Den Lauf der Welt kann niemand aufhalten

Es gibt noch ein logisches Problem mit dem Ereignis an sich:

Ein Ereignis muss, um ein Ereignis zu sein, an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden. Daraus folgt inhaltlich, dass Ereignisse prinzipiell unwiederholbar sind.

Wenn ich ein Experiment wiederhole, ist es nicht das gleiche Ereignis, weil ich es nur zu einem andern Zeitpunkt wiederholen kann.

Daraus folgt: Es gibt in der Natur, in Raum und Zeit, in der physischen Welt, keine Ereignisse, die sich in diesem strengen Sinne wiederholen können.

Daraus folgt wiederrum prinzipiell, dass Ereignisse in diesem Sinn aus logischen Gründen nicht Teil eines Syllogismus sein können.

Um Teil eines logischen Schlusses der extensionalen Junktorenlogik  zu sein, muss eine Teilaussage, ein Ereignis, notwendig wiederholt werden und darf seine Bedeutung auf keinen Fall verschieben.

Klassisches Beispiel hierzu ist:

A1=Erwin Rommel war ein schlauer Fuchs (A v B) ist wahr

A2=Ein Fuchs hat vier Beine (B v C) ist wahr

Daraus folgt logisch:

Erwin Rommel hat vier Beine. (A v C) muss logisch auch wahr sein.

Dieser Schluss ist formal richtig aber trotzdem unsinnig.

Der Grund liegt in der Verschiebung des Bedeutungsinhaltes von „Fuchs“ verstanden als Symbol für Schlauheit und „Fuchs“ verstanden als Tier mit vier Beinen.

Da aber Ereignisse nie den genau den gleichen Bedeutungsinhalt haben können, weil sie nur entweder gleichzeitig an verschiedenen Orten oder in gleicher Weise zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden können.

Deshalb eignen sich physische Ereignisse in diesem Sinn nicht als Teilaussagen in der formalen Logik, weil sie unwiederholbar sind.

Auch Albert Einstein hat dieses Problem erkannt, als er sagte:

„insofern sich die Sätze einer Wissenschaft auf die Wirklichkeit beziehen, müssen sie falsifizierbar sein, und insofern sie  nicht falsifizierbar sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.“ (Albert Einstein, Geometrie und Erfahrung – Mein Weltbild S.196)

Die Logik und die Mathematik sind eine Sache, die Wirklichkeit ist eine andere Sache.

Während in der Logik Aussagen nicht falsifizierbar sind, ist in der Wirklichkeit nur dann eine wissenschaftliche Aussage, wenn sie falsifizierbar ist.

Die Logik (extensionale Aussagenlogik) kann nur darüber Auskunft geben, ob ein logischer Schluss formal korrekt ist.

Auf logischem Weg gibt es keine Möglichkeit auf den Wahrheitswert einer Prämisse zu schließen.

Die Prämisse muss lediglich wahrheitsfähig sein, d.h. wahr oder falsch sein können.

Karl Popper sagt deshalb auch zu Recht, dass in der Naturwissenschaft niemals etwas verifiziert werden kann sondern nur, dass eine Behauptung trotz vieler ernst gemeinter Versuche bisher noch nicht widerlegt worden ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Theorie ist umso besser, um so mehr Falsifikationsversuche sie erfolgreich überstanden hat und umso schlechter, wie sie dogmatisch an ihren Überzeugungen festhält und Falsifikationsversuche ignoriert oder lächerlich macht.

Allerdings ist auch hier die Wirklichkeit der Wissenschaft anders, als man es erwarten könnte. In der Regel wurde die notwendig vorläufige Wahrheit, wenn man meinte eine gefunden zu haben, über Generationen und Jahrhunderte verteidigt, bis sie irgendwann durch eine völlig andere der alten bisweilig total widersprechende neuere Ansicht ersetzt wurde.

Das ist der Lauf der Welt, den kann man leugnen aber nicht aufhalten.

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8 Gedanken zu „Den Lauf der Welt kann niemand aufhalten

  1. Yeti

    Stimmt, die Wiederholung eines Experiments an einem anderen Ort, zu einem anderen Zeitpunkt, besteht aus anderen Ereignissen, als das Ursprungsexperiment.

    Aber gerade darin, dass sich dieselben Gesetzmäßigkeiten an anderen Orten und zu anderen Zeiten immer wieder zeigen, liegt ja das Geheimnis der „Verifizierung“ eines Naturgesetzes.

    Ich schreibe hier „Verifizierung“ unter Anführungszeichen, weil eine oftmalige Wiederholung ja kein Beweis, sondern eben nur eine „Verifizierung“ ist.

    Und solange kein experimenteller Befund vorliegt, der uns zeigt, dass die RT falsch ist, solange aber einige experimentelle Befunde vorliegen, die im Einklang mit der RT sind, darf man davon ausgehen, dass die RT stimmt.

    Natürlich nur im Sinne einer „vorläufigen Wahrheit“.

    Antwort
    1. Yeti

      Das gilt übrigens nicht nur für Ereignisse, sondern für alle physikalischen Objekte.

      Ein Beispiel:

      Ich mache an einem bestimmten Baum eine bestimmte Beobachtung.
      Nun vermute ich, dass diese Beobachtung auf alle Bäume zutrifft.
      Also werde ich zum Beispiel an hundert Bäumen überprüfen, ob die Beobachtung zutrifft.
      Wenn das stimmt, dann gehe ich davon aus, dass die Beobachtung ein allgemeines Baumgesetz ist und auf alle Bäume zutrifft.

      Insoferne ist ein Ereignis nichts anderes als ein Objekt mit einer sehr kurzen „Lebensdauer“ und einem sehr eingeschränkten „Aufenthaltsgebiet“.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      „Natürlich nur im Sinne einer “vorläufigen Wahrheit” Disem Satz stimme ich gerne zu. Wohl kann man ein Ereignis vorhersagen und die Vorhersage experimentell bestätigen. Damit hat man aber noch nicht die Theorie selbst bestätigt, weil eine Ursache empirisch aus logischen Gründen nicht beweisbar ist, sondern allein der Gegenbeweis, also die Falsifikation zwingend ist. Deshalb ist die empirische Wahrheit immer vorläufige Wahrheit. Nur in geschlossenen Systemen, die sich nicht auf die Wirklichkeit beziehen, wie Einstein sagte, ist absolute Sicherheit gewährleistet. In der Mathematik, in der Logik und vielleicht auch in der theoretischen Physik, aber nur dann wenn sie theoretisch bleibt.

      Antwort

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