2015…Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Da gelegentlich der Eindruck entstanden ist, ich würde die Naturwissenschaften „hassen“ möchte ich zunächst der Frage nachgehen, was ich unter Naturwissenschaften verstehe.

Ob ich die Naturwissenschaften hasse und wenn ja warum, wäre dann die zweite Frage.

Eine der Grundfragen, die sich der Mensch gestellt hat, nachdem er die Fähigkeit, Fragen zu stellen erlangt hatte, war die nach dem Anfang.

Eine der ältesten Antworten auf diese Frage lautet:

Im Anfang (hebräisch B´reschit) schuf Gott den Himmel und die Erde. Weiter heißt es, am Anfang war alles wüst und leer und der Geist Gottes schwebte über der Urflut.

Populärer ist in unseren Breiten mittlerweile die Antwort, im Anfang war nicht die Urflut, sondern der Urknall.

Lassen wir dahingestellt sein, ob eine der Antworten richtig ist. Beiden Antworten gemeinsam ist die Frage: Was war am Anfang?

Man könnte auch fragen, was war zuerst da?

In dieser Art zu fragen schimmert eine der Grundkategorien des menschlichen Denkens auf:

Wer den Anfang kennt, der kennt die Ursache, die sich im Urknall oder in der Urflut oder in dem Urwort Gottes, es werde Licht auch begrifflich versteckt. Wer die Ursache kennt, kennt auch den Grund.

Wer nach dem Anfang fragt, der fragt nach der Ursache, nach der Kausalität. Deshalb sah Aristoteles, der Begründer der abendländischen Naturwissenschaft in Gott die Ursache aller Ursachen, den unbewegten Beweger.

Für Aristoteles bestand die Naturwissenschaft vor allem darin, eine genaue Nomenklatur und Kategorisierung in der Natur vorkommender Gegenstände und Erscheinungen zu erstellen.

Das katalogisierte Wissen über die Naturerscheinungen nannte er Physik‚  griechisch φυσική, Naturlehre.

Fragen, die dem Wissen selbst galten, nicht dem Wissen über  Naturgegenstände, wurden in Büchern zusammengefasst, die im Regal hinter denen über die Physik standen, deshalb heißen sie bis heute Metaphysik.

In der Metaphysik geht es genau um die Fragen, die uns hier interessieren.

Aristoteles schreibt: “ Indem wir nun die Prinzipien und höchsten Ursachen suchen, ist offenbar, dass diese notwendig Ursachen einer gewissen Natur an sich sein müssen.“

Sowohl die Naturwissenschaft als auch von alters her die Theologie versuchen auf diese letzten Fragen Antworten zu geben. Es sind  zwar verschiedene Antworten aber es sind Antworten auf dieselben Fragen.

Hier soll es nur um die Antworten gehen, die die Wissenschaften und im engeren Sinne die Naturwissenschaften zu geben versucht haben.

Aristoteles war der Meinung, dass es den Einzelwissenschaften nicht zukomme, diese Grundsatzfragen zu stellen. Er sagt; “ „Deshalb unternimmt denn auch keiner von denen, die sich einer speziellen Wissenschaft widmen, über diese zu sprechen, ob sie wahr sind oder nicht.“ Die Klärung dieser Frage fällt in den Bereich der Metaphysik.

Die Metaphysik beschäftigt sich unter anderem mit der Methode, mit deren Hilfe, Erkenntnisse über solche Grundsatzfragen zu gewinnen sind.

Eine Methode ist die Logik, die Lehre vom richtigen Schließen. In dieser Lehre werden einige Axiome aufgestellt zum Beispiel der Satz vom Widerspruch, der besagt, dass etwas nicht gleichzeitig sein und nicht sein kann.

Diese Axiome selbst sind nicht beweisbar, weil dies zu einem Regress ad infinitum führen würde. Der einzige Beweis der angeführt werden könnte, wäre, dass derjenige, der das bestreiten wollte, selbst in seiner Argumentation nicht umhinkäme, eben diesen Satz vom Widerspruch in seiner Argumentation selbst auzuwenden.

Stehen die Axiome erst einmal fest und werden anerkannt, dann kann aus Ihnen mit Hilfe der logischen Schussregeln neues Wissen generiert werden:

Klassisches Beispiel hierfür ist:

Prämisse 1:       Alle Menschen sind sterblich

Prämisse 2:       Sokrates ist ein Mensch.

__________________________________

Schluss:            Also ist Sokrates sterblich.

Der Weg auf dem der Schluss gewonnen wird, ist deduktiv. Das heißt es wird vom Allgemeinen, alle Menschen sind sterblich und Sokrates ist ein Mensch, auf das Besondere, Sokrates ist sterblich, geschlossen.

Der umgekehrte Weg, vom Besonderen auf das Allgemeine zu schließen ist in der aristotelischen Logik nicht zulässig. Das ist unmittelbar einleuchtend, weil von der Eigenschaft eines einzelnen Individuums nicht ohne weiteres auf eine allgemeine Eigenschaft einer Art geschlossen werden kann.

Wenn Sokrates einen Bart trägt, kann daraus nicht geschlossen werden, dass alle Menschen Bärte tragen, weil sie wie Sokrates Menschen sind.

Diese Grundannahmen waren gültig bis ins beginnende siebzehnte Jahrhundert. Hier setzt mit Kopernikus und Galileo eine Wende sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie und sehr stark in der Entwicklung der modernen  Naturwissenschaft ein.

Das Experiment als Ausgangspunkt der Naturforschung begann sich mit Francis Bacon und Galileo Galilei durchzusetzen.

Das Experiment ist seiner Natur nach eine Einzelbeobachtung. Aus ihr sollte durch Generalisierung eine allgemeine Erkenntnis gewonnen werden. Der Weg vom Besonderen zum Allgemeinen ist die Induktion.

Der Beobachtung der sinnlich erfahrbaren Einzeldinge kam auch deshalb eine stärkere Bedeutung zu, weil gleichzeitig die Existenz übersinnlicher, göttlicher Wesenheiten bestritten wurde.

Da zunehmend nur die erfahrbaren Dinge als real betrachtet wurden, mussten sie zur neuen Grundlage der Welterklärung werden. Der methodische Weg, um von einem Einzelding auf dem Wege des Schlusses zu einer allgemeinen Regel oder einem allgemeinen Naturgesetz zu kommen, war die Induktion.

Während bei der Deduktion auf quasi mathematischem Weg sichere Erkenntnisgewinnung möglich ist, sofern man bereit ist, die zugrunde liegenden Axiome anzuerkennen, bedarf es bei der Methode der Induktion Kriterien, die ihre Wahrheitsansprüche sicher stellen.

Folgende Bedingungen wurden aufgestellt:

  1. Die Anzahl der einzelnen Beobachtungen muss groß sein.
  2. Die Einzelbeobachtungen müssen unter sehr verschiedenen Bedingungen gemacht werden.
  3. Und keine Einzelbeobachtung darf der generalisierenden Hypothese widersprechen.

Diesem Paradigma folgen im wesentlichen die Naturwissenschaften  vom beginnenden 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Gelegentlich werden die empirischen Wissenschaften auch als „inductive sciences“ bezeichnet.

Die empirische Beobachtung wurde als unhinterfragbare Tatsache aufgefasst, die als Basis und Wahrheitskriterium für allgemeine Theorien anerkannt wurde.

Gegen den so verstandenen induktiven Empirismus wurden verschiedene Einwände erhoben.

Immanuel Kant hat zu zeigen versucht, dass die Erkenntnis auch auf von außen, vom Beobachter aus an die Realität herangetragenen Kategorien des Denkens beruht.

Zu diesen an die Gegenstände a priori herangetragenen Kategorien zählte Kant den Raum und die Zeit.

Allgemein kann man sagen, dass die Schwäche der empirischen Theorie darin besteht, dass siesich als Grundlage auf Einzelbeobachtungen beruft, die sie als gesicherte Fakten ansieht. Dem ist entgegenzuhalten:

Es gibt keine theoriefreien Beobachtungen.

Selbst die Aussage, dieses Ding ist ein Baum, setzt schon ein Konzept davon, was ein Ding ist, voraus, als auch eine Modellvorstellung davon, was ein Baum ist und was ihn von anderen Pflanzenarten unterscheidet. Die Begriffe, die wir verwenden, sind bereits Verallgemeinerungen.

In den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hat Karl Popper in seiner Logik der Forschung die induktive Methode des Empirismus grundsätzlich in Frage gestellt.

Er bestreitet die logische Möglichkeit von  empirischen Allaussagen, da nicht alle Einzelfälle einer vollständigen Überprüfung unterzogen werden können.

Seine Theorie, die er den Kritischen Rationalismus nennt, verficht den sogenannten Falsifikaitonismus. Wirklich sicher können man sich nur sein, wenn die dritte Bedingung der Verifikation empirischer Aussagen nicht erfüllt ist: Ein einziges Gegenbeispiel widerlegt die Gültigkeit einer Theorie.

Die Methode dieser Forschung ist wieder deduktiv. Ausgangspunkt ist nicht die empirische Beobachtung sondern eine Theorie, eine Hypothese.

Seinem Wissenschaftsmodell nach werden die Hypothesen überprüft und können solange als gültig angesehen werden, wie sie nicht durch eine Einzelbeobachtung widerlegt sind.

Diesem Wissenschaftsmodell folgt bis heute die empirische Sozialforschung. Die Hypothesen selbst bedürfen keiner weiteren Begründung, sie werden wahr dadurch, dass sie einer Überprüfung stand halten.

Die einzige Bedingung, die Karl Popper in seiner Theorie an wissenschaftliche Aussagen stellt, ist, dass Hypothesen nur dann als wissenschaftlich gelten können, wenn sie überprüfbar das heißt falsifizierbar sind. Das heißt, es muss ein Ort angegeben werden können, wo und wann diese Hypothese überprüft werden kann.

Diese Einschränkung grenzt empirische Theorien von religiösen Vorstellungen ab, die naturgemäß diese Bedingung nicht erfüllen können, da kein Ort angegeben werden kann, an dem intersubjektiv gültig die Existenz Gottes überprüft werden könnte.

Mit dieser Theorie glaubte Popper die Legitimität der Wahrheitsansprüche in den Naturwissenschaften sichern zu können.

Da aber auch der Kritische Rationalismus die empirische Überprüfung von Tatsachen und deren Verallgemeinerung mit einbeziehen muss, kommt die Methode der Induktion, die er gerade ausschließen wollte, durch die Hintertür wieder herein.

Sowohl der Empirismus als auch der Kritische Rationalismus stimmen darin überein, dass sie normative Theorien sind, obwohl sie in der Methodik der Induktion und Deduktion gegensätzlich vorgehen.

Beide Theorien stellen ein Modell zur Verfügung, nach denen Wissenschaft funktionieren soll. Beide Theorien stellen Regeln auf, die für wissenschaftliche Aussagen Verbindlichkeit beanspruchen.

Stellt man nicht wie Karl Popper und die Empiristen die Frage, wie sich ein Wissenschaftler im Sinne der Wissenschaft verhalten soll, sondern fragt man, was er tatsächlich tut, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild.

Der Philosoph Thomas S. Kuhn hat diese Frage gestellt und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Er hat den Begriff des Paradigmas in die Diskussion eingeführt.

Die etablierte Wissenschaft folgt einem Paradigma, einem Satz von Regeln, der als gesichertes Wissen gilt. Diese Regeln sind die Grundlage für die Erforschung der Realität innerhalb dieses Paradigmas.

Das Paradigma selbst wird nicht überprüft sondern stellt den Satz der Regeln zur Verfügung, nach denen das Wissenschaftsspiel gespielt wird.

Getestet werden nicht die Spielregeln der Wissenschaft, sondern der Wissenschaftler selbst, ob er im Rahmen dieser Spielregeln zu guten Ergebnissen kommt.

Als Vergleich kann das Schachspiel herangezogen werden. Die Regeln des Spiels stehen nicht in Frage. Es kommt einzig darauf an, diese Regeln intelligent anzuwenden.

Ziel ist es, in dem einen Fall, das Spiel zu gewinnen und im anderen Fall, als guter und erfolgreicher Wissenschaftler anerkannt zu werden.

So, in der Parabel des Spiels,  beschreibt Thomas S. Kuhn die etablierte Wissenschaft, die den Normalfall darstellt.

Neben dieser Normalität der Wissenschaft gibt es wissenschaftliche Revolutionen, die Kuhn als Paradigmenwechsel beschreibt. Klassische Beispiele dafür sind die kopernikanische Wende und die Revolution in der Physik die durch die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik ausgelöst wurde.

Haben sich die neuen Theorien erst einmal etabliert, entwickeln sie wieder die Formen der normalen Wissenschaft. Die neu gewonnen Erkenntnisse werden nun wieder als gesichertes Wissen begriffen, auf dem aufgebaut werden kann.

Betrachtet man die Geschichte der Wissenschaftsentwicklung deskriptiv, dann vollziehen sich diese Revolutionen keineswegs in der von Popper präjudizierten normativen Form:

Das eine Gegenbeispiel, das in der Lage ist eine Theorie als Ganze auszuhebeln, wird keineswegs sofort akzeptiert. In der Regel versucht man statt dessen die alte Theorie mit stützenden Hilfshypothesen zu retten.

In der Geschichte haben solche Paradigmenwechsel in der Regel Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in Anspruch genommen. Auch die Relativitätstheorie wurde nicht über Nacht zur herrschenden Lehre, wenngleich es nicht so lange gedauert hat wie die Anerkennung der Lehren Galileis durch die katholische Kirche.

An dieser Stelle wird aber deutlich, dass die Wissenschaft in ihrer heutigen Form strukturell von den Lehrern der katholischen Kirche gar nicht so verschieden ist, wie es scheint.

Auch die Wissenschaft kann nicht darauf verzichten, gewisse Regeln und Gesetze in den Status des unhinterfragbaren Wissens erheben.

Die behauptete Dichotomie, dass die Katholische Kirche Dogmen lehre, während die Wissenschaft sich auf eindeutige „Tatsachen“ und „Fakten“ berufen kann, ist so nicht haltbar.

Auch die etablierte Wissenschaft kommt nicht ohne unhinterfragbare Axiome aus und ist ihrerseits dogmatisch. Das gilt selbst für die Mathematik.

Sollte man nun die Wissenschaft pauschal verwerfen, weil sie dogmatisch ist, wie man die dogmatischen Lehren der katholischen Kirche zu verwerfen geneigt ist?

Ich denke mit der katholischen Kirche verhält es sich wie mit der Wissenschaft. Auch die Bestreitung der Existenz Gottes hat das katholische Lehramt nicht daran gehindert, weiter zu bestehen. Nach wie vor wächst die weltweite Christenheit auch wenn sich das in Europa anders anfühlt.

Wer wollte die Segnungen leugnen, die die rasante Entwicklung der modernen Wissenschaft und Technik der Menschheit in den letzten drei Jahrhunderten gebracht hat?

Doch genauso, wie die katholische Kirche hat die Wissenschaft eine Schattenseite. Sie hat Technologien hervorgebracht, die die Menschheit und die Schöpfung bedrohen, gefährden und zerstören.

Deshalb die Wissenschaft zu verwerfen, wäre verfehlt. Sind es doch die Menschen, die die Verantwortung tragen und nicht die Wissenschaft als solche.

Ich denke wir sollten uns der Wissenschaft nähern, wie es einst Sokrates tat, als er sagte: „Ich weiß, das ich nichts weiß.“

Auch der Naturwissenschaftler kann von der Natur ergriffen sein und ein Gefühl dafür entwickeln, das Albert Schweitzer einmal die „Ehrfurcht vor dem Leben“ genannt hat.

Weder die katholische Kirche noch die empirische Wissenschaft sollte in Allmachtsphantasien schwelgen sondern eine Einstellung zum eigenen Handeln entwickeln, das David Friedrich Schleiermacher als das Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit beschrieben hat.

Allen verantwortungsvollen Forschern und religiös interessierten Menschen wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr 2015.

10 Gedanken zu „2015…Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

  1. Kardinal Novize Igor

    ……aber auch die evangelische Theologie sollte nicht zu sehr in Allmachtsphantasien schwelgen….!

    Ich empfinde deinen Satz „…AUCH Naturwissenschaftler können ein Naturgefühl entwickeln“, ziemlich diskriminierend.

    das wäre so, als würde ich sagen :“Auch Theologen können bis 10 zählen“
    Na hoff ich doch!

    Es wäre übrigens ein grober Irrtum zu glauben, Naturwissenschaftlern wäre metaphysisches Denken fremd. Sie leben im Gegenteil davon, da sie ja selber an der Einschätzung der Richtigkeit ihrer Ergebnisse interessiert sind.

    Ja, es gibt sie, die wissenschaftliche Schickeria, die mit schwachen Studien arbeitet, die den Wert der eigenen Experimente nicht einzuschätzen weiss, usw. aber solche Scharlatane findet man auf der Medizin und in den Sozialwissenschaften noch weitaus öfter als bei den Nawi-Kollegen.

    Genau so gibt es aber auch absolut gute Leute in den Naturwissenschaften…..

    ……und so zu tun, als sei das ein alleiniges naturwissenschaftliches Problem, ist ebenso unehrlich.

    Es gibt ebenso eine theologische Schickeria, die sich darin gefällt, wohl- und wichtig klingende Phrasen zu dreschen, die glaubt, sie sei „wichtiger“ als irgend eine andere Wissenschaft, weil ja ihr Thema „GOTT“ das höhere sei.

    Hmja, ist es natürlich auch, aber es kommt bekanntlich auch auf das Level an, mit dem ich ein Thema bearbeite…..und nicht jeder, der sich mit Gott beschäftigt, tut dies zwangsläufig auf einem „göttlichen“ Level……

    …ganz im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass die meisten religiösen Naturwissenschaftler ihr ihre Erkenntnisgrenzen sehr gut erkennen, sehr genau wissen, wo wissenschaftliches Erkennen endet und menschliches Erkennen anfängt; sie darob trotz hoher Intelligenz meistens sehr bescheiden sind, also Philosphen im besten Sinne, und uach verinnerlicht religiös,

    während viele der mir bekannten naturwissenschaftlich interessierten Theologen ihre Erkenntnisgrenzen kaum erkennen und damit die ärgsten Probleme haben, keine Ahnung haben, wo die wissenschaftliche Erkenntnis anfängt oder endet, ständig wissenschaftliche und Glaubensfragen vermengen; daher auch recht glaubensschwach sind,
    und sich zugleich ziemlich hochmütig über andere Menschen erheben, weil sie ja, wie sie glauben, „viel mehr sind als nur Menschen“, nämlich „Theologen“.

    Das Problem solcher Theologen scheint mir zu sein, dass sie den Naturwissenschaftlern ihre intellektuelle Potenz zeigen wollen, ihre philosophische Stärke. ihre theologischen Muskeln. Es ist ein Spiel der Eitelkeiten.

    Das Problem an der Sache: „Gott zeigt seine Gnade in der menschlichen Schwäche“ (Paulus).
    Es geht nicht um „Potenz“ „Intellektualität“ „Stärke“, „Deduktion“, und wie der ganze Kram sonst heisst. Es gilt das Wort Christi :“Vater, so hat es Dir gefallen….Du hast es den Unmündigen offenbart!“

    Dass wir DAS nicht mehr kapieren, ist die eigentliche Schwäche des Glaubens.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Dem von dir zitierten Pauluswort kann ich eine Menge abgewinnen, wenn es als Mahnung zur Bescheidenheit verstanden wird. Allerdings war auch Paulus ein überaus intellektueller Mensch und nicht vielen ist es bis heute gegeben seine Worte wirklich zu verstehen.
      Wenn du meine Mahnung an die Naturwissenschaft nicht alzu Gefühllos an die ganze Sache heranzugehen als Diskriminierung empfunden hast, dann tut es mir leid.
      Allerdings kommt auch die Wissenschaft ohne Diskriminierung nicht aus. Eine ihrer vornehmsten Aufgaben ist doch, das eine vom anderen zu unterscheiden (zu diskriminieren) um es einer genauen Analyse überhaupt erst zugänglich zu machen. Wer behauptet wahre Aussagen machen zu können kommt nicht umhin zu benennen, was er für falsch hält. Damit sind wir wieder bei Franziskus, ich meine der Ton macht die Musik.

      Antwort
    2. Annette Schlemm

      Dass Naturwissenschaftler*innen nicht selbstverständlich auch ein Naturgefühl haben, kann ich gut nachvollziehen. Eine Amateurastronomin hat nach den Vorträgen von Fachastronomen auf einer Tagung einst empört geschrieben: „Kometen sind nicht nur mathematische Gebilde, sie sind auch schön!“. Das hab ich mir in meiner Diplomzeit, als ich auch nur über Formeln saß, über den Schreibtisch gehängt. Mich hat mein „Mehr-Wollen“ dann in die Philosophie gelockt… 😉

      Antwort
      1. hansarandt Autor

        Herzlich willkommen. Bei mir war es anders herum. Mich hat schon immer die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ brennend interessiert, deshalb und aus anderen Gründen habe ich zunächst Theologie studiert. Mit den Naturwissenschaften geht es mir wie Goethe, der sich auch erst auf seine alten Tage dafür zu interssieren begann. Sein Impuls erwuchs aus der Tatsache, dass er die Theorie des Lichtes von Isaak Newton nicht mochte. Mir geht es da ähnlich. Was die Naturwissenschaft betrifft benehme ich eher wie ein Apologet des Christentums wider den Zeitgeist.

  2. Kardinal Novize Igor

    Wenn meine Mahnung, dass manche Theologen sich nicht in Überheblichkeit gebärden sollten (die ja immer nur Angst ist),

    und sich nicht in leeren Phrasen verstecken sollten,
    nicht verhallt,
    bin ich zufrieden.

    Aber wenn du „Diskriminierung“ als etwas positives betrachtest, sag ich mal folgendes:

    „Auch Theologen können hie und da etwas vom Glauben verstehen“

    Freilich nur dann, wenn sie ihr Gehirn nicht zu sehr mit Pseudo-Intellektualität vernebeln, wie es zuweilen in der „Theologie“ vorkommt.

    Da können Theologen viel von Naturwissenschaftlern lernen!

    Nämlich ihre Intellektualität an wirklich schwierigen Dingen zu üben, ja, dieselbe „auszusporteln“, dass sie dann entspannt an den Glauben herangehen können.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich gehe mal davon aus, dass Du mit „manchen Theologen, die sich aus Angst in Überheblichkeit üben nicht gerade mich meinst.
      Deine religiöse Entspannung nach kniffliger intellektueller Arbeit gönne ich Dir von ganzem Herzen Herzen.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Der Verdacht der „Überheblichkeit“ ist vielleicht meinem zeitweiligen Hang zur Ironie geschuldet. Ich sehe ein, dass nicht jeder über jeden Witz lachen kann. Ich werde versuchen, mich in dieser Hinsicht zu mäßigen, besonders in den persönlichen Kommentaren.

      Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    Ich denke, dass zwischen Angst und Überheblichkeit tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht.

    Dass ich damit nicht dich gemeint habe, sollte klar sein – schließlich diskutierst du noch mit mir 😉

    Aber natürlich: JEDER Mensch hat irgendwo Angst, JEDER Mensch ist irgendwie überheblich. Meine Erfahrungen habe ich jedoch mit anderen Theologen gemacht.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich kann Dir nur Recht geben. Ich habe diesen Zusammenhang persönlich in einem Kindergarten erlebt, in dem ich eine Zeit lang gearbeitet habe. Es gab dort einen Jungen, der alle anderen Kinder dominierte und der sich so gab, als sei er der coolste von allen, bis zu dem Tag als der Nikolaus zu Besuch kam. Da war er auf einmal von der Bildfläche verschwunden. Er hatte sich kreidebleich und mit starkem Durchfall auf der Toilette versteckt. Man könnte auch sagen, er hatte die Hosen richtig voll.

      Antwort

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