Substanz und Akzidenz

Lieber Christoph,

ich habe mich auf deine Anregung hin mit dem Thema Substanz und Akzidenz, wie Aristoteles es einführt, beschäftigt. Ich habe zu diesem Thema einen sehr lehrreichen Grundkurs der meines derzeitigen Lieblingsphilosophen im Internet besucht:

Ich erfuhr folgendes: Die Substanz, so wie sie Aristoteles versteht ist, das Unveränderliche und die Akzidenz ist das Veränderliche.

Aristoteles versteht unter Substanz zunächst das einzelne Ding, das einfach da ist, wie zum Beispiel der einzelne Stein, der im Bachbett liegt oder der einzelne Mensch, Christoph oder Hans.

Die Akzidenz sind die veränderbaren Eigenschaften, die dieser Gegenstand haben kann. Der Stein kann schwarz oder weiß und der Mensch kann männlich oder weiblich sein.

Daneben gibt es Eigenschaften, die notwendig zu einem einzelnen Objekt gehören. Das sind die Eigenschaften, die dieses Ding zu dem machen was es ist, bzw. sein Wesen ausmachen.

Zum Beispiel ist eine notwendige Eigenschaft des Objektes Baum seine Eigenschaft aus Holz zu bestehen. diese unveränderbaren Eigenschaften nennt er „Universalien„, weil sie nicht nur dem einen Baum, sondern allen Bäumen zukommen.

Er bezeichnet dies als Substanzen zweiter Ordnung.

Zweifelsohne handelt sich es bei der Zeit um eine solche Substanz zweiter Ordnung, weil kein Objekt gedacht werden kann, dass nicht dieser Ordnung folgt, weil ein Objekt nur etwas sein kann, was zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort vorkommt.

Das kann kaum bestritten werden. Nun stellt sich aber die Frage, wie die Universalien gedacht werden können.

Aristoteles und später auch Hegel waren der Auffassung, dass die Universalien immer am Objekt dran vorgestellt werden müssen.

Die Schwärze eines bestimmten Gegenstandes ist immer die Schwärze dieses Gegenstandes. Verbrennt man diesen Gegenstand, gibt es auch die Schwärze dieses Gegenstandes nichtmehr.

Die Schwärze „an sich“ als Abstraktion des Gegenstandes bleibt natürlich bestehen.

Wie sollen wir uns aber diese Universalie, die Schwärze an sich vorstellen?

Ist sie lediglich eine Abstraktion, ein Produkt unserer Gedanken oder eine eigene Realität. Darüber entstand im Mittelalter der sogenannte Universalienstreit.

Es gibt grundsätzlich zwei Positionen:

Aristoteles ist der Meinung, dass auch die Universalien als am Objekt dran gedacht werden müssen, was auch Hegels feste Überzeugung war und was vom „Neuen Realismus“ in der Philosophie durch Markus Gabriel und andere vertreten wird.

Die andere Position ist die Anschauung Platons, die von der Existenz reiner Ideen ausgeht, und die Universalien als objektiv wirkmächtig und unabhängig von den konkreten Objekten denkt.

Im Grunde genommen führen wir beide genau diesen Streit, der schon zwischen der platonischen und der aristotelischen Lehre und im Universalienstreit des Mittelalters geführt worden ist.

Du und Einstein vertreten die Position Platons, nach der die Universalie Zeit (nach Aristoteles eine Substanz der Kategorie zwei) von den Objekten unabhängig ist,

während ich für die Position des Aristoteles und Hegels eintrete, dass von der Zeit nur sinnvoll als veränderbare relative Größe und Akzidenz eines Gegenstandes die Rede sein kann.

Der Gegenstand ist entweder die Erdumdrehung, die allgemein als Zeitmaß gilt, oder die Lebensdauer einer Eintagsfliege oder der genauen Zerfallszeit bestimmter Atome.

Folgt man der Lehre Platons, könnte die SRT theoretisch Sinn machen. Folgt man aber Aristoteles, kann die SRT keine zutreffende Beschreibung der Wirklichkeit sein, weil sie fälschlicher Weise eine Substanz zweiter Ordnung irrtümlicher Weise zu einer Akzidenz erklärt.

Wenn man sich in die Theoriebildung Einsteins hinein versetzt, dann erkennt man, dass er platonisch denkt. Er postuliert Prinzipien (Ideen), denen er universale Gültigkeit zuschriebt.

Wer an der aristotelischen Interpretation der Universalien festhält, dass die Universalie immer nur eine Zeit von etwas sein kann, wie die Zeit der Erdumdrehung oder die Zeit der Reformation und nie ein vom Objekt unabhängiger Begriff, dann ist die Zeit kein Objekt im ursprünglichen Sinn des Wortes, und kann auch keine Akzidenzien haben wie etwa die Dehnung oder Dilatation der Zeit.

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Ein Gedanke zu „Substanz und Akzidenz

  1. Laurentius

    Hi,Hansarandt,
    zum anathema gehört auch eine anerkannte Kompetenz oder Definitionsmacht,sonst wirkt es etwas lächerlich.
    Ansonsten gefâllt mir Dein Suchansatz des „wahren Jakobs“ als ein ebenfalls Suchender/Lernender gut.
    Pontius Pilatus sagte angeblich bei seinem. Richtspruch :“ Was ist Wahrheit ?“ und daran knabbern wir heute ,2017, immer noch.
    Grüße Laurentius

    Antwort

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