Urteil und Sein

Das Urteil ist eine der Grundbedingungen des menschlichen Daseins. Das Urteil besteht darin, dass etwas geteilt wird, was vorher vereint war.

Nur das Ungeteilte, in dem es noch keine Trennung zwischen Subjekt und Objekt gibt, kann als das Sein selbst bezeichnet werden.

Das Urteil bedeutet, dass eine ursprüngliche Teilung vorgenommen wurde, die aller anderen Teilung vorausging.

Eines der ursprünglichsten Urteile ist das Selbstbewusstsein. An irgend einem frühen Punkt in seinem Leben erkennt jeder Mensch: „Ich bin Ich.“ Er oder sie sagt das erste Mal „ich“ und trennt bzw. urteilt damit zischen sich als Subjekt und sich als Objekt.

Das ist der Punkt, an dem das Selbstbewusstsein in die Geschichte eines jeden Menschen einbricht. Das Selbstbewusstsein ist Ausdruck des Lebens und gleichzeitig  und damit gleichzeitig das Gewahrwerden der eigenen Endlichkeit, die Einsicht in das Wunder der Geburt und in das Geheimnis des Todes.

Diese Gedanken stammen sinngemäß von Hölderlin, der ganze sehr kurze Text findet sich hier.

Aufmerksam gemacht hat mich darauf Hans Georg Gadamer, in seinen bemerkenswerten Gedanken zur Karriere des Selbstbewusstsein in der Philosophiegeschichte.

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Ein Gedanke zu „Urteil und Sein

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