zu tun?

Immanuel:  Mit der Unendlichkeit ist es, wie mit der Luft außerhalb des Fußballs. Sie ist unendlich.

Fritzchen:  Ist sie nicht.

Immanuel:  Da hast du recht, die Luft endet da, wo die Erdatmosphäre aufhört. Dann kommt der Weltraum.

Fritzchen:  Der ist dann unendlich.

Immanuel:  Nein ist er nicht, kann er gar nicht sein.

Fritzchen:  Wieso nicht?

Immanuel:  Weil auch die Unendlichkeit eine Grenze hat und der Weltraum sowieso.

Fritzchen:  Wo ist die Grenze der Unendlichkeit? In der Hyper-Galaxie?

Immanuel:  Nein, viel einfacher.

Fritzchen:  Viel einfacher?

Immanuel:  Die Unendlichkeit findet ihre Grenze an der Endlichkeit.

Fritzchen:  Wie soll ich das jetzt verstehen?

Immanuel:  Die Unendlichkeit hört da auf, wo die Endlichkeit anfängt. Die Luft und alles was außerhalb des Fußballs ist, hört da auf, wo die Luft innerhalb des Fußballs anfängt.

Fritzchen:  Heißt es, dass es keine Unendlichkeit geben kann, solange es Fußbälle gibt?

Immanuel:  Doch. Es gibt die Unendlichkeit gerade weil es Fußbälle gibt. Nur muss man wissen, dass die Unendlichkeit genauso endlich ist wie der Fußball.

Fritzchen: Gilt das nur für Fußbälle?

Immanuel:  Nein das gilt prinzipiell.

Fritzchen:  Wie prinzipiell?

Immanuel:  Das gilt für das Sein und das Nichts, da ist es genauso wie mit der Unendlichkeit und den Fußbällen nur sehr viel allgemeiner.

Fritzchen: Darunter kann ich mir nichts vorstellen.

Immanuel:  Versuche dir erst einmal das Sein vorzustellen, das ist einfacher.

Fritzchen:  Wie soll ich mir das denn vorstellen?

Immanuel: Versuche Dir das Sein vorzustellen, ohne jeden Gegenstand, ohne jede Bestimmung einfach nur das Sein, das reine Sein, das „Sein an sich“.

Fritzchen:  Da bleibt ja nichts übrig, was soll ich mir da vorstellen?

Immanuel: Das ist schon die Lösung. Das reine unbestimmte Sein, über das nichts gesagt werden kann, außer dass es ist, ist gleichbedeutend mit dem Nichts. Das Nichts ist durch die völlige Leere definiert, was auch eine Existenzaussage darstellt. Also auch das Nichts ist ein Sein.

Fritzchen:  Sehr verwirrend das Ganze.

Immanuel:  Man könnte es auch so ausdrücken: Alles ist Nichts.

Fritzchen:  Heißt das umgekehrt, dass Alles nichts ist und es deshalb keine Wahrheit gibt?

Immanuel:  Nein, ganz im Gegenteil. Die Erkenntnis, dass Alles nichts ist, ist ja die Wahrheit.

Fritzchen:  Und da ist kein Irrtum mehr möglich?

Immanuel:  Nein da ist kein Irrtum mehr möglich.

Fritzchen:  Wie kann man sowas behaupten?

Immanuel:  Die Wahrheit ist nicht entweder alles oder nichts und auch nicht Endlichkeit oder Unendlichkeit, sondern die Wahrheit ist immer das Ganze, Alles und Nichts, Endlichkeit und Unendlichkeit, Fußbälle und das Weltall und so fort.

Fritzchen:  Gibt es eine Beziehung zwischen Alles und Nichts zwischen Unendlichkeit und Fußbällen und sowas allem?

Immanuel:  Ja die gibt es.

Fritzchen:  Was ist das für eine Beziehung?

Immanuel:  Die Beziehung zwischen Nichts und Sein ist das Werden und die Beziehung zwischen Sein und Nichts ist das Vergehen.

Fritzchen:  Kannst du das mal veranschaulichen?

Immanuel:  Jetzt vor der Fußballweltmeisterschaft werden von kleinen Kindern unter menschenunwürdigen Bedingungen Millionen von Fußbällen mit der Hand zusammengenäht. Das ist das Werden. Das Leder, die Kinder und der Faden waren zwar schon vorher da aber eben keine Fußbälle. Die Kinderhände haben etwas entstehen lassen, was vorher noch nicht da war. Aus nicht sein ist sein geworden, das ist das Werden.

Fritzchen:  Und das Vergehen, wie kannst du das erklären?

Immanuel:  Das mit dem  Vergehen ist eine traurige Sache. Vielleicht hast du schon einmal Deinen Hamster beerdigen müssen oder Deinen Kanarienvogel, dann weißt du was ich meine.

Fritzchen:  Jetzt habe ich den Faden verloren. Wie war doch gleich der Zusammenhang?

Immanuel: Das Sein und das Nichts ist identisch. Wenn das Nichts in das Sein übergeht, dann sprechen wir vom Werden und wenn das Sein in das Nichts übergeht, dann sprechen wir vom Vergehen.

Fritzchen:  Und das Ganze, was war noch mal gleich das Ganze?

Immanuel:  Das Ganze ist das Sein und das Nichts und das Werden.

Fritzchen:  Und die Wahrheit, wie war das noch mal mit der Wahrheit?

Immanuel:  Die Wahrheit ist das Ganze, das Sein und das Nichts und das Werden bzw. das Vergehen.

Fritzchen:  Jetzt wird mir ganz schwindelig, klingt aber irgendwie logisch. Wer hat sich denn solche Gedanken gemacht?

Immanuel: Der vielleicht größte Philosoph der Weltgeschichte.

Fritzchen:  Der größte Philosoph der Weltgeschichte?

Immanuel:  Georg Friedrich Wilhelm Hegel.

Fritzchen:  Ich glaube, wenn man sich mit dem beschäftigt, kann man leicht Kopfschmerzen bekommen.

Immanuel:  Stimmt, aber es lohnt sich.

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