Geschichten vom Krieg

Als ich am Samstag nach dem Anschlag in Paris in meinem Bäckerladen stand und die Zeitschriftenauslage sah, stand auf allen Blättern in großen Lettern die Worte Krieg und Terror. Der Focus titelte sogar: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ in Anführungszeichen und darunter ein großes Doch!

Ich dachte, es ist wieder soweit, es wird zum Kreuzzug der vermeintlich Anständigen, gegen den Islam aufgerufen. Auch ein neuer Russlandfeldzug ist wieder im Angebot der „Freien Presse“.

Ich bin mit den Folgen des letzten Russlandfeldzuges aufgewachsen, der schon der dritte war, nach Napoleon und dem 1. Weltkrieg.

Von meinen Eltern habe ich gelernt: Nie wieder Krieg!

In der Schule wurde mir beigebracht, dass mein Vater möglicher Weise ein Kriegsverbrecher war.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich aus dem Film „Musikbox“ mit Jessica Lange und Marius Müller Stahl kam.

Marius Müller Stahl mit seinen unglaublich blauen Augen wurde verdächtigt, ein KZ-Wächter gewesen zu sein und Menschen gefoltert und ermordet zu haben.

Er ist in dem Film ein sympathischer Opa, der sich rührend um sein fünfjähriges Enkelkind kümmert.

Er schwört bei seinem Leben, dass eine Verwechslung vorliege und er das nicht gemacht habe. Seine Tochter, Jessica Lange, glaubt ihm zunächst. Am Ende des Filmes holt sie eine Musikbox in einem Pfandleihaus in Prag ab, weil sie einen Leihschein bei Ihrem Vater gefunden hat.

In der Musikbox befinden sich Fotos, die ihr Vater dort versteckt hatte, die seine Schuld eindeutig belegen.

Mir war ganz schlecht als ich aus dem Film kam. Nur eins konnte mich trösten. Mein Vater war zu jung damals. Er war nur die letzten Kriegstage beim Volksturm als die Russen schon an der Oder standen.

Der Film transportierte, dass auch der netteste und liebevollste Opa durchaus ein Kriegsverbrecher gewesen sein könnte.

Meine Abneigung gegen die Krieg und die Liebe zu meinen Eltern habe ich behalten. Während des Studiums haben wir gegen die „NATO-Nachrüstung“ demonstriert.

Später bin ich gegen den ersten und zweiten Irakkrieg auf die Straße gegangen. Die SPD des Bundeskanzlers Schmidt war für mich nicht mehr wählbar.

Ich habe dann die Grünen gewählt, weil sie anfänglich eine pazifistische Partei war. Ich erinnere mich noch, wie groß meine Wut und Enttäuschung war, als ausgerechnet der erste grüne Außenminister, Joschka Fischer, auch die ersten Bombenflugzeuge nach 1945 in ein fremdes Land geschickt hat. Ich habe ihm das bis heute nicht verziehen. Der Propagandafeldzug, der diesen Angriffskrieg begleitet hat, war beispiellos in der Europäischen Geschichte nach 1945.

Das, was sich zur Zeit in unseren Medien abspielt, erinnert mich auf fatale Weise an 1913. Ich sehe und höre nur noch Kriegspropaganda und Kriegspredigten von unserem Pastor der Freiheit, der Bundespräsident geworden ist.

Wahrscheinlich sollen wir stolz sein, dass der nächste Krieg womöglich von einer Bundeskanzlerin und einer Verteidigungsministerin geführt wird.

Sicher findet sich hinter dem Ural auch eine unterdrückte Minderheit, die darauf wartet, von den Allierten befreit zu werden. Zur Not können das auch wieder die Moslems sein, wie damals im Kosovo.

Wir werden dann den vierten und gleichzeitig den ersten gendergerechten Russlandfeldzug seit der Französischen Revolution erleben müssen.

Gebe Gott, dass das uns und unseren Kindern erspart bleibt. Unsere Eltern und Großeltern hatten nicht das Glück.

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