Existiert Gott?

Awilex hat mich mit seinem Beitrag „Existiert Gott?“ animiert, mich mal wieder zu dieser Frage zu äußern, die mich eigentlich schon immer umtreibt.

Er schreibt:

„Solange an Gott geglaubt wird, solange existiert er auch. Ob er nun als konkretes Wesen existiert oder eben doch nur ein Hirngespinst ist, ist nicht entscheidend, denn in beiden Formen erfüllt er seine Aufgabe als Hoffnungsträger, das ist das Entscheidende.

Solange die Menschheit hofft, existiert Gott. Wenn die Menschheit allerdings die Hoffnung verliert, dann stirbt er… und mit ihm vielleicht unsere ganze Welt.“

Was die Hoffnung angeht, stimme ich Awilex erst mal zu und was die enge Verbindung zwischen den Menschen und ihren Vorstellungen von Gott und Gott selbst angeht, auch.

Die Frage, über die meistens nachgedacht wird, ist allerdings die, ob Gott ein Hirngespinst ist oder eine Realität.

Ich möchte mich für die die Realität Gottes und gegen die These, er sei „nur“ ein Hirngespinst, stark machen.

Moderne Menschen stellten sich unter real existierenden Gegenständen in der Regel nur Dinge vor, die sichtbar sind und die man anfassen kann. Das betrifft die meisten Gegenstände, von denen in der Physik die Rede ist. Die Physik selbst gehört aber schon nicht zu diesen Dingen. Sie ist kein Gegenstand, den man anfassen oder sehen kann.

Die Physik selbst besteht weder aus Elementarteilchen noch aus Wellen noch aus Quanten noch aus der Gravitation etc. sondern die Physik ist eine Theorie über physikalische Gegenstände und deren Gesetzmäßigkeiten und somit eine Funktion des menschlichen Geistes.

Diese Gesetzmäßigkeiten sind auch nicht an die physischen Gehirne der Physiker gebunden, die die Physik entwickelt haben. Wollte man das annehmen, dann müsste man glauben, die Schwerkraft wäre von Newton erfunden, nicht aber entdeckt worden.

Der geneigte Leser wird mir zustimmen, wenn ich davon ausgehe, dass die Schwerkraft schon bestanden hat, lange bevor es biologisches Leben auf der Erde gegeben hat und man könnte sich darüber streiten, ob es die Schwerkraft nicht vielleicht schon gegeben hat, bevor es Planeten gab.

Spätestens mit der Entwicklung des Menschen sind Dinge auf die Welt gekommen, die mit physikalischen Kategorien nicht zu fassen sind. Es sind dies vor allem die Errungenschaften des menschlichen Geistes.

Die Physik selbst ist eine dieser Errungenschaften aber eben nur eine Sichtweise, die einen ganz bestimmten Gegenstandsbereich in einem ganz bestimmten Sinnzusammenhang in den Blick nimmt.

Nennen wir diesen Sinnzusammenhang und diesen Gegenstandsbereich das Universum. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum sich unter dem Universum alles in der Welt mögliche und denkbare vorzustellen, so als ob es außerhalb des Universums nichts gäbe.

Der Philosoph Markus Gabriel hat das Universum als eine „ontologische Provinz“ bezeichnet, eine kleine Insel ganz bestimmter Gegenstände in einem gigantischen Meer der möglichen und denkbaren Gegenstände und Tatsachen.

Ein Gegenstand, der im Universum zum Beispiel nicht vorkommt, sei Margret Thatcher. Die Elementarteilchen aus denen sie einmal bestand haben mittlerweile die Würmer gefressen und die sind selbst längst wieder zu Erde geworden.

Obwohl Margret Thatcher physikalisch nicht existiert, können wir sinnvoll von ihr sprechen und jeder weiß, was gemeint ist.

Es existieren auch Gegenstände, die niemals als Teilchen der Physik existiert haben, wie beispielsweise Goethes Faust oder Rotkäppchen.

Existiert nun Gott in dem Sinne wie Goethes Faust, weil dieser Charakter  von ihm erfunden wurde, als Erfindung der Menschen oder existiert er wie die Schwerkraft, die schon vorher da war, lange bevor der Mensch sie als Naturgesetz entdeckt hat?

Mindestens die Erste Behauptung können wir bestätigen. Solange wir die menschliche Geschichte zurückverfolgen können, solange scheint der Mensch mit Gott oder den Göttern in Kontakt getreten zu sein.

Die Vorstellung, das Leben könnte auch ohne die Bezugnahme auf Gott funktionieren und gelingen, ist vor allem in der westlichen Welt seit der Aufklärung verbreitet.

Heinrich Heine hat Immanuel Kant einmal zutreffend mit der Französischen Revolution verglichen. Habe Robbespiere die Monarchie abgeschafft so komme Kant das Verdienst zu, Gott vom Thron gestoßen zu haben.

Ludwig Feuerbach hat zuerst die These aufgestellt, dass Gott eine Erfindung des Menschen sei und nicht umgekehrt der Mensch ein Geschöpf Gottes.

Damit hat er im abendländischen Denken eine kopernikanische Wende ausgelöst. Hatte Kopernikus und Galileo die Erde aus dem Zentrum des Universums herausgeholt und ihr eine Stelle am Rande der Galaxien zugewiesen, so geht Feuerbach den umgekehrten Weg, indem er den Menschen zum eigentlichen Schöpfer erklärt und Gott zu einem austauschbaren menschlichen Gedanken degradiert.

Hatte im alten Weltbild der Mensch gelegentlich die Neigung zur Überheblichkeit, was sich zum Beispiel in dem biblischen Satz, macht euch die Erde untertan, ausdrückt, so ist im neuen Weltbild der Mensch der einzige Träger der Weisheit und macht sich selbst zum Maß aller Dinge.

Genau hier liegt das Problem. Billigt man Gott keine Existenz außerhalb der menschlichen Phantasie und Hoffnung zu, wird der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen.

Zunächst, so lehrt es die Evolutionsgeschichte, sei das Leben aus toter Materie entstanden und später nach einer langen Entwicklung der Mensch mit seinen geistigen Fähigkeiten.

Das Leben, so will man uns glauben machen, sei „zufällig“ entstanden, genauso wie der menschliche Geist.

Wenn man in der Wissenschaft vom Zufall spricht, dann bekommt man es mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Nun sollte man annehmen, dass die Naturwissenschaftler, die die Entstehung des Lebens und des menschlichen Geistes für einen Zufall halten wollen, Gründe dafür anführen können, warum dieser Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten musste.

Meines Wissens ist aber genau das Gegenteil der Fall. Dass sich aus Sand, Steinen und unbelebtem Wasser das Leben und später der Geist des Menschen entwickeln konnte, ist mathematisch gesehen ausgesprochen unwahrscheinlich.

Wahrscheinlich ist das genau der Grund, warum in dem Roman, per Anhalter durch die Galaxis, der „unendliche Unwahrscheinlichkeitsreaktor“ erfunden werden musste.

Das hindert die Naturwissenschaftler allerdings nicht daran, sich fest auf dem Boden der Tatsachen zu wähnen, wenn sie behaupten, dass es Gott nicht geben könne, weil er ihrem Instrumentarium nicht zugänglich sei.

Es ist ein weit verbreiter Kinderglaube, dass es etwas, was man nicht sehen kann, weil man sich die Augen zuhält, auch nicht existiert.

Eine Wissenschaft, die aus ihrem Weltbild Gott a priori ausschließt, braucht sich auch nicht darüber zu wundern, dass sie mit ihrem Instrumentarium Gott nicht erkennen kann.

Das wäre ungefähr so, als wenn ich mir eine Grüne Brille aufsetzte und mich dann darüber beschwere, dass ich nichts rotes mehr sehen kann.

Wenn der Glaube an die Existenz Gottes tatsächlich eine reine Phantasie sein sollte, so ist auch der Glaube an seine Nichtexistenz eine Phantasie des Menschen. Auch an die Nichtexistenz Gottes muss in der gleichen Weise geglaubt werden, wie an die Existenz Gottes geglaubt wurde und geglaubt wird.

Machen wir uns noch einmal die Unmöglichkeit der Beweisführung und die Anmaßung mit Hilfe der Naturwissenschaft, könne und müsse die Existenz Gottes als widerlegt angesehen werden, deutlich:

Die Naturwissenschaft nimmt für sich in Anspruch Naturgesetze, objektive Tatsachen entdecken zu können, die jenseits der subjektiven Wahrnehmung der Menschen zeitlos gültig sind.  Sie versteht sich somit als objektive Wissenschaft, die subjektive Wahrnehmung transzendiert.

Weiterhin beruft sich die Naturwissenschaft auf die Gesetze der Vernunft und der Logik, die ebenfalls zeitlos gültig sind, und sie in die Lage versetzt wahrheitsfähige Aussagen zu bilden und diese auf als objektiv wahr oder falsch beurteilen zu können.

Drittens nimmt die Naturwissenschaft für sich in Anspruch „wertfrei“ zu sein, das heißt allein der objektiven Wahrheit verpflichtet und unabhängig von etwaigen Interessen Dritter zu sein. Die Frage nach dem Wert einer Sache, ob sie gut oder schlecht im Sinne irgend einer Moral ist, ist eine Frage, die sie bewusst an andere Instanzen auslagert.

Die Naturwissenschaft beschäftigt sich somit ihrem eigenen Selbstverständnis nach

1. nicht mit der Frage nach der subjektiven Wahrnehmung des Menschen und somit seiner Subjektivität und der Subjektivität überhaupt,

2. nicht mit dem Begriff der Wahrheit, den sie von außen an die physikalische und chemisch-biologische Evolutionsgeschichte als zeitlos gültige heranträgt und

3. Nicht mit dem Werten, die für das menschliche Leben konstitutiv sind und die die Entwicklung der Vernunft und der Kommunikationsfähigkeit des Menschen zur Voraussetzung haben.

Wie will eine Theorie, die systematisch die konstitutiven Elemente des Menschseins, die gleichzeitig auch die Attribute Gottes sind, wie zum Beispiel die Entwicklung der subjektiven Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit, der theoretischen- und praktischen Vernunft und der Fähigkeit Werturteile zu fällen, aus ihrer Theoriebildung ausklammert, auf genau diese Fragen eine plausible Antwort geben?

Die Religionen beschäftigen sich von alters her mit genau diesen Fragen: Wie ist die Welt entstanden, wie kommt es zur Entstehung des Lebens, der Subjektivität, der Vernunft und der Werturteile.

Die Antwort, die viele Religionen zu geben versuchen ist intentional. Es müsse, so glaubt man ein Außerirdisches Wesen geben, dass all diese hoch komplexen und geordneten Erscheinungen im Universum gewollt, geplant und ausgeführt hat.

Dieser Gedanke ist zunächst sehr naheliegend. Wenn ich das Haus vor meinem Fenster betrachte, dann weiß ich, dass dieses komplexe Gebilde bereits im Kopf des Architekten und später auf seinen Plänen existiert hat, bevor der erste Stein gemauert wurde.

Bezogen auf das Haus, handelt es sich bei der intentionalen Deutung seiner Entstehung um Erfahrungswissen. Die geistige Leistung der an der Planung beteiligten Personen ist eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung des Hauses.

Bezogen auf Gott muss diese Betrachtungsweise freilich eine Spekulation bleiben, eine mögliche aber keine zwingende Erklärung.

Welche Erklärung gibt aber die Naturwissenschaft und die Evolutionsgeschichte auf die Frage nach der Entstehung des Lebens, der Subjektivität, der Vernunft und der Moral?

Die Antwort ist gegenüber den Religionen von einer erschreckenden Schlichtheit. Das Leben, so heißt es, sei aus der toten Materie durch einen noch dazu unwahrscheinlichen Zufall entstanden.

Die Subjektivität versucht man derzeit naturwissenschaftlich auf neuronale Prozesse im Gehirn zu reduzieren, die Entstehung der Vernunft will man ebenfalls auf solche Prozesse zurückführen können und mit der Moral will man sowieso nichts zu tun haben, da die Naturwissenschaft per Definition „wertfrei“ ist.

Beginnen wir beim Zufall. Wenn wir von einem Zufall reden, dann meinen wir damit das zwei Ereignisse, die „zufällig“ zusammen auftreten in keiner Weise aufeinander bezogen sind. Zwischen diesen beiden Ereignissen besteht weder ein kausaler, noch ein finaler, noch irgend ein anderer Zusammenhang, der das gleichzeitige Auftreten dieser beiden Ereignisse erklären kann.

Wenn ich etwas mit dem „Zufall“ „erkläre“, dann stelle ich damit fest, dass es für dieses Ereignis keine mir bekannte Erklärung gibt.

Da die moderne Naturwissenschaft alles daran setzt, objektive Tatsachen, die unabhängig von unserer subjektiven Wahrnehmung sind, herauszuarbeiten, ist sie an der Subjektivität nur insofern interessiert, wie sie als Irritation oder Unschärfe aus dem Prozess der Wahrheitsfindung so weit wie möglich ausschließen kann.

Der Versuch die Leistungen der Vernunft, des Geistes und der Moral auf neuronale Prozesse im Gehirn zu reduzieren impliziert einen ebenso reduzierten Wahrheitsbegriff.

Ist es richtig, dass man eine Sache nur dann erklären kann, wenn man sie auf einfachere Ursachen zurückführt?

Auch in der Philosophie wurde dieser Versuch unternommen als man in der positivistischen Denkrichtung der analytischen Philosophie versuchte eine Weltformel analog der Formel  E=mc² zu finden.

Dieser Versuch kann aus vielerlei Gründen als gescheitert betrachtet werden. Auch die Suche nach einer Weltformel wurde meines Wissens vorerst eingestellt.

In der Naturwissenschaft haben diese reduktionistischen Modelle zweifelsohne zu bahnbrechenden Erkenntnissen geführt. Was berechtigt uns aber zu der Annahme, dass dieses Modell der Wahrheitsfindung auch gute Ergebnisse in der Musik, in der Kunst in der Architektur, der Philosophie oder der Religion zeitigen muss.

Um zu erklären, wie ein Haus entstanden, ist das intentionale Modell der Erklärung, das den Entstehungsprozess auf die Intentionen des Bauherren und der beteiligten Architekten zurückführt, wesentlich plausibler.

Neben der kausalen und der intentionalen gibt es auch ein teleologisches Modell der Wahrheit. In der Evolutionsgeschichte wird darauf Bezug genommen, wenn die Erhaltung der Art als Telos, als Ziel des Verhaltens biologischer Organismen vorausgesetzt wird.

Der Mensch selbst transzendiert aber alle diese Erklärungsmodelle. Er ist weder nur ein Produkt einer zufällig aus der anorganischen Chemie entstandenen Lebensform, noch ist er ausschließlich seinem Fortpflanzungs- und Arterhaltungstrieb unterworfen, sondern er überschreitet all diese ihn determinierenden Bedingungen indem er mittels seiner Vernunft in der Lage ist, sich moralisch über die ihn bestimmenden Rahmenbedingungen zu erheben.

Der Mensch kann sich entscheiden, seinen Fortpflanzungstrieb zu kontrollieren mittels Verhütungsmitteln oder indem er beschließt als Mönch zu leben. Der Mensch kann sich dafür entscheiden das Leben, das ihm gegeben wurde, eigenhändig zu beenden oder in einem der Länder, in denen das möglich ist, die aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Der Mensch ist nicht nur Subjekt und damit subjektiv, was in der Naturwissenschaft nur als auszuräumende Unschärfe der menschlichen Erkenntnis angesehen wird, sondern der Mensch ist im eigentlichen Sinne frei und nur zum Teil den Bedingungen unterworfen, die durch die Evolutionsgeschichte vorgegeben sein mögen.

Kann man einen komplexen Gegenstand dadurch erklären, dass man ihn auf die Teile reduziert, aus denen er besteht? Oder anders herum, ist das Ganze nicht mehr als die Summe seiner Teile?

Die reduktionistische Erklärung scheitert schon bei einem Auto. Die Komplexität eines Autos lässt sich nur erklären, wenn man es auf die noch komplexeren Vorgänge bei seiner Herstellung zurückführt.

Ähnlich verhält es sich bei einem Haus, wie wir oben gesehen haben. Sowohl ein Haus als auch ein Auto sind Gengenstände, die ohne die bewusste Einwirkung des menschlichen Geistes nicht möglich wären.

Nun ist aber der menschliche Geist selbst eine Entwicklungsstufe der Evolutionsgeschichte, wie heute gelehrt wird. Wenn dem so wäre, hieße das, dass die Evolutionsgeschichte mindestens so komplex ist wie beispielsweise ein Auto, das mit reduktionistischen Methoden der Wahrheitsfindung nicht erklärt werden kann.

Trotzdem sollen wir glauben, die Naturwissenschaft sei mit ihren reduktionistischen Methoden dazu in der Lage oder zu Mindestens auf dem besten Weg dorthin. Es besteht kein vernünftiger Grund zu glauben, dass dies tatsächlich der Fall ist.

Bei aller Anerkennung der Leistungen, die in der Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten erbracht wurden, die zweifellos enorm sind, bleibt doch das Diktum des Philosophen Ludwig Wittgensteins bestehen, der gesagt hat: „Selbst wenn alle wissenschaftlichen Fragen ein für allemal gelöst sein sollten, ist über das Leben selbst noch nichts gesagt.“

Der Versuch der Naturwissenschaft und ihrer Protagonisten sich zum einzig gültigen Welterklärungsmodell aufzuschwingen erinnert stark an das „Extra ecclesiam nulla salus“ der Katholischen Kirche,der Lehre, außerhalb der Kirche gäbe es kein Heil.

Auch die Naturwissenschaft agiert dogmatisch idem sie Bereiche aus ihrem Modell als „unwissenschaftlich“ ausgrenzt zu dem, wie oben gezeigt, unter anderem die Subjektivität, die Moral und die menschliche Freiheit gehören.

Die scheinbar vernünftigste aller Wissenschaften ist nicht einmal in der Lage, die Entstehung der Vernunft selbst zu erklären und tarnt ihre eigene Erklärungsunfähigkeit durch den Begriff des Zufalls.

Außerdem leistet das naturwissenschaftliche Erklärungsmodell mit seiner Ausgrenzung der Moral auf diese Weise der Unmoral Vorschub. Alles was auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse gemacht werden kann, wird auch gemacht einschließlich der Atombombe.

Kehren wir zurück zur Ausgangsfrage: Existiert Gott?

Die Naturwissenschaft kann aus rein logischen Gründen und aus ihrem eigenen Selbstverständnis heraus darauf keine Antwort geben.

Alle Versuche in diese Richtung entpuppen sich als Anmaßung und es entsteht der Eindruck als sei das naturwissenschaftliche Weltbild zur neuen Religion geworden. Wer dieses Weltbild nicht akzeptiert kann in der Hierarchie der Wissenschaften nichts werden und wer allzu deutlich dagegen polemisiert muss durchaus mit Sanktionen rechnen.

Die Religionen haben versucht, auf die Frage nach der Existenz Gottes und allem was damit zusammenhängt, eine Antwort zu geben und haben diese Fragen zu ihrer ureigensten Sache gemacht.

In der Philosophie werden ähnliche Fragen erörtert. Hegel hat einmal gesagt:

Die Philosophie hat mit Kunst und Religion den selben Inhalt und den selben Zweck. Sie ist die höchste Weise die Welt zu erfassen, weil ihre Weise der Begriff ist.

Die Philosophie hat keinen anderen Gegenstand als Gott und ist so wesentlich rationelle Theologie und so als im Dienste der Wahrheit fortdauernder Gottesdienst.

Philosophie ist Religion als Wissenschaft.“

Es sind in der Philosophie und in den Religionen unzählige verschiedene Antworten auf die Frage nach Gott und damit zusammenhängend auch auf die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz gegeben worden.

Die Antworten sind so komplex wie der Gegensand der Fragen. Es lässt sich eben gerade keine Formel mit zwei bis drei Variablen finden, um dieser Komplexität gerecht zu werden, wie sie die Naturwissenschaft bemüht ist, herauszufinden.

Die möglichen Antworten werden sich in der Geschichte weiter entwickeln wie sich alle Erkenntnisse auch der Naturwissenschaft in der Geschichte weiter entwickelt haben.

Schon der Apostel Paulus hat das so gesehen, als er sagte: „Nicht das ich es schon ergriffen hätte, ich jage ihm aber nach.“ Manchmal ist es wichtiger die richtigen Fragen zu stellen, als sich mit allzu einfachen Antworten zufrieden zu geben.

Oft scheitert aber genau das an der menschlichen Spezies, die geneigt ist, lieber etwas Einfaches zu glauben, als sich selbst auf die Suche nach der zweifellos viel komplexeren Wahrheit zu machen.

Ich halte es nach wie vor für sehr wahrscheinlich, dass „Gott existiert“ aber möglicher Weise auf eine Art, die wir uns heute nicht einmal vorstellen können.

Ich helfe mir gerne mit der „Wirklichkeit“ Gottes. Ich verstehe Wirklichkeit dann in dem Sinne, dass etwas wirkt. In diesem Sinne ist die Wirklichkeit Gottes im subjektiven Erleben der Menschen in der Evolutionsgeschichte fest verankert und gar nicht wegzudenken.

Da das subjektive Erleben der Menschen konstitutiv für die Entwicklung der Vernunft, jeglicher Form der Wissenschaft, der Moral und der menschlichen Freiheit ist, besteht kein Anlass die Gottesvorstellung hinter sich zu lassen, es sei denn, man wollte sich zurückentwickeln und zu einer abhängigen Variablen in einer naturwissenschaftlichen Gleichung werden. Das mag manchen Naturwissenschaftlern gefallen, für die Menschheit als Ganzes wäre das aber sicher mehr als abträglich.

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6 Gedanken zu „Existiert Gott?

  1. arabella50

    Wenn nun aber Physik nur der Name für existierende Vorgänge ist? Wie verhält es sich dann mit dem Namen Gott? Wird das Wort,der gleichen Annahme folgend,dann auch zur Bezeichnung real existierender Vorgänge? Und wenn ja – welcher?

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich denke, das hängt davon ab, was wir unter real existierenden Vorgängen verstehen. Viele meinen darunter nur die Dinge fassen zu wollen, die physikalisch aufgefasst werden können. Das Universum ist aber eine „ontologische Provinz“ wie es der Philosoph Markus Gabriel einmal ausgedrückt hat. Viele Dinge über die wir uns wie selbstverständlich verständigen können, wie zum Beispiel Margret Thatcher oder Goethes Faust haben keine Entsprechung im Universum der Elementarteilichen der Pysik. Auch in der Physik können wir nicht wissenschaftlich arbeiten, wenn wir nicht ständig die Kräfte des Geistes in Anspruch nehmen, die mehr sind als ein biochemischer Prozess in unserem Gehirn. Wollte man unseren Geist auf diese Prozesse reduzieren, wie das in der modernen Neurologie versucht wird, dann käme es dem Versuch gleich Goethes Faust auf grund der Chemischen Zusammensetzung der Tinte auf dem Papier das er beschrieben hat erklären wollte. Gott ist auf jeden Fall in dieser geistigen Welt zu Hause und dort so real wie Faust oder Rotkäppchen. Pantheisten glauben, dass Gott auch in den Dingen der Natur zu Hause wäre, eine Vorstellung, die meist mit der Ehrfurcht vor der Natur einhergeht.
      Sehr anschaulich kann man diesen Gedankengang in folgendem Video finden, Ab Minute 7,20 spricht Markus Gabriel selbst zu seinem Buch, warum es die Welt nicht gibt: https://www.youtube.com/watch?v=yKAqWKyVNlQ

      Antwort
      1. arabella50

        Bei allem Respekt, vergessen Sie bitte nicht,wie unbedeutend der einzelne Mensch in der Regel ist.
        Eine Zurücknahme der eigenen gefühlten Wichtigkeit eröffnet neue Wege und Sichten.Freundliche Grüße, Arabella

  2. hansarandt Autor

    Ich denke, da sind wir ganz einer Meinung, was ich versucht habe mit dem Begriff Ehrfurcht vor der Natur, dem Leben, der Schöpfung zum Ausdruck bringen wollte, oder soll ich den Kommentar als Warnung vor Überheblichkeit verstehen?

    Antwort
  3. hansarandt Autor

    Hier ein Kommentar, der mich auf dem Postweg erreichte:

    Hier bin ich ganz einig mit Ihren Gedanken und Argumenten in der Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften.
    Allerdings enthält Ihre Argumentation eine Merkwürdigkeit, die mir beim Lesen zunächst gar nicht aufgefallen ist, und die mich jetzt nachdenklich macht:
    Vereinfacht zusammengefasst, ist Ihre These ja: Komplexe Gebilde wie z.B. ein Haus sind mehr als die Summe ihrer einzelnen Bestandteile, und es ist plausibler, einen Architekten am Werk zu sehen als die Entstehung auf einen zwecklosen Zufall zurückzuführen (und den ‚Architekten‘ für ein Hirngespinst zu halten).
    Das sehe ich auch so. Nur: Es ist noch nicht lange her, dass seitens einer positivistischen Na-turwissenschaft Gott zum Hirngespinst erklärt wurde mit Hilfe der vermeintlich überall er-kennbaren Kausalzusammenhänge und der daraus folgenden Determination der Abläufe. Also gerade nicht ‚Zufall‘.

    Vor weniger als zehn Jahren gab es in den USA einen Prozess: Ein fundamentalistisch christli-cher Kläger wollte ein Urteil erstreiten, das Lehrer verpflichtete, im Unterricht darauf hinzu-weisen, dass neben der Evolutionstheorie auch die biblische Schöpfungsgeschichte eine plausible Erklärung der Naturgeschichte bieten könne. Der Richter verlangte einen Beweis für diese Überzeugung: Der Kläger müsse nur eine einzige Stelle der Entwicklungsgeschichte aufweisen können, an der keine Kausalität erkennbar ist. Da dürfe man also von Zufall reden und mit gleichem Recht von einem Einwirken Gottes.
    Das zeigt nicht nur, wie sich auch in der Naturwissenschaft aufgrund fortschreitender Entde-ckungen die Paradigmen und damit die Weltsicht ändern. Es zeigt auch die Anfälligkeit der Theologie für wechselnde Argumentationen.
    Tatsächlich haben wir es mit zwei Polaritäten zu tun, die in einem (ja nicht notwendig pole-mischen) Gespräch mit Naturwissenschaftlern bedacht werden müssen:
    1. Kausale Determination versus Freiheit (für den menschlichen und möglicherweise für einen göttlichen Willen)
    2. Zufall versus Absicht und Sinn (möglicherweise eines göttlichen Geistes)

    Übrigens: Während allgemein der heutigen Physik der ‚Zufall‘ nicht fremd ist (z.B. hinsicht-lich der Evolution), werden in der Gehirnforschung oft Erfahrungen von Freiheit, Geist‚ Ich-bewusstsein auf Grund erkennbarer Determination problematisiert. – Gegebenenfalls ver-leugnen die Forscher damit ihr kostbarstes Instrument: Ihr suchendes, erkennendes und sich daran begeisterndes Ich (das sie unmittelbar erleben und doch nicht dingfest machen kön-nen).
    Ich wundere mich, wie selten die offenkundige Paradoxie thematisiert wird: Freiheit ist keine Gegebenheit, die man objektiv beobachten und messen kann wie z.B. Freude oder Kummer, Zorn oder Liebe. Und natürlich sind wir determiniert durch soziale und psychische Umstände. Und doch ist Freiheit die Voraussetzung jeden kulturellen Handelns.
    Es ist schwierig, dieser Paradoxie philosophisch und theologisch (und in jedem Fall intellek-tuell redlich) Rechnung zu tragen. In meinem KSA-Kurs bei Alkoholiker in USA habe ich er-lebt, wie es doch unbedingt nötig ist: Die Patienten hatten nur eine Chance, wenn sie das paradoxe Kunststück fertig brachten: Sie mussten lernen, eigene Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie ihre Verantwortungsfähigkeit mit der Sucht verloren hatten. Dazu brauchten sie eine „höhere Macht“.

    Antwort
  4. Yeti

    Laßt mich vielleicht noch einen kleinen Gedanken hinzufügen.

    Eigentlich beschäftigt sich die Religion gar nicht so sehr mit der Frage, ob Gott existiert oder nicht (ich möchte daran erinnern, dass die Bibel mit den Worten beginnt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, kein einziges Wort von einer Argumentation pro Gott oder von einem Gottesbeweis, Gott wird einfach vorausgesetzt).

    Eventuell im Buch Hiob dann eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes.

    Es ist wie die alte Anekdote: „Stell Dir vor, der X hat jetzt Theologie studiert“. Antwort: „Und, ist er trotzdem noch fromm?“ 🙂

    Das ist jetzt kein „ernsthafter“ philosophischer Beitrag, ich will damit nur „auflockern“ 🙂

    Antwort

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