Der Fall der Naturgesetze

Ein Naturgesetz ist keine Erklärung der Zusammenhänge in der Natur, wie fälschlicher Weise angenommen wird, sondern eine Beschreibung der Wirklichkeit mittels der formalisierten Sprache der Mathematik.

Als Naturgesetze sind nur solche Vorgänge in der Wirklichkeit beschreibar, die sich auf die eine oder andere Weise wiederholen.

Naturgesetze beschreiben Abhängigkeitsverhältnisse. Diskontinuierliche Phänomene, die unabhängig und frei sind, können nicht als Naturgesetze beschrieben werden.

Die Mathematik ist eine Sprache, in der Verhältnisse beschrieben werden können, sofern sie quantifizierbar sind. Die Mathematik ist eine Sprache, in der ausschließlich Beziehungen und Relationen ausgedrückt werden können. Die Mathematik macht etwas berechenbar, kann aber nichts erklären. Die Beweise in der Mathematik beziehen sich ausschließlich auf die Mathematik selbst, niemals auf die Wirklichkeit,

Der Fall eines Gegenstandes kann idealer Weise auf das Gesetz der Gravitation zurückgeführt werden. Der reale Fall eines Gegenstandes ist darüber hinaus von weiteren Faktoren abhängig.

Die Naturwissenschaft kann beschreiben, wie die Gravitation wirkt, stellt aber nicht einmal die Frage, was die Gravitation eigentlich ist.

Wer es besser weiß, möge sich gerne bei mir melden.

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3 Gedanken zu „Der Fall der Naturgesetze

  1. Annette Schlemm

    Im Grundsätzlichen stimme ich Dir zu. Ich habe mich vor und während meiner Dissertation zentral mit dem Gesetzesbegriff beschäftigt (siehe z.B. hier: http://www.thur.de/philo/physgesetz.htm).

    Ansonsten ist immer zu fragen, was jemand unter „Beschreibung“ oder „Erklärung“ versteht. Bei einer „Beschreibung“ wird z.B. vieles noch nicht gemacht, was bei Größen, die einem Gesetz unterliegen könnten, gemacht wird (es werden z.B. ggf. einfach vorliegende Fakten oder Abläufe „beschrieben“, unabhängig davon, ob sie gesetzmäßig sind). Als naturwissenschaftliche „Erklärung“ gilt dagegen nach dem in der Wissenschaftstheorie meist verwendeten Hempel-Oppenheim-Schema folgender Zusammenhang: Eine Menge wissenschaftlicher Aussagen (u.a. Gesetzesaussagen) und mindestens eine singuläre Anfangsbedingung (oder Randbedingungen, oder gemessene Daten) führen gemeinsam als Prämisse zu dem Satz, der das zu erklärende Ereignis beschreibt. Hier setzt eine Erklärung eines Ereignisses so etwas wie ein Gesetz geradezu voraus.

    Die Frage, was Gravitation „ist“, stellt sich die neuzeitliche Naturwissenschaft tatsächlich nicht. Newton sagte dazu: „Hypotheses non fingo“.

    Wichtig finde ich dazu auch die Feststellung, dass Gesetze nicht automatisch etwas zu Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen sagen. Höchstens dazu, unter welchen Bedingungen die Gesetze überhaupt gelten (was auch oft vergessen wird).

    Vieles ist halt nicht das, was man sich im Alltagsverstand so denkt, wobei auch die Einzelwissenschaftler selbst nicht genau wissen, was sie eigentlich machen und was nicht 😉

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Vielen Dank für die Antwort. Das mit dem Hempel Oppenheimschema habe ich schon mal gehört aber noch nicht richtig verstanden. Immerhin scheint es diesmal so zu sein, dass ich mit meinen Thesen nicht ganz falsch liege.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Was erklären die Naturgesetze?
      Eine Erklärung ist die Antwort auf die Frage nach dem Anfang. Die Schöpfungsgeschichte ist beispielsweise eine Erklärung des Sabbatgebotes, weil es darauf zurückgeht, dass auch Gott ganz am Anfang nach seiner Arbeit geruht habe.
      Interessanter Weise fängt die Bibel mit den Worten Im Anfang (b´reschit) an. Der Anfang ist in unserem Verständnis die Ursache, die ja auch dem Wort nach der die erste, anfängliche Sache, die Ursache ist.
      Ich kann etwas, das erklärungsbedürftig ist, immer nur mit etwas anderem erklären. Das Unbekannte oder noch Unverstandene kann ich nur mit etwas anderem, was bereits bekannt und verstanden ist, erklären.
      Ob die gegebene Erklärung überzeugen kann, ist eine ganz andere Frage.
      Wenig überzeugend ist zum Beispiel, dass die Arbeitslosigkeit durch eine wirtschaftliche Flaute, die Jahreszeit oder das schlechte Wetter erklärbar sei.
      Hier werden lediglich Zusammenhänge zwischen der Arbeitslosigkeit und anderen Phänomenen behauptet. Die Arbeitslosigkeit selbst wird damit überhaupt nicht erklärt. Das was die Arbeitslosigkeit ist, liegt in ihr selbst, in ihrem Wesen und in ihrer Wahrheit, wie Hegel sagen würde, nicht irgendwo in den Wolken.
      Ebenso wenig ist das Naturgesetz der Gravitation eine Erklärung dafür wie die Gravitation zu Stande kommt. Es ist lediglich eine quantitative Beschreibung dessen, wie die Gravitation wirkt.
      Vielleicht könnte man so formulieren: Die Beschreibung beschreibt etwas, wie es ist, die Erklärung versucht zu klären, wie und warum etwas geworden ist.
      Die Erklärung versucht etwas auf etwas anderes, Ursprünglicheres zurückzuführen.
      Versteht man ein Naturgesetz so, als sei es der Ursprung eines Phänomens, dann steht dahinter die Vorstellung, es habe das Gesetz der Gravitation schon gegeben, bevor es Körper gab, die diesem Gesetz unterliegen können.
      Das ist die deistische Vorstellung des siebzehnten Jahrhunderts, die davon ausgeht, dass Gott seine Gesetze erlassen und sich anschließend aus dem Weltgeschehen zurückgezogen habe. Der Begriff des Naturgesetzes hat in dieser Theologie ihren Ursprung.
      Ich glaube nicht, dass die Naturgesetze etwas in diesem Sinne Äußerliches sind. Ich denke, dass die Naturgesetze mit der Natur, die sie beschreiben geworden sind.
      Naturgesetze sind nicht anders als die Gesetze, die das menschliche Zusammenleben regeln. Auch diese Gesetze wurden erst mit der Zeit parallel mit der zunehmenden Komplexität der Gesellschaften entwickelt.
      Sicher gab es noch keine Gesetze, die den Geldverkehr regeln, bevor es überhaupt Geld gab.
      Das Gesetz der Gravitation entsteht mit den Körpern, die es beschreibt, und es verschwindet auch wieder, wenn es diese Körper nicht mehr gibt.
      Es gibt keine ewig gültigen Naturgesetze und kann sie gar nicht geben, weil es in der Natur keine Gegenstände gibt, die nicht dem Werden und Vergehen unterworfen sind, auf die diese Gesetze Anwendung finden könnten.
      Was erklären also Naturgesetze?
      Sie erklären gar nichts. Sie beschreiben und quantifizieren kontinuierliche Phänomene in der Natur und machen sie vorhersagbar.
      Es ist ein Irrtum zu glauben, dass nur die Wissenschaft in der Lage sei, Vorhersagen zu machen.
      Unbewusste Vorhersagen steuern unser ganzes Verhalten. Wer schon einmal eine Treppe hinunter gegangen ist, deren unterste Stufe erhöht oder erniedrigt wurde, erinnert sich daran, dass er ins Stolpern kam.
      Bei jedem Schritt macht unser zentrales Nervensystem eine Vorhersage, wie weit der Boden von unseren Füßen entfernt ist. Wir verlassen uns dabei unbewusst auf Erfahrungswerte und nur in unbekanntem Terrain kontrollieren wir jeden Schritt bewusst.

      Antwort

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