Schrödingers Katze hinter dem Mond

Wer mich kennt, weiß, dass ich die These von der „Sozialen Konstruktion der Wirklichkeit“ bisweilen heftig bestreite.

Nun fragt man sich, wie das mit dem Konterfei Immanuel Kants zusammenpasst, das alle meine Beiträge ziert.

Wird nicht behauptet, Kant sei ein Konstruktivist?

Genau genommen ist er ein transzendentaler Idealist, weil er die Kategorien unseres Denkens als a priori gegeben ansieht.

Mit Hilfe dieser Kategorien konstruieren wir die Wirklichkeit, die Kategorien selbst sind aber seiner Meinung nach der Konstruktion nicht zugänglich.

Ich gebe den Sozialkonstruktivisten recht, wenn sie meinen, auch diese Kategorien seinen sozial konstruiert. Es handelt sich um Konventionen, auf die wir uns geeinigt haben.

Ich gehe sogar soweit, zuzugeben, dass unsere Erkenntnis, selbst die subjektive, sozial konstruiert ist.

Worauf ich aber bestehe, ist der Unterschied zwischen einer Sache einerseits und der Erkenntnis einer Sache andererseits.

Philosophisch ausgedrückt handelt es sich um den Unterschied zwischen Epistemologie und Ontologie.

Zwar können wir uns nur mit Hilfe sozial konstruierter Kategorien ein Bild von der Wirklichkeit machen. Aber ein Bild von der Wirklichkeit darf nicht mit der Wirklichkeit selbst verwechselt werden.

Das Bild von einem Tiger ist völlig ungefährlich, ein Tiger, der tatsächlich vor mir steht, aber schon. Das weiß jedes Kind.

Wer die Realität außerhalb unserer Erkenntnismöglichkeit bestreiten wollte, müsste ebenfalls alle wissenschaftlichen Erkenntnise über den Kosmos vor der Entstehung des Menschen leugnen, weil Erkenntnis immer menschliche Erkenntnis ist.

Streng genommen müsste man die Existenz des Mondes leugnen solange ihn niemand beobachtet hat, was im Umfeld von Schrödingers Katze in der Quantenphysik auch tatsächlich geschehen ist.

Selbst Albert Einstein, der seinerseits irrationale Theorien verbreitet hat, ging das zu weit.

Er sagte zu Niels Bohr: „Sie werden doch nicht behaupten wollen, dass der Mond nicht da oben ist, wenn niemand hinsieht?“ Bohr antwortete: „Können Sie mir das Gegenteil beweisen?“

Was Niels Bohr vergessen hatte, war, dass es unendlich viele Dinge auf der Welt gibt, die man nicht beweisen kann zum Beispiel jede empirische Erkenntnis, wie es im Kritischen Rationalismus zu recht behauptet wird.

Man kann auch nicht beweisen, dass es keine Einhörner auf der dunklen Rückseite des Mondes gibt. Sollte ich deshalb daran glauben, weil ich das Gegenteil nicht beweisen kann?

Mir scheint, die Naturwissenschaft krankt daran, dass ihrere berühmtesten Vertreter zu viel in ihre Formelsammlungen und zu wenig aus dem Fenster schauen.

Selbst Einstein wusste: „insofern sich die Sätze einer Wissenschaft auf die Wirklichkeit beziehen, müssen sie falsifizierbar sein, und insofern sie  nicht falsifizierbar sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.“ (Albert Einstein, Geometrie und Erfahrung – Mein Weltbild S.196)

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