Moderne Fragen

Immer wieder wird die Frage gestellt, wie man von Gott in der modernen Welt noch sprechen kann. Ich stelle die umgekehrte Frage und die lautet:

Wie kann man es in der modernen Welt, wenn man von Gott her denkt, noch aushalten?

10 Gedanken zu „Moderne Fragen

  1. alphachamber

    Ich sehe nicht – glaubt man denn wirklich an Gott – was der Glaube mit Fortschritt zu tun hätte. Die wichtigere Frage wäre, warum der heutige Mensch noch einen Glauben in seinem Leben braucht.

    Antwort
      1. alphachamber

        In dem Falle wäre ja der Begriff „wissen“ redundant.
        Wittgenstein schrieb:
        „Wenn mman keine Gewissheit über irgend eine Tatsache hat, kann man
        auch über seine eigenen Worte keine Gewissheit haben. Wenn Sie versuchten
        ueber alles zu zweifeln, kämen Sie nicht weiter als auch nur an einer
        Sache zu zweifeln. Das Konzept des zweifeln an sich, setzt die Gewissheit
        voraus.“
        Über das Einzige worüber man k e i n e Gewissheit haben kann ist der Glaube 🙂

    1. hansarandt Autor

      Ich bin selbst ein Fan von Wittgenstein und denke, dass sein Diktum, der Zweifel setze die Möglichkeit des Wissens schon voraus, durchaus richtig ist.
      Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Unterschied zwischen Glauben und Wissen nicht so groß ist, wie er scheint. Wenn wir, wie Wittgenstein einwendet, alles überprüfen müssten, bevor wir es glauben, könnten wir morgens nicht aufstehen, weil wir nicht absolut sicher wissen könnten, ob der Boden unter unseren Füßen auch dieses Mal hält.
      Im Alltag verlassen wir uns auf unendlich viele Dinge, die wir nicht alle jedes Mal überprüfen können. Nicht wenige davon könnten wir mit unseren Mitteln selbst dann nicht überprüfen, wenn wir es wollten, sondern müssen uns auf das Urteil von Experten verlassen, die es überprüft zu haben meinen.
      Ich denke, der Glaubende kann durchaus etwas wissen und der Wissende kommt ohne Glauben nicht aus, schon aus rein praktischen Gründen.
      Das heißt aber nicht, dass es eine zwingende Notwendigkeit gibt, an Gott im Sinne irgend einer Religion zu glauben. Die Religion ist aber bei weitem nicht das Einzige, worüber man nichts wissen kann, wie du sagst.
      Ernst zu nehmende Zeitgenossen zweifeln zum Beispiel an der Relativitätstheorie, dem Treibhauseffekt, dem Ozonloch und dem ausgebliebenen Waldsterben um nur einige Beispiele zu nennen, die in unserer Kultur als sicheres Wissen gelten und von fast allen geglaubt werden.
      Ich glaube unsere Welt steckt voller nur zum Teil erkannter Mythen. Und die Kritik am Zeitgeist, die an die Tradition der Religionskritik anknüpfen könnte, ist mehr als überfällig.

      Antwort
      1. alphachamber

        Da gibt es erstens das Gesetz der Identität.
        Dann, wenn wir sagen, dass morgen die Sonne aufgeht, „wissen“ wir das auch nicht. Aber weil sie es die letzten paar Milliarden Jahre getan hat, können wir uns zurecht auf das morgige Naturereignis freuen – oder nicht?
        Es geht hier auch gar nicht um „gegenseitiges beweisen“. Jeder muss selbst entscheiden, ob er sich in seinen Gedanken von Logik und der Vernunft leiten lässt. Entweder ist die Vernunft ein Absolut im Geist oder nicht. Wenn nicht, wo ziehen Sie dann Ihre Linie?

  2. arabella50

    Lebten wir mehr im hier und jetzt,wüssten wir mehr,was Not tut.
    Dem heutigen Menschen,der sich in seinem Begehren wenig vom Vorhergehenden unterscheidet, ist Glaube(gleich an was) Hoffnung,Trost und Zuversicht.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich gebe Dir recht. Ich denke aber dass der religiöse Glaube mehr ist als ein Trost, In den Religionen ist ein Wissen überliefert, das dem auch ein eminent kritisches Potential innewohnt. Als man meinte, die Religion auf den Müllhaufen der Geschichte werfen zu können, schüttete man eine Menge von Kindern mit dem Bade aus. In den Religionen sind Weiheiten überliefert, deren Tragweite wahrscheinlich erst künftige Generationen entdecken werden.

      Antwort
      1. arabella50

        Obwohl es mir nicht darum geht,Recht zu erhalten – danke -.Als ich dir meine Gedanken mitteilte,lief das was du jetzt sagtest bei mir im Hinterstübchen.Die Bibel war auch erstes Gesetzbuch.Und natürlich ist sie voller Weisheit und Wahrheit.Ihre Kenntnis hilft auch Atheisten wie mir.

  3. hansarandt Autor

    Es gibt mindestens einen Philosophen der behauptet hat, man könne in der Religion durchaus etwas wissen und müsse nicht nur Glauben.
    Hegel sieht in der Religion eine Stufe des Weltgeistes, der sich im Prozess der Weltgeschichte selbst erkennt und selbst verwirklicht. In der Philosophie sieht er die höchste Stufe, weil sie dazu in der Lage ist, die Erkenntnisse der Religion auf den Begriff zu bringen.
    Seine Argumentation ist schwer verständlich aber gut begründet. Ich bin gerader dabei zu versuchen diese Argumentation nachzuvollziehen und zu begreifen.
    Er meint, dass die Religion durchaus etwas Vernünftiges sei, das man mit den Mitteln der Vernunft auch begreifen könne.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s