Werterelativismus?

Konsequenter Relativismus bestreitet nicht nur die Existenz einer überzeitlichen Wahrheit, die an keinen Ort und an keine Gruppe gebunden ist, sondern auch die Gültigkeit überzeitlicher Werte.

Ob zum Beispiel Sklaverei und Menschenhandel akzeptiert wird oder nicht, hängt vom jeweiligen historischen und kulturellen Kontext ab.

Einander ausschließende Behauptungen können in dem einen Zusammenhang als richtig und im anderen als falsch angesehen werden. Beide Aussagen können als einander gleichberechtigt angesehen werden.

Nehmen wir als Beispiel die Konvention, beim Betreten einer Kirche die Kopfbedeckung abzunehmen und die die davon abweichende Sitte, in der Synagoge den Kopf stets durch eine Kippa zu bedecken.

Diese beiden einander widersprechenden Normen rekurrieren aber auf eine ähnliche Konvention, die beiden unterschiedlichen Sitten zu  Grunde liegt. Beide Gebräuche, Kippa und abgenommener Hut, fordern, dass der Besucher durch die jeweils unterschiedliche Geste sich dem Heiligen gegenüber ehrerbietig zeigt und die allgemein in seiner Gemeinschaft geteilten Normen nicht bricht.

Das gilt allgemein für Konventionen, die den höflichen Umgang miteinander in einem sozialen und kulturellen Kontext regeln. Zwar herrschen unterschiedliche Vorstellungen darüber was als Beleidigung empfunden wird und was nicht. Gemeinsam ist den sehr verschiedenen Vorstellungen im Einzelnen aber die Konvention, dass man seine Mitmenschen nicht beleidigen sollte.

Trotzdem ist und bleibt es schwer, einen für alle gemeinsamen Kodex allgemein verbindlicher Regel aufzustellen. Was genau versteht man unter Menschenrechten? Warum spricht man statt dessen nicht von Pflichten oder Tugenden?

Die Kodizes und Institutionen (Menschrechtscharta und UNO), die versuchen, einen solchen Kodex zu entwickeln und durchzusetzen bleiben in der Realität weit hinter ihren eigenen Ansprüchen und Resolutionen zurück.

Ich denke, es gibt absolute Werte in einem umfassenderen Sinn, als er bisher in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte kodifiziert ist.

Das verlautbarte und zum Teil herrschende Recht, wird andernorts als das Recht der Herrschenden empfunden, gegen das das wiederum als allgemein postulierte Recht des Widerstandes in Anschlag gebracht wird.

Ich denke Fragen der Ethik lassen sich schwerlich allgemein vollständig klären, sondern bedürfen der Konkretion. Auch die relativ unterschiedliche Wahrnehmung dessen was ist, spielt dabei eine große Rolle.

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