Einstein und der freie Wille

Wer meinen Blog kennt, der weiß, dass ich gerne streite. Besonders heftig bin ich für den freien Willen und vor einiger Zeit gegen Einstein in den Ring gestiegen.

Nun habe ich festgestellt, dass das eine mit dem anderen untrennbar verbunden ist.

Kurz: Wer den Lehren Einsteins glaubt, muss notwendig die Existenz des freien Willens leugnen.

Wer Albert Einstein folgt, glaubt, dass eine langsamer oder schneller verlaufende Zeit Einfluss auf alles hat, was in der Zeit ist: Auf den Kosmos, die Natur, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen.

Ein Raumfahrer, wird im Raumschiff, das sich theoretisch mit annähernder Lichtgeschwindigkeit bewegt, theoretisch langsamer alt als sein Zwillingsbruder, der die selbe Zeit auf der Erde verbringt, so die Legende. Praktisch beweisen kann man das natürlich nicht.

Ich finde diesen Gedanken absurd, aber nehmen wir einmal an, Einstein hätte Recht. Wenn man dieses Gedankenexperiment tatsächlich durchführen könnte, was man sinniger Weise nicht kann, könnte es nur funktionieren, wenn alles mit allem zusammenhängt.

Alterungsprozesse wären dann von einer allgemeinen Zeit abhängig, die alles steuert. Das Leben müsste dann so etwas, wie ein Film sein. Wenn der Film schneller läuft, dann verlaufen auch alle Prozesse auf der Erde oder im Kosmos schneller. Alles müsste also von allem abhängig sein. Jedes einzelne Ding wäre durch alle anderen Dinge in Raum und Zeit bestimmt bzw. determiniert.

Das heißt die Legende vom Raumfahrer ist nur vorstellbar, mehr kann sie sowieso nicht sein, wenn alles determiniert ist, wie in einem Film, den man langsamer oder eben schneller laufen lassen kann und alle müssen sich dann entweder im Slapstick oder in Zeitlupe bewegen, ganz wie es dem Mann am Projektor gefällt. (siehe dazu: Eine Uhr ist keine Uhr)

Diese Vorstellung ist eine sehr alte Anschauung unseres menschlichen Lebens. In der Theologiegeschichte nennt man sie die Lehre von der Prädestination, von der Vorsehung.

Johannes Calvin war so sehr in diese Lehre verliebt, dass er sogar von der doppelten Prädestination sprach, die Prädestination zum Guten und zum Bösen.  Unverschämter Reichtum war für ihn ein Zeichen der Gnade Gottes, weswegen seine Lehre von Max Weber später als der Geist des Kapitalismus identifiziert wurde.

Nun  kann man die Welt zwar so sehen, man muss es aber nicht. Es gibt gewichtige Einsprüche:

Der Prediger Salomo hat sich im Alten Testament zu dieser Frage geäußert. Er sagte:

Alles hat seine Zeit.

Wohlgemerkt, er sagte nicht, alles hat eine Zeit. Man könnte auch sagen eine „Telefonbau Normalzeit“, wie sie die Firma TN in die ferngesteuerten Bahnhofsuhren eingebaut hat. Wer genau hinschaut, kann das Logo noch auf den Zifferblättern erkennen.

Alles hat seine je eigene Zeit, das wollte der Prediger Salomo mitteilen. Alles ist voneinander unabhängig. Die Zeit läuft grundsätzlich für alles und jeden verschieden.

Das klingt jetzt so, als ob das ja genau das wäre, was Einstein auch behauptet. Ist es aber nicht. Einstein macht den Lauf der Zeit von äußeren Bedingungen abhängig und der Prediger Salomo von inneren Bedingungen.

Wenn einer schneller stirbt als der andere, hat das auf den anderen keinen Einfluss. Der Alterungsprozess ist eine innere biologische Uhr, die bei einer Eintagsfliege vierundzwanzig Stunden läuft und bei einem Mammutbaum über tausend Jahre.

Wenn die Erde sich doppelt so schnell drehen würde, hätte das keinen Einfluss auf den Alterungsprozess selbst, sondern nur auf die Maßeinheit. Der Baum würde genauso alt, gemessen in Jahren wären es dann aber doppelt so viele Jahre und die Eintagsfliege könnte problemlos zwei Tage a 12 Stunden durchhalten.

Die Kette der Philosophen und Theologen, die für den freien Willen eingetreten sind, ist lang. Immanuel Kant zum Beispiel hat gesagt, dass man den freien Willen zwar nicht beweisen könne, dass er aber ein notwendiges Postulat der praktischen Vernunft sei.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel hat behauptet, die Zukunft sei prinzipiell völlig offen und man könne nur im Rückblick auf bereits Vergangenes einigermaßen sichere Aussagen treffen.

Der vor kurzem verstorbene Quantenphysiker Hans Peter Dürr hat beeindruckende Vorträge über die prinzipielle Unvorhersehbarkeit der Zukunft gehalten.

Der gesunde Menschenverstand, der vielfach klüger ist, als die Wissenschaft, ist ohnehin davon überzeugt, dass es so ist, wenn er aus Erfahrung klug geworden sagt:

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Nun kann man natürlich Einstein glauben und den freien Willen bestreiten. Allerdings hat derjenige, der diesem Satz zustimmt, implizit schon den freien Willen vorausgesetzt.

Streng genommen müsste der Bestreiter des freien Willen sagen: Einstein muss man glauben und den freien Willen muss man bestreiten oder eben umgekehrt.

Ehrlich gesagt, ich wollte nicht in einer Welt leben, wo man so etwas muss. Und ich vermute, dass diejenigen, die meinen dass man es doch müsste, es im Grunde auch nicht wollen.

Zurück zu Einstein und dem freien Willen. Wer Einstein glaubt, muss notwendig den freien Willen leugnen, um nicht in Selbstwidersprüche zu geraten.

Wer aber an den freien Willen glaubt, der kann aus logischen Gründen der Theorie Einsteins nicht folgen, weil sie nur funktionieren kann, wenn man von einem grundsätzlich deterministischen Weltbild ausgeht.

Wer jetzt sagt, das kann jeder halten wie er will, hat den freien Willen schon implizit akzeptiert und kann aus rein logischen Gründen die Lehren von Einstein nicht für wahr halten.

Sicher gibt es auch eine dritte Möglichkeit, auf die ich bisher noch nicht gekommen bin.

Noch mal in Kurzform meine These:

Prämisse I: Wer an Einstein glaubt, kann nicht an den freien Willen glauben.

Prämisse II: Wer an den freien Willen glaubt, kann nicht an Einstein glauben.

Konklusion: Es ist logisch unmöglich zugleich an den freien Willen und an Einstein zu glauben.

Ich bin auf jeden gespannt, der das doch hinbekommt, sich bei mir meldet und mir sagt, wie er das geschafft hat.

Man könnte zum Beispiel sagen, ok, das mit dem Raumfahrer ist gelogen aber der Rest stimmt. So beginnen in der Regel alle Rückzugsgefechte, die die VerfallsRaumZeit einer Theorie zwar verlängern, den Verfall selbst aber  nicht verhindern können.

Ich vermute einmal, dass auch die Relativitätstheorie in die Geschichte eingehen wird, wie jede andere wissenschaftliche Theorie vor Einstein auch. So gesehen gibt es vielleicht doch einen Determinismus. Das einzige was wirklich sicher ist, ist die Tatsache, dass nichts so bleibt wie es ist. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom Werden und Vergehen, dem alles unterworfen ist.

Mir geht es in diesem Beitrag nicht darum, wieder die Frage aufzurollen ob Einstein recht hat, oder ob es den freien Willen gibt.

Mich interessiert lediglich die Frage ob der logische Widerspruch zwischen beiden, wie ich behauptet habe, besteht oder nicht besteht.

 

 

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28 Gedanken zu „Einstein und der freie Wille

  1. Annette Schlemm

    Du schreibst zur Zeitabhängigkeit vom Bewegungszustand: „Praktisch beweisen kann man das natürlich nicht.“ Doch kann man. Es gibt hochenergetische Teilchen, die unsere Atmosphäre durchqueren und die „länger“ existieren, als sie es nach ihrer sonstigen Existendauer tun, weil sie sich mit fast Lichtgeschwindigkeit bewegen.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Das weiß ich auch, das die länger existieren als man erwarten würde aber für mich ist das ein äußerst schwacher „Beweis“. Niemand kann das überprüfen außer den Wissenschaftlern, die damit die Relativitätstheorie beweisen wollen.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Was ich gesagt habe war, dass man die Story mit dem Raumfahrer nicht beweisen kann, oder ist ein Raumfahrer ein Elementarteilchen? Warum sollte das was für Elementarteilchen gilt, selbst wenn es gilt, auch für Raumfahrer gelten? Wie beschleunigt man einen Raumfahrer auf annähernd Lichtgeschwindigkeit ohne ihn zu töten? Konnen Sie mir das als Physikerin erklären? Und wenn das so einfach ist, warum hat es dann noch keiner gemacht? Ich denke Einstein hätte etwas bescheidener in seinen Gedankenexperimenten sein können. Er behauptet etwas wofür es derzeit unmöglich ist den Beweis anzutreten.
      Wenn er aber nur von Elementarteilchen gesprochen hätte, was er auch nicht konnte, weil diese „Beweise“ erst Jahrzehte später nachgeliefert wurden, hätte er damit kein öffentliches Interesse wecken können. Das spannende an der Legende mit dem Raumfahrer ist ja die Aussicht, man könne sein Leben veilleicht verlängern. Damit stillt er ein Bedürfnis, dem bislang immer die Religionenen entgegengekommen sind mit Vorstellungen vom ewigen oder doch wenigstens ewigerem Leben. Ich glaube, die Kirche kann ihr Versprechen so wenig einhalten wie Albert Einstein.

      Antwort
  2. Annette Schlemm

    Ach, was soll man dazu sagen. Irgendwie hast Du die Vorstellung, wenn es ein physikalisches Gesetz gibt, solle oder könne das auch direkt was zur Freien-Willens-Frage sagen? Das eine hat nix mit dem anderen zu tun. Aber um das zu erklären, wäre mehr als eine Kommentierung nötig. Zuerst mal: Physikalische Gesetze gelten für Objekte, die für eine Analyse von Bewegungsformen die Bewegung von Objekten mittels Messgrößen messbar machen. Diese Objekte sind genau so „gemacht“, d.h. es wird von vielen ihrer Eigenschaften abstrahiert, um genau diese eine Beziehung untersuchen zu können. Sie sind nicht nur ausgedacht, sondern sie haben etwas von den wirklichen Dingen da draußen, die wirklichen Dinge da draußen verhalten sich wirklich so (deshalb wollen wir ja in der Physik was messen und verlassen uns nicht nur auf spekulative mathematische Funktions- oder andere Beziehungen). Aber es ist methodisch völlig falsch, von der Ortsbewegung eines trägen Körpers her, ob nun nach Newton, Einstein oder wem auch immer, auf die Willensfreiheit von ganz anderen Dingen, nämlich Menschen, zu schließen.

    Die physikalische Zeit ist deshalb auch in jeder physikalischen Theorie zu unterscheiden von den sog. Eigenzeiten, die jeweils Rahmenzeiten für noch weiter innere Zyklen sind. Keine der physikalischen Zeiten ist eigentlich „echt“. Sie wird gebraucht und jeweils so bestimmt, dass innerhalb der bestimmten Theorie, die bestimmte Gegenstände hat, die Bewegung dieser Gegenstände messbar wird.

    Manchmal überziehen auch NaturwissenschaftlerInnen selbst den Geltungsbereich der Aussagen ihres Fachbereichs. Leider ist das eine sehr unschöne Modeerscheinung, noch verstärkt im Zeitalter des Selbst-Marketings. Aber es ist immer genau hinzuschauen was die Gegenstände und die Mittel der physikalischen Arbeit sind. Keine Weltanschauung kann physikalische oder andere einzelwissenschaftliche Erkenntnisse negieren, sondern muss auf ihnen aufbauen. Aber keine einzelwissenschaftliche Aussage beschreibt in ihrer in der Fachwissenschaft gegebenen Form die Welt so, wie wir sie erleben.

    Insofern sind auch viele didaktische Lehrmethoden eigentlich grundfalsch, wenn sie so tun, als könne man wichtige Vermittlungsschritte, die erst Wissenschaft ermöglichen (Idealisierung der Objekte, Abstraktion von allen anderen Bewegungen und damit auch Gesetzen, die auch noch einwirken, Bildung der messbaren Grundgrößen…), einfach übergehen.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich habe nicht alles verstanden, was du geschrieben hast. Die Hauptbotschaft scheint mir zu sein: Das eine hat mit dem anderen nix zu tun.
      Nun gebe ich dir recht, dass die Willensfrreiheit im engen Sinn natürlich nur Subjekte betreffen kann, die so etwas wie einen Willen haben. Das trifft für Menschen zu und sicher auch für Tiere, mit Einschränkungen für alle Lebewesen aber nicht unbedingt für physikalische Objekte. Deshalb muss ich meine These präzisieren.

      Es geht darum, ob die Zukunft prinzipiell offen ist, wie Hegel meint und Hans Peter Dürr und Robert B. Laughlin oder ob wir uns die Welt denken als prinzipiell determiniert. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, scheinen sie eher die Anschauung zu vertreten, dass die Gesetze über den Diskontinuitäten stehen und letztlich der Determinismus in ihrer Weltanschaung dominiert, was ja auch Karl Marx so gesehen hat. Dann passt das ja auch gut mit Einstein zusammen, der es genauso sieht als er sagte: Gott würfelt nicht und glaubte, er könne eine Weltformel finden, die man nur suchen kann, wenn man an den Determinismus glaubt. Das war es, was ich zeigen wollte mehr nicht.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Ich habe mich deinem sehr differenzierten Kommentar noch einmal gewidmet und möchte jetzt noch einmal möglichst unaufgeregt darauf eingehen.
      Dass es mir nicht nur um den freien Willen geht, was sicher etwas unglücklich ausgedrückt ist, da gebe ich dir recht, habe ich anderer Stelle schon einmal kommentiert. Hier nur noch mal kurz. Es geht mir um die Vorstellung ob der Determinismus oder die Freiheit vorherrscht oder wie das Verhältnis zwischen beiden zu beurteilen ist. Sicher gibt es beides, das leugne ich nicht. Einstein, die Aufklärung mit der Vorstellung die Welt sei ein Uhrwerk, und Karl Marx vertreten sicher eine deterministische Philosophie. Hegel, Hans-Peter Dürr, und Robert B. Lauglin stehen für mich auf der anderen Seite. Ich denke, dass ich damit richtig liege. Bei den letzten beiden bin ich mir ganz sicher, wenn es bei Hegel auch deterministische Anschauungen geben sollte, kannst du mich sicher darauf hinweisen.
      Nun zum Zeitbegriff. Ich verstehe Deine Ausführungen so, dass es eine echte, die innere Zeit gibt und eine äußere Zeit, die durch Messung mit einem von außen herangetragenen Maßstab entsteht.
      Man kann das vielleicht an der Trigonometrie verdeutlichen. Die Verhältnisse der Seiten und Winkel in einem Dreieck folgen inneren Gesetzen, die keinen äußeren Maßstab erfordern.
      Übersetze ich die Trigonometrie in die Sprache der Mathematik, was vollständig möglich ist, trage ich ein Zahlen- und Maßsystem an die Trigonometrie von außen heran, mit dem ich es messbar und durch einen Computer berechenbar mache.
      Der Goldene Schnitt, ein Gesetz dem man in der Malerei folgt, wäre ein inneres Verhältnis. Die Geschwindigkeitsmessung wäre ein äußerer Vorgang.
      Ich halte es durchaus für möglich, dass es ein echtes inneres Verhältnis zwischen Raum und Zeit geben könnte, wie Einstein behauptet. Ich glaube aber nicht, dass die Relativitätstheorie die richtige Erkenntnis dieses inneren Verhältnisses ist, wenn es denn dieses innere Verhältnis tatsächlich geben sollte.
      Den beiden letzten Abschnitten in deinem Kommentar kann ich nur zustimmen. Im Grunde ist das genau die These von Pirmin Stekeler-Weithofer in seiner Philosophie des Selbstbewusstseins. Er kritisiert, dass das Naturwissenschaftliche Weltbild den eigenen Kategorien gegenüber häufig unkritisch ist und sich über sich selbst nicht bewusst wird. Er meint, ich habe das in meinen Beiträgen nur wiederholt, dass das naturwissenschaftliche Weltbild, nicht die Wissenschaft oder die Wissenschaftler, quasireligiöse Dogmen kultiviert, die es aufzuklären und zu überwinden gilt. Sein Ziel ist die Vollendung der Aufklärung, das voll entwickelte Selbstbewusstsein. Hegel würde es vielleicht die Verwirklichung des Geistes nennen

      Antwort
  3. hansarandt Autor

    Ganz allgemein ist mir zu meinem Beitrag noch eingefallen, dass was auch immer man über meine Gedankenspiele denken oder nicht denken mag, doch eines als sicher angesehen werden kann:

    Albert Einstein, war ein Determinist mit Haut, langem Haar und Schnurrbart. Warum er uns zu seinem siebzigsten Geburtstag die Zunge heraus gestreckt hat, wird ewig sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich arbeitet er immer noch an seiner Feldtheorie, mit der er auf der Erde nicht fertig geworden ist.

    Antwort
  4. Yeti

    möchte auch noch kurz aus meiner Sicht schreiben, dass Determinismus und freier Wille meiner Meinung nichts mit der Relativitätstheorie zu tun haben.

    Es mag sein, dass Einstein an den Determinismus geglaubt hat und dass er das im Rahmen seiner Tätigkeit auch klargemacht hat, aber mit den konkreten Aussagen seiner physikalischen Theorien hat das nichts zu tun.

    Ursache und Wirkung werden in der Physik oft durch Differentialgleichungen miteinader verknüpft. So ist zum Beispiel in der Gleichung F = dp / dt die Kraft die Ursache und die zeitliche Änderung der Bewegungsgröße die Wirkung. Wir sehen, dass in dieser Beziehung die Zeit eine große Rolle spielt.

    Das ist jetzt kein endgültiger Beweis, aber es soll zeigen, dass die Zeit in der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung oft eine große Rolle spielt und somit verständlich sein sollte, wenn der Zeitablauf auch die anderen physikalischen Größen beeinflusst.

    Antwort
  5. hansarandt Autor

    Dass die Zeit grundsätzlich bei allem eine Rolle spielt, weiß doch jedes Kind, das auf seine Mama warten muss und darunter leidet. Dazu brauche weder die Naturwissenschaft noch Einstein.
    Das Prinzip der Kausalität ist eine Kategorie, aristotelisch die Frage nach dem wann und wie lange, und kantisch eine Kategorie unseres Denkens. Schon Hume hat darauf hingewiesen, dass wir die Kausalität nicht wirklich beobachten können sondern immer nur ein Nacheinander in der Zeit.
    Auch statistische Untersuchungen können lediglich eine Korrelation zwischen zwei gemessenen Größen nachweisen. Die Feststellung, welche davon die Ursache und welche die Wirkung ist, müssen wir aus einer anderen Theorie ableiten.
    Es kann auch eine dritte nicht gemessene Größe geben, von der die gemessenen Größen beide kausal abhängig sind.
    In der Natur treffen wir ohnehin fast ausschließlich auf Wechselwirkungen und Regelkreise, die mit der Kategorie der Kausalität nur unvollständig beschrieben werden können. Das alles kann man wissen ohne die geringste Ahnung von Mathematik zu haben.

    Antwort
    1. Yeti

      Ich habe das Gefühl, Dir geht es so wie vielen Bloggern: in erster Linie bist Du „geil auf Clicks“ und dafür würdest Du jeden Salto und jeden Kopfstand machen und es auch nicht verabscheuen, dich selbst lächerlich zu machen.

      Beachte: ich schreibe „ich habe das Gefühl“, ich behaupte nicht, dass das auch wirklich der Fall ist, was mir mein Gefühl sagt

      Antwort
      1. Yeti

        Lass mich noch erklären, warum ich dieses Gefühl habe.

        Einerseits schlussfolgerst Du aus der Tatsache der Zeitdilatation darauf, dass es da eine rätselhafte Fernwirkung geben muss, die alle Phänomene miteinander verbindet.

        Wenn man Dir dann – da man selber ja auch nicht an die Fernwirkung glaubt – erklärt, dass die Zeit eine wesentliche Rolle spielt, wenn sich die physikalischen Phänomene im Raumzeitkontinuum ausbreiten – und somit klar ist, dass eine Zeitdilatation auch dann eine Auswirkung auf alle Phänomene haben kann, wenn man nicht an die Fernwirkung glaubt – ,

        dann sagst Du „ja, das hab‘ ich eh gewußt“ und ignorierst damit, dass Du Dir selber widersprichst.

        Sei doch wenigstens so ehrlich zu Dir selbst und zu Deinen Lesern, dass Du zugibst, Du diskutierst nicht um eines Zieles willen sondern nur um des Diskutierens Willen.

        Dass Du gegen Einstein bist, liegt in Wirklichkeit auch nur daran, dass Du Dir dadurch die höchsten „Einschaltquoten“ erhoffst (ist jedenfalls mein Gefühl, bitte fühle Dich nicht beleidigt).

      2. hansarandt Autor

        Wie Du schon gemerkt hast, ich bin wirklich beleidigt. Man muss an Einstein so wenig glauben, wie an Gott und man muss das sagen dürfen ohne deswegen der Blasphemie bezichtigt zu werden. Und man muss deswegen nicht diffamiert und diskriminiert werden und an den Pranger gestellt werden wie eine Hexe.
        Eine Entschuldigung ist fällig!!!!

      3. hansarandt Autor

        Da fühle ich mich völlig falsch verstanden. Ich mache nirgends Werbung für meinen Blog, meine besten Freunde haben keine Ahnung, dass ich hier unter Pseudonym schreibe und das ist auch gut so. Meine Frau kennt meine Identität auf diesem Blog nicht.
        Ich will einfach nur etwas los werden, wegen meiner eigenen Gesundheit. Vielleicht hast du schon einmal auf meine Unmutsäußerungen geschaut, das habe ich damals noch unter meinem Klarnamen geschrieben und dann für immer gelöscht.
        Alle, die auf meinem Blog aufmerksam geworden sind, so wie du, sind es geworden, weil sie das selbst irgendwann einmal entdeckt haben, so wie Du und ich ihnen geantwortet habe.
        Ich bin ein großer Fan von Deinem Blog und hätte Dich gerne mal persönlich kennen gelernt, wenn Du dich erinnerst. Warum machst du mich jetzt so runter?

      4. Yeti

        Ich stehe nicht an mich offen zu entschuldigen. In der Hitze des Gefechts habe ich zu sehr auf meine Gefühle gehört und vergessen, alles „kühl und vernünftig“ anzugehen.

        Eine kleine Entschuldigung mag sein, dass wir beide offensichtlich sehr unterschiedlich denken und argumentieren, weshalb es mir (und ich nehme an, es geht Dir vice versa ganz ähnlich) äußerst schwer fällt, Deinen Gedankengängen zu folgen.

        Ich werde versuchen, in Zukunft bei meiner Argumentation keine allzu großen Gedankensprünge zu machen sondern immer „little steps“, sodass man folgen kann.

      5. hansarandt Autor

        Ist schon in ordnung, ich habe auch meinen Gefühlen spontan freien lauf gehalten und vielleicht nicht auf die Verhältnismäßigkeit geachtet. Ich fühlte mich einfach nur missverstanden. Ich will mich bemühen ein bisschen mehr auf die Netikette zu achten.

  6. hansarandt Autor

    Es ist immer wieder traurig, dass meine Gegner sich nicht anders zu helfen wissen, als mir niedere Motive zu unterstellen, weil sie ganz offensichtlich keine Argumente mehr haben. Das kann einen Kämpfer auf die Dauer frustrieren.

    Antwort
    1. Yeti

      Hoffentlich betrachtest Du mich nicht wirklich als Gegner – ich kenne Dich persönlich (noch) nicht und habe nicht die geringsten Absichten Dir zu schaden. Jedoch sollten wir uns darauf einigen, ob wir einfach aus Lust am Argumentieren argumentieren (was eigentlich Zeitverschwendung wäre), oder ob es uns um ein Ziel geht.

      Mir persönlich geht es darum, die Relativitätstheorie zu verteidigen (obwohl ich sie noch nicht komplett verstanden habe, wie ich zugebe), und obwohl mir bewußt ist, dass es seit ihrer Entstehung schon wieder neue Entwicklungen in der Physik gegeben hat, die man aber erst nachher beleuchten kann, NACHDEM man die Relativitätstheorie verstanden hat.

      Ich habe letztes Wochenende begonnen, ein Lehrbuch meines ehemaligen Mathematik-Professors zu lesen, das ich bislang nur als Staubfänger herumstehen hatte.

      Hans Jörg Dirschmid
      Tensoren und Felder

      Darin gibt es unter anderem zwei Kapitel über die Relativitätstheorie. Zum Beispiel habe ich schon eine einleuchtende Erklärung für die Formel E=m.c^2 gefunden, und werde bei Gelegenheit darüber bloggen.

      Antwort
      1. hansarandt Autor

        Ich bin gespannt auf den Blog. Ich will kann auch gar nicht beweisen, dass die Relativitätstheorie nicht stimmt, ich glaub sie einfach nicht und meine gute Gründe dafür zu haben, wie jeder andere Atheist und Agnosiker auch. Im aktuellen Fall ging es mir mehr um den Determinismus, den ich kritisiere, den gibt es schon spätestens seit der Aufklärung und schon viel früher auch in der Philosophie und Theologie. Natürlich ist mir klar dass es jeden Menge Dinge gibt, die determiniert sind, nur wollte ich davor warnen, vor lauter Determinismus die menschliche Freiheit zu leugen, was ich für unverantwortlich halte. Ich denke, dass nicht nur der menschliche Wille frei ist, sondern die ganze Evolution auf freien Entscheidungen einzelner Individuen beruht, die in der Summe betrachtet statistisch meßbaren Gesetzen folgen. Das ist ungefähr auch die Position der Quantenmechanik, weshalb auch hans Peter Dürr in dieser Frage ganz auf meiner Seite steht. Einstein mochte diese Lehre nicht als er sagte, Gott würfelt nicht, obwohl seinen Nobelpreis für seine Leistungen in der Quantenphysik erhalten hat und nicht für seine Relativitätstheorie. Wer meint, eine Weltformel finden zu können muss notwendig ein deterministisches Weltbild haben, genauso wie einer, der eine Verantwortungsethik schreibt an den freien Willen glauben muß unabhängig davon ob es das eine oder das andere gibt oder nicht gibt.

      2. Yeti

        Zum Determinismus: auch wenn Einstein das teilweise geleugnet und teilweise noch nicht gewußt haben dürfte.

        Heutzutage kann kein ernsthafter Wissenschaftler mehr am Determinismus festhalten (denke ich jedenfalls). In der Quantentheorie und später noch viel deutlicher in der Chaostheorie wird klar, dass wir (a) niemals die Wirklichkeit dermaßen genau erfassen können, um die gesamte Zukunft zu berechnen und (b) auch durch kleine Änderungen große – prinzipiell unvorhersagbare – Änderungen bewirken können.

      3. hansarandt Autor

        Ich habe das nicht alles verstanden. Ich verstehe nur soviel. Eine mathematische Formel wird zunächst in vielen Schritten immer weiter verkompliziert, um sie dann wieder so wei zu vereinfachen, dass am Schluss dann die gewünschte Formel steht. Nicht verstanden habe ich was das große E in der letzten Zeile herkommt, weil es da zum ersten mal auftaucht.
        Es mag sein, dass die mathematischen Beziehungen zwischen den Größen auf dem Papier alle richtig sind, das kann ich nicht beurteilen. Spannend wird es aber erst, wenn diese Formel, die ja eine Formel der Physik, nicht der formalen Mathematik sein soll, praktisch angewendet wird. Klassischer Weise müsste jetzt ein Experiment durchgeführt werden, dass diesen Zusammen hang in den behaupteten Größenverhälnissen messbar sichtbar machen kann. Das scheint mir bei dieser Formel aber nicht möglich zu sein. Weil die Behauptete Energie, die in einer beliebigen Masse steckt nach dieser Formel erheblich größer sein müsste als die Energieentfaltung die bei der Zündung einer Atombombe entsteht. Mir ist aber nicht bekannt, dass sochlche Einsteinbomben schon mal irgendwo getestetet wurden, die als experimenteller Beweis gelten könnten. somit bleibt auch diese Formel eine Theorie, die experimentell noch nicht bestätigt ist, was die Relativitätstheorie ja von Anfang an schon immer war. Nemen wir mal an, die Bosonen bestätigen die Relativitätstheorie, geschenkt, dann beweisen aber noch lange nicht den messbaren Zusammenhang zwischen Energie und Masse in die in dem Quadrat der Lichtgeschwindikgeit bestehen soll (90.000.000.000). Also in einem Gramm Masse steckt die Energie von neunzig Millarden ja was jetzt. Man müsste die Einheit wissen, wenn wir bei Masse von einem Gramm aus gehen. Welche Energie ist denn überhaupt gemeint, die Energie die ein Gramm Masse einen Meter oder einen Zentimeter vom Boden wegbewegen kann? Keine Ahnung. Um zu beurteieln, was da behauptet wird, müsste man erst mal wissen was da behauptet wird bevor man anfängt zu rechenen. Welche Energieeinhiet soll zur Masseeinheit Gramm equivalent sein und warum?

      4. Yeti

        OK, lass mich in drei Schritten antworten

        1) Ich habe gestern am Abend schon ins Bett wollen, deshalb habe ich die letzten Schritte nur mehr in Worten beschrieben, und nicht mehr als Formeln.

        Tatsächlich ist es so: wenn man die Gleichung (1.8) mit w multipliziert (also das innere Produkt bildet), dann kommt man dahinter, dass auf der linken Seite eine glatte Null steht.

        Daraus ergibt sich, dass dass das Fragezeichen gleich β / c mal dA/dt ist, wobei dA/dt die dem Massenpunkt zugeführte mechanische Leistung ist.

        Das heisst, dass d / d τ (m mal c mal dt / d τ) proportional zu dA / dt ist, und somit folgt die Gleichung

        d/dt (m β c2) = d/dt A

        Wenn man diese Gleichung nach t integriert, kommt man auf die Gleichung E = m &beta: c2 + const.

        Die (beliebige) Konstante const. setzt man gleich Null (man setzt willkürlich fest, dass die gesamte(!) Masse einer Energie entspricht.

        Da immer nur eine Masse delta m in Energie umgesetzt wird, ist es unerheblich, wo man den Nullpunkt setzt.

        2) All das ist eigentlich nur eine Analogiebetrachtung und kein strikter deduktiver Beweis. Die Formel E = m β c2 hat also als „kombinierter Massen- und Energieerhaltungssatz“ in der relativistischen Mechanik genau denselben Charakter eines Naturgesetzes, wie die getrennten Massen- und Energieerhaltungssätze in der klassischen Mechanik

        3) Natürlich bedarf es der experimentellen Bestätigung, sonst wäre das Ganze keine Naturwissenschaft, sondern reine Philosophie 😛

        Lg
        Christoph

      5. Yeti

        Ich habe mir erlaubt, Deinen letzten Kommentar und meine Antwort auch auf mein Blog zu kopieren, da ich galube, dass die Diskussion auch meine Leser interessiert.

        Solltest Du einen Einwand dagegen habe, werde ich es auf meinem Blog wieder löschen.

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