Ein Gott, mein Gott, kein Gott?

Ein Gott? mein Gott? kein Gott?

Ich reagiere hier auf den Blog Christoph, der dort drei „Religiöse Büchlein“ eingestellt hat. Mit vielem, was dort geschrieben steht, bin ich sehr einverstanden.

An einer Stelle möchte ich allerdings nicht unbedingt widersprechen, wohl aber eine seiner Aussagen in Frage stellen.

Er schreibt: „Es gibt nur einen Gott aber es gibt viele Religionen.“

Die zweite Hälfte des Satzes ist eine empirische Tatsache, die sich kaum bestreiten lässt, es sei denn man folgt der These Karl Rahners, es gäbe so etwas wie ein „anonymes Christentum“, was alle Menschen der Erde zu Christen erklärt, auch wenn sie es gar nicht wissen und oder gar nicht wollen.

Ich wähle den einfacheren Weg und erkläre, ja es gibt viele Religionen.

Aber kann es sein, dass es nur einen Gott gibt?

Aus Sicht des Christentums, des Islam und des Judentums und allen anderen monotheistischen Religionen ist dies sicher richtig. Aber kann es für alle richtig sein?

Ich höre im Bekanntenkreis häufig den Satz, „es gibt nur einen Gott.“ Meistens wird dieser Satz gebraucht, um zum Ausdruck zu bringen, dass die Streitigkeiten und Kriege zwischen den Religionsgemeinschaften in Geschichte und Gegenwart eigentlich sinnlos sind. Der Satz, „es gibt nur einen Gott“, steht in diesem Zusammenhang für gegenseitige Toleranz und Akzeptanz der Religionen. In diesem Zusammenhang hat die Rede von dem einen Gott einen guten Sinn.

In den höheren Etagen der Theologie, angefangen bei den Pfarrern, den Kirchenfürsten und Professoren herrscht eher eine Neigung, dieses Alltagsverständnis des „einen Gottes“ in Frage zu stellen und eher eine Position zu vertreten, die man mit den Worten umschreiben könnte, es gibt nur einen Gott, nämlich meinen Gott.

Der ehemalige Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Prof. Dr. Peter Steinacker, meinte, es gäbe im Islam und im Christentum sehr wohl verschiedene Götter. Der Gott des Christentums sei mitnichten der des Islams sondern es handele sich um dezidiert verschiedene Götter. Der Absolutheitsanspruch müsse für jede Weltreligion gelten und man müsse damit leben, dass es verschiedene Absolutheitsansprüche nebeneinander gäbe.

Ihm wurde mangelnde Dialogfähigkeit mit dem Islam vorgeworfen, während dem er der Meinung war, man dürfe sich den anderen Glaubensrichtungen nicht anbiedern und die eigenen Positionen nicht verwässern. Ein gemeinsames Gebet mit Muslimen, wenn es von einem Pfarrer initiiert wurde, war aus seiner Sicht ein Dienstvergehen. Diese Klippe wurde in der Praxis dadurch umschifft, dass man vom neben einander her Beten sprach.

Man erkennt daran, wie kompliziert Dinge im theologischen Diskurs werden können, die im Alltag eines Christenmenschen doch so einfach erscheinen.

Der Glaube an den einen Gott hat einen eminent praktischen Sinn. Er vereint viele Familien, Stämme und Völker unter einer leitenden Idee.

Wenn wir an die deutsche Geschichte denken, wird uns das besonders deutlich. Erst galt es als Ideal, aus vielen Kleinstaaten ein Volk zu bilden, was als besondere Leistung Bismarcks angesehen wird. Nach der Teilung Deutschlands erklang in Straßen von Leipzig der Ruf: „Wir sind ein Volk!“ Das war der Kampfruf der am Beginn der Widervereinigung stand.

Die Rede von dem einen Gott ist eine Metapher, die genau dieses Ziel erfüllt. Sie eint verschiedene Gruppen unter einem gemeinsamen Symbol. Die vielen verschiedenen Symbole des Glaubens der Familien und Stämme werden zerstört.

Dies ist die erste Amtshandlung des neuen Propheten Mohameds, als er in Mekka alle Altäre niederreißen lässt zu Gunsten des einen Heiligen Steins, den alle verehren sollen.

Ähnliche Ereignisse werden im Alten Testament berichtet, wenn in der Josianischen Rechtsreform, von der im Buch der Könige die Rede ist, alle Höhenheiligtümer niedergerissen werden zu Gunsten des einen zentralen Heiligtums in Jerusalem.

Ähnlich verfährt auch der Reformator Calvin in Genf, der aus seiner Kirche alle Seitenaltäre der Familien entfernt und allein die Bibel, nicht einmal mehr das Kreuz, als Symbol auf dem Altar zulässt.

Der Glaube an den einen Gott, ist in diesen Zusammenhängen ein Symbol der Einheit der Gläubigen und gleichzeitig ein Symbol der Abgrenzung, Ausgrenzung, Bekämpfung und Zerstörung des jeweils anderen Glaubens, selbst wenn er sich auf den selben Gott bezieht.

Nun gibt es aber neben dem Glauben an den einen Gott auch den Glauben an die vielen Götter, wie wir sie in den vielen Altären in Mekka und in verklausulierter Form auch in den vielen Seitenaltären der römischen- und anglikanischen Kirchen finden.

Daneben gibt es die Tradition der Antike, die große Götterfamilien kennt, die teilweise im Widerstreit miteinander liegen und teilweise hierarchisch geordnet sind.

Außerdem wissen wir, dass der Hinduismus eine Vielzahl von verschiedenen Göttern kennt.

Zunächst kann ich keinen logischen Grund erkennen, warum der Glaube an den einen Gott, dem Glauben an die vielen Götter prinzipiell überlegen sein soll.

Der Glaube an die vielen Götter könnte man auch mit dem Glauben an meinen Gott bezeichnen. So glaubt Prof. Steinacker, dass sein Gott nicht nur anders als der Gott des Islam sei, sondern dass es sich tatsächlich um einen anderen Gott handele.

Der Glaube an den meinen Gott manifestiert sich auch darin, dass ein Fußballspieler sich nach erfolgreichem Torschuss in einem WM-Spiel bekreuzigt. Damit bedankt er sich bei seinem Gott, der ihm gegen die andere Mannschaft geholfen hat. Gäbe es nur einen Gott, brächte man ihn mit jedem Gebet in Gewissensnöte. Welcher Mannschaft sollte er vor der anderen den Vorzug geben?

Wenn jeder Spieler und jeder Mensch zu seinem Gott betet, gibt es dann nicht so viele Götter, wie es Beter gibt, die an sie glauben?

Gibt es Gott oder die Götter überhaupt nur, weil es Menschen gibt, die sie verehren?

Ist es am Ende nicht der Mensch, der sich seinen Gott erschaffen hat, wie der materialistische Philosoph Ludwig Feuerbach behauptet? Dieser Verdacht ist nicht leicht von der Hand zu weisen.

Zu einem früheren Zeitpunkt habe ich die These vertreten: „Gott ist (vielleicht) eine Erfindung der Menschheit, aber nicht die schlechteste.“

Gott sei, so hat es der Philosoph Markus Gabriel vorgeschlagen, der Platzhalter für die Empfindung, dass es Sinn gibt, dass in der Natur die Vernunft waltet und dass es den Geist gibt.

Oft wird Gott auch mit der Idee des Guten verbunden, wobei Gott immer auch negative Intensionen wie Rache und Strafe zugeschrieben wurden.

Die Bibel unterscheidet zwischen Gottesdienst und Götzendienst, eine Unterscheidung, die bis heute bleibend wichtig ist.

Ein Götze ist ein menschengemachtes Objekt, eine Statue eine Amulett oder ein Totem das vergöttlicht und angebetet wird. Demgegenüber verteidigt die Bibel die prinzipielle Unverfügbarkeit und Unsichtbarkeit Gottes. Damit erklärt sie Gott zu einem geistigen Prinzip, das außerhalb unserer endlichen Welt existiert. Jesus macht den selben Gedanken deutlich wenn er sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Religion, so hat es der Theologe David Friedrich Schleiermacher einmal ausgedrückt, ist das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit.“

Nun gibt es seit geraumer Zeit neben der Lehre, es gäben nur einen Gott oder nur meinen Gott die Lehre es gäbe keinen Gott.

Mir scheint diese Lehre genauso wenig sicher zu sein wie die Vorstellung, es gäbe nur einen oder nur meinen, respektive sehr viele verschiedenen Götter.

Die heutige Naturwissenschaft schließt die Frage nach Gott systematisch aus genauso wie die Frage nach dem Sinn, dem Geist  oder der Moral.

Gott sei, so wird behauptet, eine späte Erscheinung in der Evolutionsgeschichte, die sich mit der menschlichen Frage nach dem Sinn und seinem eigenen Herkommen verbindet.

Alle Gottesvorstellungen seien vorwissenschaftliche Welterklärungen, die durch die (Natur)-Wissenschaft selbst  überholt seien.

Der Geist sei lediglich eine Neuronale Struktur des menschlichen Gehirns, das auf seine physikalischen Voraussetzungen reduziert werden könne. Es gäbe, so wird behauptet, nur eine Wissenschaft, die auf alle Fragen eine Antwort geben könne und dies sei die Naturwissenschaft, die einzige durch Experiment und Beweis gesicherte Zugangsweise zur Erkenntnis.

Es scheint als sei der Glaube an den einen Gott durch den Glauben an die eine (Natur)-Wissenschaft ersetzt worden. Viele der behaupteten „wissenschaftlichen Beweise“ sind nur Experten, die über die nötigen Geräte und Verfahren verfügen, zugänglich und können nur durch diese verifiziert werden. Der Alltagsmensch ist darauf angewiesen, die „von Experten bewiesenen Tatsachen“ zu glauben.

Strukturell erinnert das an die Lehre der katholischen Kirche, in der nur der geweihte Priester(experte) Zugang zur Erkenntnis der Weisheit hat. Dieser Gedanke, der seit der Entstehung des Protestantismus vehement bestritten wird, scheint im modernen Physikalismus wieder aufzuerstehen.

Kritiker, die dieses Glaubensparadigma der Wissenschaft grundsätzlich in Frage stellen, werden nicht selten als Scharlatane oder Schlimmeres tituliert.

Die Diffamierungen reichen bis zur Forderung solcherlei Infragestellungen auf den Index der der verbotenen Schriften zu setzen, wie es zum Beispiel in der Diskussion um das Werk des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel „Kosmos und Geist“ geschehen ist. Auch das erinnert auf fatale Weise an die Inquisition der katholischen Kirche.

Verfolgen wir noch ein wenig den Gedanken, es gäbe keinen Gott, der in unserer Gesellschaft mehrheitsfähig geworden ist.

Folgen wir Fauerbach und versuchen zu unterstellen, Gott habe erst in einer späten Stufe der Evolution das Licht der Welt erblickt. Dies sei geschehen, als der Mensch zum ersten Mal danach fragte, woher er eigentlich kommt, und welchen Sinn das Ganze hat.

Von seiner eigenen Schöpferkraft schloss der Mensch auf die Schöpferkraft Gottes. Feuerbach behauptet Sinngemäß, die Gottesebenbildlichkeit des Menschen sei in Wirklichkeit die Menschenebenbildlichkeit Gottes.

Erst durch den Menschen, so könnte man mit Feuerbach sagen, ist Gott auf die Welt gekommen. Er existiert nicht wirklich, sondern ausschließlich in der Einbildungskraft der Menschen. Mit der Neurowissenschaft könnte man behaupten, Gott sei eine Gehirnwindung, die physikalisch reduzierbar sei.

Wenn wir diesen Gedankengang auf physikalisch gegebene Gegenstände übertragen, dann stellt sich mir folgende Frage: Ist ein physikalisch gegebener Gegenstand, zum Beispiel eine rote Ampel, erst dann eine physikalische Gegebenheit, wenn ich sie wahrnehme? Wir alle wissen, dass dem nicht so ist. Eine rote Ampel, die nicht als solche wahrgenommen wird, kann sehr wohl physikalisch wirksam werden, in dem ihre Nichtwahrnehmung zu einem schweren Unfall mit enormen physikalischen Schäden führen kann.

Es gibt einen nicht zu leugnenden Unterschied zwischen einem Gegenstand und der Wahrnehmung eines Gegenstandes. Kant nannte das den Unterschied zwischen dem „Ding an sich“ und seiner Erscheinung.

Die Tatsache, dass Gott erst zu einem historisch späten Zeitpunkt durch den Menschen als Erscheinung wahrgenommen wird, impliziert weder, dass es ihn vorher nicht gegeben haben kann,  genauso wenig, wie es beweist, dass Gott lediglich eine Imagination der menschlichen Einbildungskraft ist.

Immanuel Kant mag recht gehabt haben, als er die bislang gültigen Gottesbeweise allesamt widerlegen konnte. Seiner Reduktion des Gottesbegriffs auf die praktische Vernunft und damit der Reduktion Gottes auf die Moral, kann ich nicht zustimmen.

Man muss zugeben, dass diese Tendenz zur moralischen Engführung bereits im Alten Testament deutlich vorgegeben ist. Immer wieder wird die kultische Verehrung Gottes kritisiert und die Propheten fordern statt dessen, das Halten der Gebote, eben die Moral. Das kulminiert in dem Satz: „So spricht Gott der Herr, Gehorsam will ich und nicht Opfer.“

Auch Jesus hat man diesen Satz, den einige Propheten vor ihm auf die eine oder andere Weise ins Feld geführt haben, in den Mund gelegt.

Zurück zur Naturwissenschaft. Sie schließt in ihren Überlegungen nicht nur Gott systematisch aus, sondern auch den Geist, sofern er als ein von seiner Verwobenheit in die neuronalen Strukturen des menschlichen Gehirns unabhängig gedacht wird.

Eben so wenig kennt die Naturwissenschaft als Wissenschaft die Frage nach der Moral. Die Moral ist allenfalls sekundär, wenn von einer Wissenschaftsethik die Rede ist, die aber kein genuiner Teil der Naturwissenschaft selbst sein kann.

Versucht man den Geist auf seine neuronalen Strukturen im Gehirn zu untersuchen so muss man an der Tatsache scheitern, das das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.

Betrachten wir als Ganzes zum Beispiel ein Haus. Es bestehe aus Steinen, Holz, Dachziegeln, Fensterglas und einigen anderen Materialien. Betrachten wir die Summe der Teile, dann haben wir einen Haufen Elementarteilchen vor uns die zur Klasse der Steine, des Holzes, der Glases usw. gehören.

Ein Haufen Steine Glas und Holz sind aber noch kein Haus. Das, was den Unterschied zwischen dem Haus und dem Haufen Steinen ausmacht, ist selbst kein Elementarteilchen.

Betrachten wir die Biologie. Heute wissen wir, dass die DNS ein Code ist, der den Bauplan eines Organismus in seiner Gänze enthält. Doch was befähigt, die Elementarteilchen in diesem Organismus den Code erstens zu lesen, zweitens zu verstehen, und drittens nach diesem Bauplan organisiert zu handeln? Wie können wir diese Fähigkeit in den einzelnen Körperzellen auffinden?

Was hindert uns daran zu glauben, dass der Geist schon vorher da war, so wie die rote Ampel, bevor wir sie aus Versehen überfahren haben? Was spricht dagegen zu glauben, dass Gott schon vorher existierte bevor die ersten Menschen ihn sich angeblich ausgedacht haben?

Das einzige, was uns daran hindern kann, ist, dass wir es nicht glauben wollen. Der willentliche und systematische a priori Ausschluss Gottes aus der Naturwissenschaft, ist kein Beweis für dessen Nichtexistenz.

Die Frage nach dem Sinn, nach dem Geist, dem Verstehen, der Erkenntnis, der Moral und nach Gott bleibt weiter bestehen, auch wenn die Naturwissenschaft darauf keine Antwort geben kann und keine Antwort geben will.

Der Versuch der Naturwissenschaft sich zur einzig gültigen Welterklärung aufzuschwingen, die all die oben genannten Fragen zu neuronalen Strukturen im Menschlichen Gehirn degradiert, die er naturwissenschaftlichen Erforschung und Beherrschung unterworfen werden sollen, ist eine Anmaßung, die der Philosoph Markus Gabriel zu Recht als Fetischismus bezeichnet hat. Es ist der Versuch eine Denkweise, die naturwissenschaftliche, als absolut zu setzen. Eine Denkweise, die der Mensch selbst erfunden hat, wird quasi vergöttlicht und als einzig mögliche angebetet. Dieser Vorgang ist seit alters her bekannt und wird in der Bibel als Götzendienst beschrieben.

 

PS:

Zum besonderen Verhältnis zwischen Judentum, Christentum und Islam hier noch einige Gedanken:

Der Gott des Christentums, abgesehen von der Erweiterung durch den Christusmythosm ist mit dem Gott des Judentums historisch identisch. Alles was die Kirche bzw. das Judentum als Offenbarung Gottes, des Vaters, ansieht, entstammt dem selben Text. Die hebräische Bibel und das Alte Testament des Christentums umfassen dieselben Bücher.

In ihnen ist die Rede von dem Gott Abrahams, der seinem Diener ein großes Volk verheißt, das durch den Propheten Moses aus der Sklaverei in Ägypten befreit wird. Das Volk Israel hat seinen Namen von Jakob, dem Sohn Abrahams.

Von Jakob wird berichtet, dass er mit Gott gekämpft habe. Der Kampf so die Bibel, sei unentschieden ausgegangen. Erst die heraufziehende Morgenröte habe die Kämpfenden ermatten lassen.

Jakob macht Gott ein Friedensangebot mit den Worten: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Jakob erhält den Segen und in diesem Akt auch den Beinahmen Israel, was so viel heißt wie: „Der, der mit Gott Kämpft.“ Wir fühlen uns an indianische Mythen erinnert wie „der mit dem Wolf tanzt.“

Auch der Islam bezieht sich in seiner Mythologie auf den selben Gott Abrahams. Nur die „Umma“, die Gemeinschaft der Muslime, wird auf einen anderen Sohn Abrahams zurückgeführt, auf Ismael, den ersten Sohn Abrahams mit seiner Magd Hagar.

Der eigentlich älteste Sohn Abrahams wird zusammen mit seiner Mutter vom Vater verstoßen. Hier scheint schon im Ur-Mythos eine ewige Feindschaft zwischen Judentum und Islam angelegt zu sein.

Historisch ist der Islam viel jünger. Die Isalmische Zeitrechnung beginnt der Legende zu Folge, mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohamed von Mekka nach Medina um 622 nach Christus.

Der Koran ist in weiten Teilen eine Nacherzählung des Alten Testamentes mit einigen Akzentverschiebungen.

Theologisch versteht er sich seit seiner Gründung als Antithese zum Christentum. Er macht sich für die Wiedereinführung des Glaubens an den einen Gott stark und wirft dem Christentum vor, es habe diese Lehre verwässert und verehre statt dessen drei oder vier Götter/Göttinnen: Den Vater, den Sohn, den heiligen Geist und die Heilige Jungfrau Maria.

Außerdem bestreitet der Islam vehement, den christlichen Glauben, Gott selbst könne einen Sohn haben, der nach dem christlichen Glaubensbekenntnis „gezeugt und nicht geschaffen“ sei.

Das Strickte Bilderverbot des Judentums wird wieder neu aufgerichtet und verbietet bis heute jegliche gegenständliche Darstellung in heiligen Räumen.

Der Islam steht damit dem Judentum theologisch sehr viel näher als dem Christentum. Es ist vermutet worden, bei der Abfassung des Korans habe ein jüdischer Rabbi Pate gestanden, was die vielen Parallelen zwischen Koran und Thora erklären könnte.

Der Legende zu Folge lebten in Medina zur Zeit Mohameds überwiegend Juden. Zwei der drei Stämme dort habe Mohamed vertrieben und der letzte verbliebene jüdische Stamm in Medina sei von den Muslimen ausgerottet worden. Das Verhältnis zwischen Judentum und Islam ist seit der Gründung des Staates Israel von gegenseitiger Feindschaft geprägt.

Der Glaube an den einen Gott, eint zwar die jeweiligen Religionen, erleichtert aber in keiner Weise das Verhältnis der monotheistischen Religionen untereinander.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Gedanken zu „Ein Gott, mein Gott, kein Gott?

  1. Yeti

    Hallo Hans
    Erstens möchte ich mich für Deinen Kommentar zu meinen religiösen Büchlein bedanken.
    Zweitens möchte ich mich besonders bedanken, dass Du in einer privaten Nachricht nach weiteren Kommentaren gefragt hast.

    Die Aussage „es gibt nur einen Gott aber viele Religionen“ entspricht meinem persönlichen Empfinden und meinem Glauben.

    Du bringst hier aber eine Vielzahl von Argumenten vor, die man in Ruhe bedenken und auch unter Umständen im Internet recherchieren muss, um hier einen einigermaßen adäquaten Kommentar abgeben zu können.

    Ich bitte also um ein wenig Geduld. Hoffentlich finde ich am nächsten Wochenende die nötige Zeit, um hier zu antworten.

    Lg
    Christoph

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Vielen Dank für die schnelle Antwort mit Aussicht auf weiteren Gedankenaustausch. Da die Themen, um die es geht sehr grundsätzlicher Natur sind, bleiben sie uns ja auch erhalten und es besteht kein Grund zur Eile.

      Antwort
  2. Yeti

    Diese Analyse ist sehr umfassend, und natürlich ist es eine Glaubensaussage, wenn ich behaupte: „Es gibt einen Gott und viele Religionen“.

    Da ich persönlich eindeutig katholisch/christlich sozialisiert bin, fällt es mir leicht, zu diesem Thema einfach in der Einheizübersetzung der Hl.Schrift nachzulesen:

    Zitat aus der Einheitsübersetzung der Hl. Schrift Ex 20,1-6:
    Dann sprach Gott alle diese Worte:
    Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.
    Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
    Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
    Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation;
    bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

    Im übrigen finde ich es lustig, dass Du die Widervereinigung ohne „e“ schreibst und muss an den Witz denken: Sagt ein Ost-Deutscher zu einem West-Deutschen: „Wir sind ein Volk“, antwortet dieser: „Wir auch“.

    Aber eigentlich steht mir als Österreicher es nicht zu, solche Witze zu machen 😉

    Lg
    Christoph

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Danke für den Hinweis auf die Widervereinigung, die verdanke ich wohl einem Wiener, der den „Freudschen Versprecher“ erfunden bzw. entdeckt hat. Im Augenblick beschäftige ich mich gerade mal wieder mit der Existenz Gottes, wie du meinem Blog entnehmen kannst. Der Beitrag ist sicher unvollständig aber trotzdem lang geraten, was einige Zeit allein beim Lesen erfordern wird.

      Antwort
  3. hansarandt Autor

    Hier ein Kommentar, der mich auf dem Postweg erreichte:

    Glücklicherweise stimmt nicht, was Sie auf Seite 3 schreiben: Der Glaube an den meinen Gott manifestiert sich auch darin, wenn Fußballspieler sich nach einem … Torschuss … bekreuzigt. Damit bedankt er sich bei seinem Gott. … Gäbe es nur einen Gott, brächte man ihn … in Gewissensnöte. Welcher Mannschaft sollte er vor der anderen den Vorzug geben?“ – Das mag Gottes Problem sein, es ist nicht das Problem des Spielers.
    Gerade bei der jetzigen WM waren Bekreuzigungen und ähnliche Gesten bei Spielern auf beiden Seiten zu beobachten. (Und sofern sie katholisch waren, war ihnen wohl bewusst, dass sie sich an den einen und selben Gott wendeten.) – Kurz nach dem Spiel Deutschland gegen Brasilien wurde der brasilianische Torwart von ein ZDF-Reporter gefragt, wie er denn mit dem für ihn katastrophalen Ausgang zurechtkäme. Es war bewegend zu sehen, wie der Mann nach Worten suchte. Am Ende sagte er sinngemäß: Jedenfalls danke er Gott, dass der ihn so weit gebracht habe, in so einem Spiel mitzumachen. – Irgendwie versuchte er, damit zurecht zu kommen, dass Gott ihn diesmal nicht zum Sieger werden ließ. Gedankliche Prob-leme hatte er damit nicht. Emotionale vielleicht.
    Kann es sein, dass der Eindruck, unser aller Gott habe diesmal nicht uns sondern den Geg-nern beigestanden, dazu führt, umso mehr Zorn auf die Gegner zu lenken? – Bei diesem Torwart war das nicht der Fall. Wohl aber bei Kain und Abel!

    Dazu noch ein Beispiel, das auf den ersten Blick absurd erscheinen mag und mir doch bedenkenswert erscheint: In einer Sammlung von Anekdoten aus Kirche und Religion fand ich das Gebet eines preußischen Generals im siebenjährigen Krieg gegen Österreich. (In der Sammlung sind der General und die Schlacht namentlich genannt, ich kann die Quelle aber nicht mehr finden.)
    Er betete: Herr hilf uns zum Sieg! Wenn du das aber nicht willst, dann halte dich raus und hilf nicht den anderen!
    Der Gedanke, dass Kriege grundsätzlich zweifelhafte Unternehmen sein könnten, war dem Mann wohl fremd. Allenfalls mag ihm nicht ganz sicher gewesen sein, ob der preußische Angriff rechtens war. Jedenfalls aber war ihm klar: Es ist nicht selbstverständlich, dass Gott sich den Preußen enger verbunden weiß als den Österreichern. – Und er hatte drei Denkmodelle im Kopf: Unser beider Gott ist mit uns. – Dieser selbe Gott ist (diesmal) mit den anderen. – Dieser Gott hält sich diesmal heraus.
    Wieder ist es schwierig, das theologisch redlich auf die Reihe zu bringen. Denn uns liegen gewöhnlich nur zwei Alternativen als Denkmodelle nahe:
    Alternative 1: Gott zeigt Liebe oder Zorn. (Oder: Er ist uns nahe oder fern)
    Alternative 2: Gott lenkt die Dinge. versus Diese Sache hat mit Gott nichts zu tun. (Bzw. Gott hat nichts mit ihr zu tun.)
    Es ist schwierig, beide Alternativen gedanklich in Verbindung zu bringen. Denn es geht um verschiedene Kategorien. Die Alternative ‚Liebe oder Zorn‘ meint mit Bildern gedeutete Got-teserfahrungen. – In der zweiten Alternative geht es um das Wirklichkeitsverständnis und den Gottesbegriff: Gottes Macht und Wille versus Zufall (bzw. natürliche Kausalität).
    Im Alltag werden beide Alternativen oft vermischt. Und es ist nötig, beide vernünftig zu ver-binden.
    Einerseits um nicht ständig göttliches und menschliches Handeln entweder zu vermischen (als müssten wir unser Tun nicht auch selbst verantworten) oder auseinander zu reißen (als hätte Gott mit meinem Handeln und dessen Auswirkungen nichts zu tun).
    Andererseits, um nicht seelsorgerlich sprachlos zu werden: Wir sind ja immer wieder in Kon-kurrenzsituationen, in denen es Gewinner und Verlieren gibt. Wie also wäre redlich zu be-ten, vor, während und nach der Auseinandersetzung?

    Antwort

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