Vom Dogmatismus

immer wieder wird mir vorgeworfen, ich sei ein Dogmatiker. Ich bekenne freimütig:

Ja, ich bin ein Dogmatiker, aber ich habe mir deswegen nichts vorzuwerfen.

Wer wollte mit welchem Recht von sich behaupten, er sei kein Dogmatiker? Ist das Bekenntnis, ich bin ein undogmatischer Linker, nicht auch eine Lehre, ein Dogma, das Gültigkeit für sich beansprucht.

Wer wollte behaupten, das die Ideale der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit, und Brüderlichkeit keine Lehren, Dogmen, seien, die den Anspruch auf Weltgeltung erheben?

Wie steht es mit der Mathematik. Sie ist eine axiomatische Wissenschaft ohne direkten Realitätsbezug. Die Axiome sind willkürliche Setzungen, Dogmen, die keiner weiteren Begründung bedürfen.

Ebenso herrscht in allen Naturwissenschaften eine Lehrmeinung, die in Lehrbüchern, vergleichbar den kirchlichen Katechismen, verbreitet wird, solange bis die Wissenschaft bedingt durch die Entwicklung und den historischen Wandel andere Lehrmeinungen für sakrosankt erklärt.

Kurzum, es ist gar nicht möglich, kein Dogmatiker zu sein. Selbst der Zeitgeistliche, der das Mantra: „anything goes“ betet, vertritt eine Auffassung, von der er glaubt, sie sei anderen Auffassungen irgendwie überlegen.

Der Vorwurf des Dogmatismus führt also nicht wirklich weiter. Wer einen „Dogmatiker“ angreift, sollte ihn deshalb nicht deshalb angreifen weil er angeblich ein „Dogmatiker“ ist, sondern wegen seiner Dogmen.

Ich für meinen Teil habe meine Dogmen hier und hier offen gelegt und lade jeden ein, jedes einzelne Dogma zu bestreiten. Wer das nicht kann und nicht will, der schweige für immer, wie es Wittgenstein einmal gefordert hat.

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25 Gedanken zu „Vom Dogmatismus

  1. alphachamber

    Duden: „…unkritischer Verfechter einer Lehrmeinung…“

    Ich denke absolut nicht, dass dies auf Sie zutrifft.

    „…Wer wollte mit welchem Recht von sich behaupten, er sei kein Dogmatiker?“
    DAS hätte ich allerdings n i c h t geschrieben, denn dann wären Sie ja doch einer! 🙂

    Nette Grüße

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich habe nicht nur geschrieben, dass ich ein Dogmatiker bin sondern auch warum und wie die Dogmen alle heißen, die vertrete. Ich finde es gibt nichts Schlimmeres, als keine Meinung zu haben es sei denn man hat wirklich keine Ahnung und gibt das auch zu.
      Der Vorwurf kam von Kardinal Igor Novice

      Antwort
      1. alphachamber

        Ich habe anfangs die Definition des Begriffs zitiert.
        Jetzt schreiben Sie, dass man also entweder ein Anhänger einer unkritischen Lehrmeining ist, oder gar keine Meinung hat?
        Aber Herr Arandt.

      2. hansarandt Autor

        Nein das schreibe ich nicht. Lehrmeinungen müssen ja nicht unkritisch sein, im Gegenteil, wer eine Lehrmeinung vertritt, kritisiert naturgemäß andere, davon abweichende Lehrmeinungen, mit Recht. Freilich kann er sich Irren, deswegen sind Lehrmeinungen, nicht mal die katholischen Kirche, für die Ewigkeit. Da gibt es auch alte Dogmen und neuere Dogmen und selbst Galileo wurde post hume anerkannt, wenn auch erst nach Jahrhunderten, das braucht eben seine Zeit. Die Lehrmeinungen der Neutestamentlichen Theologie sind erst knapp 2000 Jahre nach Christi Geburt revidiert worden. Es ist nie zu spät.
        Haben sei meine Argumentation, warum ich ein Dogmatiker bin, gelesen und verstanden? Mir schneint das ist nicht der Fall.

      3. alphachamber

        Gelesen ja, verstanden anscheinend nicht. Ich gab Ihnen nur den Vorteil des Zweifels (oder besser in Englisch: the benefit of doubt).
        Wenn Sie nicht die üblichen Begriffs-Definitionen akzeptiern möchten, werden philosophische Gespräche schwierig. Finde ich.

      4. hansarandt Autor

        Wer bitteschön legt fest was die „üblichen Begriffsdefinitionen“ sind? Ist das nicht irgendwie dogmatisch? Sollte es gar bei Strafe verboten sein über Begriffe zu reflektieren und sie ggf. neu zu definieren. Wenn ich einen Gesporächspartner verstehen will, muss ich versuchen die Begriffe so zu verstehen wie er sie versteht. Die „üblichen Begriffsdefinitionen“ helfen da gar nicht. Beispiel: Wer sagt, dasss Mädchen dümmer sind, der spinnt. Wer sagt das Hexen böse sind spinnt auch, die Hexen selbst sehen das ganz anders. Hegel zum Beispiel verwendet nie „übliche Begriffsdefinitionen“ sondern klärt seine Leser immer detailiert darüber auf, wie er die Begriffe, die er verwendet versteht. Wenn in der üblichen Begriffsdefinition unter Widerspruch ein Synonym für Unlogik gesehen wird, sieht er im Widerspruch den Motor jeden Fortschritts, ein dialektisches Prinzip, das unhintergehbar ist.

  2. alphachamber

    „…Wenn ich einen Gesporächspartner verstehen will, muss ich versuchen die Begriffe so zu verstehen wie er sie versteht.“
    每一种语言都有其固定期限!
    Versuchen Sie mich jetzt bitte zu verstehen. 🙂

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Wenn ich eine Sprache nicht verstehe, kann ich auch nicht verstehen, was der andere mir in dieser anderen Sprache zu verstehen geben will. Will ich es trotzdem verstehen, bemühe ich mich um eine Übersetzung. Wie auch immer, Ihr Hinweis entkräftet nicht die Tatsache, dass ich herausbekommen muss, was mein Gegenüber meint, wenn es bestimmte Begriffe benutzt, wenn ich ihn verstehen will. Will ich ihn nur in eine meiner vorgefertigten Schubladen packen, dann ist jegliches Verstehen und Verstehen wollen allenfalls hinderlich.

      Antwort
      1. alphachamber

        „Wenn ich eine Sprache nicht verstehe, kann ich auch nicht verstehen, was der andere mir in dieser anderen Sprache zu verstehen geben will…“
        Sie haben es erfasst, Herr Arandt!
        Übrigens, ich bin Ihnen gern behilflich und ich diskutiere gerne, aber ich debattiere nicht.
        Dies mündet in eine Debatte.

  3. alphachamber

    Herr Arandt,
    welchen Sinn hat es, wenn ich kommunizieren will und für jeden Begriff meine eigene Definition konstruiere. Dann kann ich auch in Chinesisch schreiben, für MICH machen diese Begriffe (oder Zeichen usw.) ja Sinn.
    Würde jeder seine Welt aus eigenen dadaistischen Lauten bilden, gäbe es keine Wissenschaften, Gemeinschaften und keine Kulturen. Sprachunterricht wäre sinnlos. In der Tat, ohne gemeinsame Sprache, befänden wir uns auf der untersten Stufe des Tierreichs.
    Hilft Ihnen diese Erklärung?

    Antwort
    1. alphachamber

      P.S.:
      „…Die “üblichen Begriffsdefinitionen” helfen da gar nicht. Beispiel: Wer sagt, dasss Mädchen dümmer sind,…“
      Das ist doch keine „Begriffsdefinition“, sondern eine unlogische Aussage.
      Der Mensch denkt durch seine Sprache. verwirren Sie die Begriffe, ergeben sich solche geistigen Fehlschlüsse. Zu welchem Zwecke?

      Antwort
      1. hansarandt Autor

        MIr scheint, bei Ihnen ist die Sprache eine Aneinanderreihung logischer Ausdrücke, die in sich selbst evident sind. So ist es aber nicht.

    2. hansarandt Autor

      Begriffe sind in aller Regel nicht eindeutig und zum Glück gibt es nur in beschräntkem Maß Rede- und Denkverbote. Leider nehmen diese Rede und Denkverbote ständig zu. Man bezeichnet es als political correctnes. Zum Glück habe ich immer noch das Recht mir von Ihnen nicht vorschreiben zu lassen, wie ich meine Begriffe gebrauche. Mit welchem Recht nehmen Sie für sich in Anspruch über die richten Definitionen von Begriffen zu verfügen und dekretieren zu können, dass ich die falschen verwende. Ich rede ja keinen Unsinn und wenn sie den verstehen wollten, könnten Sie ihn auch verstehen. Ihr Dada-Argument kann nicht wirklich überzeugen.

      Antwort
      1. alphachamber

        „Begriffe sind in aller Regel nicht eindeutig und zum Glück gibt es nur in beschräntkem Maß Rede- und Denkverbote….“
        Dieser gesamte Absatz ist irrelevant zu unserem Thema. Warum öffnen SIe jetzt ein neue Fass?
        Oder zeigen Sie bitte WO ich in in meinen Kommentaren davon sprach Rede zu beschränken, oder gar Definitionshoheit in für mich in Anspruch zu nehmen.
        Eine Sprache ist eine kulturelle Konvention. In modernen Kulturen wird dies üblicherweise durch Duden oder Lexika geregelt, in älteren Kulturen durch Traditionen.
        Halten Sie es für impertinent, wenn ich Ihnen sage, dass ‚Darlehen‘ nicht ‚Geschenk‘ bedeutet? Testen Sie Ihre Definitionsfreiheit mal bei Ihrer Bank!

      2. hansarandt Autor

        Natürlich sind Begriffe nicht willkürlich und offen für jede Interpretation. Wichtig ist nur, dass beide Gesprächspartner, die sich über etwas verständigen sei es über ein Darlehen oder ein Geschenk beide das selbe damit meinen. In Ihrer Definition von Dogma, die Sie dem Duden entnommen haben, steht Dogma für einen irrelevanten Quatsch. Der Papst sieht das völlig anders, er hält die selbe Sache für eine Göttliche Wahrheit von höchster Relevanz. Deshalb sollte man nicht darüber streiten ob etwas ein Dogma ist oder nicht, sondern darüber ob man ein bestimmtes Dogma für Quatsch hält oder eben für eine Wahrheit. Nichts anderes habe ich gefordert und darüber informiert, welche Dogmen ich vertrete auf den Seiten Mein Glaube und Axiome. Wenn Sie etwas bestreiten wollen bestreiten Sie das und belästigen Sie mich bitte nicht mehr mit Ihrer Besserwisserei in Detailfragen.

  4. alphachamber

    „…MIr scheint, bei Ihnen ist die Sprache eine Aneinanderreihung logischer Ausdrücke.“
    Ist sie nicht und habe ich auch nicht behauptet. Allerdings, folgen sprachliche Regeln in der Tat der Logik und in der Linguistik spielt die Mathematik eine größere Rolle.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Wir befinden uns in unserem Dialog in der völlig falschen Ecke. Ich habe behauptet, Denken und Wissenschaft sei nicht möglich ohne Dogmen und Lehrmeinungen. Ich habe dafür Beispiele gebracht, dass das sowohl die Bestreitung dieser Tatsache (ich bin undogmatisch) selbst schon ein Dogma ist und habe gezeigt, dass auch die Mathematik nicht ohne Axiome, die ihrerseits den Status nicht hinterfragbarer Dogmen haben, und auch die Naturwissenschaft Lehrmeinungen vertritt, die sie für letzte Wahrheiten hält. Die wissenschaftliche Entwicklung zeigt aber, dass auch die Dogmen der Naturwisseschaft genauso wenig Bestand haben, wie die Dogmen der Kirche.
      Wenn Sie etwas bestreiten wollen, dann bestreiten Sie bitte diese These und greifen nicht einzelne Sätze heraus, die dann vordergründig unlogisch klingen. Oder haben Sie diese These wirklich nicht verstanden oder wollen Sie sie einfach nicht verstehen?
      Ich glaube wir reden wieder einmal aneinander vorbei so als ob, da haben Sie vielleicht doch recht, der andere chinesisch reden würde.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      “ Eine Sprache ist eine kulturelle Konvention. In modernen Kulturen wird dies üblicherweise durch Duden oder Lexika geregelt, in älteren Kulturen durch Traditionen.“

      Das klingt so, als sei der Duden für Sie so etwas, wie das Wort Gottes, eine Offenbarung, die darüber befindet bzw. „regelt“ , welche Bedeutung ein Begriff hat.

      Dem ist nicht so:
      Der Duden hält den derzeitigen Sprachgebrauch fest. Es gibt so gut wie keinen Begriff der nicht mehr als eine Bedeutung hat. In verschiedenen Zusammenhängen bedeuten Begriffe oft etwas völlig anderes.

      Im Zusammenhang der universitären Wissenschaft der Theologie bedeutet Dogmatik eine Teildisziplin dieser Wissenschaft neben der Ethik, der Kirchengeschichte und den biblisch exegetischen, altphilologischen Fächern.

      Die Dogmatik beschäftigt sich systematisch mit den Lehren der Kirche und den Glaubensgrundsätzen im Christentum ganz allgemein. Daneben gibt es die „Vergleichende Religionswissenschaft“, die sich mit den Lehren der anderen Religionen beschäftigt.

      Antwort
  5. alphachamber

    1. „…Denken und Wissenschaft sei nicht möglich ohne Dogmen…“
    Es ist Ihre Prämisse, also läge der Onus des Nachweises bei Ihnen. Ebenso – wenn Sie denn nicht die Duden-Definition von Dogma akzeptieren – blieben Sie immer noch eine klare, bündige persönliche Definition schuldig.

    2. „…Die wissenschaftliche Entwicklung zeigt aber, dass auch die Dogmen der Naturwisseschaft genauso wenig Bestand haben…“
    Also, wissenschaft ist ohne Dogmen nicht möglich, haben aber in ihnen keinen Bestand??? Vielleicht erlaubt Ihre Vorstellung von „Dogma“ diesen paradoxen Dualismus.

    Zu meinem chinesischen Beispiel und der Linguistik von Begriffen:
    Wenn ein Blinder die Braille-Übersetzung von „Dogma“ abtastet, formt sein Hirn eine Vorstellung der Bedeutung. Wenn Sie an Ihre eigene Definition denken, werden Sie denselben Spass in einem Dialog mit dem Blinden haben, wie mit mir!

    Sie suchen im Ocean nach Wasser. Von diesem Thema verabschiede ich mich höflichst!

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Zu 1. Ich habe diese These an einigen Beispielen aus der Wissenschaft verdeutlicht (Mathematik, Naturwissenschaft, politische Weltanschauung. Wenn sie meinen Die Naturwissenschaft kennt keine Dormen, was kennt sie dann? „Objektive Wahrheiten und überzeitliche (ewige) Naturgesetze? Sind das nicht Dogmen, die angeblich für alle gelten nicht nur für eine bestimmte Religion, wie die Dogmen des Papstes?
      Wer sagt, dass Dogmen ewige gültigkeit haben? die Kirche hat in ihrer Geschichte unzählige Dogmen neuaufgestellt, die es vorher nicht gab und andere Dogmen verworfen, wenn ihr das nötig erschien. Ebenso verhält es sich in den Naturwissenschaften.
      Wenn es in den Naturwissenscahften angeblich anders ist als in der katholischen Kirches, dann sagen Sie mir in wie fern.
      Vielen Dank für Ihren Hinweis mit dem Wasser. Ich habe es bereits gefunden und habe auch vorher schon vermutet, dass ich es im Ozean finden werde.
      Auch hier nochmal Ihnen einen guten Sonntag.

      Antwort
  6. alphachamber

    „Wenn Sie etwas bestreiten wollen bestreiten Sie das und belästigen Sie mich bitte nicht mehr mit Ihrer Besserwisserei in Detailfragen.“
    Diesen Satz habe ich leider übersehen. Ich empfinde ihn als unverschämt, unhöflich und absurd. Wie viele andere selbstgerechte Heilige sind Sie ein unwürdiger Gastgeber.

    Antwort
  7. Pingback: Mundtot | Dumme Fragen

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