„Neuer Realismus“

DownloadZur Zeit beschäftige ich mich mit einer Debatte, die unter dem Namen „Der Neue Realismus“ geführt wird.

Angeregt wurde diese Diskussion von dem Philsosophen Markus Gabriel aus Bonn und dem italienischen Philosophen Maurizio Ferraris. Umberto Eco, John Searle und Hilary Putnam und andere beteiligen sich an diesem Diskurs.

Es handelt sich dabei um ein philosophisches Statement, das sich selbst als Kritik am Postmodernismus versteht.

Die ganze Debatte ist unter dem Titel „Der Neue Realismus“ herausgegeben von Markus Gabriel im Oktober bei Suhrkamp erschienen.

Hier meine ersten Eindrücke:

Mario De Caro geht in seinem Aufsatz auf die „Zwei Spielarten des Realismus“ ein.

Er unterscheidet den „Common-Sense-Realismus“ vom „Wissenschaftlichen Realismus“. Beide schließen einander nahezu aus.

Während der Common-Sense-Realismus in wissenschaftlichen Erklärungen allenfalls bisher nicht falsifizierte Vermutungen und Spekulationen zu erkennen meint, nimmt der Wissenschaftliche Realismus für sich in Anspruch, dass nur wissenschaftlich verifizierte Aussagen über die Realität Gültigkeit beanspruchen können.

De Caro beschließt seinen Aufsatz mit der „Einsicht, dass weder der Common Sense noch die Naturwissenschaften jeweils für sich genommen dazu in der Lage sind, die Realität in ihrer Gänze zu erfassen.

Umberto Eco wendet sich gegen die Auffassung, es gäbe keine Tatsachen, sondern nur Interpretationen, wie sie von radikalen Konstruktivisten vertreten wird.

Er räumt ein, dass es unendlich viele Interpretationen einer Tatsache geben kann, dass aber nicht Jede Interpretation das gleiche Recht hat. Es gibt zweifelsfrei falsche unangemessene Interpretationen eines Gegenstandes oder einer Tatsache.

Er knüpft damit an den Falsifikaitonismus Karl Poppers an und fordert: „Jede Interpretation muss jederzeit erneut überprüfbar und jederzeit dem Risiko der Falibilität ausgesetzt sein.“

Er sagt: „Es gibt einen harten Kern des Seins dergestalt, dass einiges, was man davon und darüber aussagt, weder für gut befunden werden kann noch darf.“

Er nennt seine Position den „bescheidenen negativen Realismus“.

Maurizio Ferraris ist weniger bescheiden. Er ist ein kämpferischer Vertreter des Neuen Realismus, der die Auseinandersetzung sucht. In seinem „Manifest des neuen Realismus“ Sucht er explizit die Frontstellung zu postmodernistischen Fehlentwicklungen.

Er kritisiert den von ihm so genannten Wissen-Macht Trugschluss. Das ist die Vorstellung, dass die Wirklichkeit zum Zwecke der Macht konstruiert ist und Wissen kein Mittel der Emanzipation sondern ein Instrument der Macht ist. Versteht man unter der Macht, die Macht, die uns dominiert, dann nennt sie Farraris „abscheulich“, wenn man sie als „unsere Macht“ versteht, dann ist die Wirklichkeit willkürlich formbar.

Ferraris wendet sich sowohl gegen die eine als auch gegen die andere Sichtweise.

Er insistiert auf dem Vorrang der Ontologie vor der Epistemologie. Die Ontologie beschreibt das Unveränderliche, das sich unser Macht entzieht. Darin sieht er die Überlegenheit der Ontologie über die Epistemologie begründet.

Er sagt: „Das Denken erwächst aus dem Boden des Wirklichen, es ist ein hochgradig spezialisiertes Erzeugnis der Evolution, und ebendieser Umstand erklärt, warum die Epistemologie sich erfolgreich auf die Ontologie berufen kann, wie die Geschichte der Wissenschaft zeigt.

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2 Gedanken zu „„Neuer Realismus“

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