Das Fegefeuer, gestern, heute und in Ewigkeit

Eines der bekanntesten Geschäfte mit der Angst hat ein gewisser Alfred Tetzel gemacht. Genau genommen war Tetzel nur der Verkäufer oder auch Seelenverkäufer. Er war nur ein Angestellter, ein Mitarbeiter im Außendienst auf Provisionsbasis.

Er handelte im Auftrag des Erzbischofs Albrecht von Mainz. Der wiederum wurde von seinem Vorgesetzten, dem Papst in Rom, zu diesem Geschäft veranlasst.

Um welche Angst und um welches Geschäft ging es damals?

Es war die Angst vor dem Fegefeuer, das alle Verstorbenen durchlaufen müssen, bevor sie eventuell in den Himmel kommen. Dort müssen sie sich unter Qualen von ihren Sünden reinigen, die sie in ihrem Leben begangen haben. Hätte sich das Ganze in Indien ereignet, wäre statt dessen vom Karma die Rede gewesen.

Tetzel erzählte, dass der Erwerb eines Papiers, des sogenannten Ablassbriefes, bereites verstorbene Angehörige vor den Qualen des Fegefeuers schützen kann. Man konnte aber auch für das eigene Leben nach dem Tod vorsorgen und jetzt schon einen Ablass für zukünftige Sünden erwirken. Diese Papiere würde man heute unter der Bezeichnung „Derivate“ oder als Kapital gedeckte Lebensversicherungen verkaufen, die nach dem Tod wirksam werden.

Diese Geschichte ist so gut bekannt, weil sie die Gründungslegende der protestantischen Kirche ist. Eine Legende ist eine Geschichte, die aus einem ganz bestimmten Grund gelesen werden soll, deshalb heißt sie so. Eine Legende ist meistens erfunden, kann sich aber auch so ähnlich zugetragen haben, wie sie erzählt wird.

Fassen wir zusammen:

Die Angst beim Ablasshandel ist die Angst vor dem Fegefeuer. Bezahlt wird für die Aussicht, dass das, wovor man Angst hat, bzw. haben soll, nicht eintritt.

Die Geschäftsidee ist so einträglich und genial, dass sie auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder erfolgreiche Nachahmer gefunden hat.

Mit der Angst vor dem atomaren Overkill wurde im Kalten Krieg eine Rüstungsspirale zwischen Ost und West in Gang gesetzt, die hunderte von Milliarden Dollar verschlungen hat. Wir beklagen oft die verschwendeten Steuergelder vergessen aber dabei, dass dieses Geld auf der anderen Seite von jemandem verdient wurde.

Mit der Angst vor der globalen Erwärmung wird ebenfalls viel Geld verdient. Die Ablassbriefe heißen in diesem Fall Verschmutzungsrechte. Auch das ist ein Milliardengeschäft.

Mit der Angst vor einer viralen Infektion kann man den Weltmarkt mit Medikamenten überschwemmen, die angeblich davor schützen. Die Ablassbriefe wedern dann in Pillen gepresst und heißen Tamiflu gegen die Schweine- Vogel- oder wie auch immer Grippe. Allein im Jahr 2006 wurden von der Firma Roche 2,6 MiIliarden Schweizer Franken mit diesem Medikament erzielt. Im Augenblick trägt diese geniale Geschäftsidee den Namen Ebola.

Ein anderes Mal füllt man die Ablassbriefe in Flaschen und nennt sie ATC, ein Gift gegen Aids. Es ist gelungen, völlig gesunde Menschen durch einen rechtzeitig patentierten Aidstest, dazu zu veranlassen, aus Angst vor einer (noch) nicht vorhandenen Krankheit, hohe Dosen dieses Giftes einzunehmen, was viele nicht überlebt haben. Auch solche „Behandlungen“ sind sündhaft (teuer)!

Mit der Angst vor der globalen Wirtschaftskatastrophe hat man weltweit Staaten dazu veranlasst, über eine Billion Dollar Steuergelder in das marode Bankensystem und in die Wirtschaft zu stecken. Die Legende, die diesen Stein ins Rollen brachte, war die Geschichte von der Pleite der Investment-Bank Leman-Brothers.

Ich hätte statt dessen empfohlen die ganze Sache aufzuklären. Dann hätte man die ganze Finanzwirtschaft mit Immanuel Kant zum Auszug aus ihrer selbstverschuldeten Zahlungsunfähigkeit auffordern können. Als gelobtes Land hätte ich in diesem Fall den Mond vorgeschlagen.

Für das Geld, das damals der Papst eingenommen hat, wurde eine wunderbare Kirche gebaut, die auch heute noch jedes Jahr von Millionen von Gläubigen  besucht wird und die der Anbetung Gottes dient.

Ich frage mich wo das viele schöne Geld geblieben ist, das für all die anderen Ablassbriefe gezahlt wurde. Wahrscheinlich wird es in ein neues Startup-Unternehmen reinvestiert, das gerade eine neue Legende erfindet, mit der man noch mehr Geld verdienen kann.

Wenn man sich das alles vor Augen führt, kann man nur wünschen, dass es das Fegefeuer wirklich gibt.

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