Jugendbeschimpfung

Liebe Jugend,

Ihr werdet Euch fragen, was haben wir denn gemacht? Warum will uns dieser Blogger jetzt beschimpfen? Ich kann Euch trösten, ihr habt nichts gemacht aber das ist gerade das Problem.

Wie nennt ihr das Nichts machen? Chillen!

Ihr chillt durchschnittlich zwei bis vier Stunden täglich vor dem Fernseher. Oft läuft der Computer gleichzeitig, damit man auf dem Laufenden bleibt, ob sich auf Facebook etwas tut und auf Eurem Hany piept ständig ein neuer Post von Whatsapp.

Falls das auch noch zu langweilig ist, kann man ja außerdem noch zur selben Zeit stundenlang mit der besten Freundin telefonieren.

Als ich so alt war wie ihr, hatten wir noch keinen Fernseher. Und stundenlange Telefongespräche waren viel zu teuer.

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, wie ich diese schlimme Zeit überhaupt überleben konnte. Ich werde es euch sagen: In jedem Bezirk unserer Stadt gab es eine Stadtteilbücherei, die man zu Fuß erreichen konnte. Und die hatten Bücher, da waren sogar Bilder drin.

Ich hab mich dann für solche Bücher interessiert wie: Das Leben der Indianer oder Abenteuer Forschung. Die Mädchen gingen weiter, die haben sogar Bücher ausgeliehen, in denen keine Bilder waren und sie haben diese Bücher dann auch gelesen.

Nun weiß ich, dass ihr alle auch Bücher habt. Die haben Eure Lehrer Euch aufgedrückt und die sind stinklangweilig.

Jetzt habe ich aber gehört, dass der Trend eindeutig in Richtung Vielfalt geht. Selbst Jugendliche haben mittlerweile neben ihren Schulbüchern noch ein weiters Buch.

Und jetzt gibt es Hausaufgaben für Euch. Ich würde gerne wissen, welches Buch das ist. Manche Lehrer verlangen von ihren Schülern, dass sie ein Buch, das sie gelesen haben, mit in den Unterricht bringen und den Inhalt dann ihren Mitschülern vorstellen.

Es soll eine ganze Reihe Schüler gegeben haben, die jetzt das erste Mal in ihrem Leben einen Buchladen von innen gesehen haben, weil sie dieses Zweitbuch noch nicht hatten, sondern erst einmal besorgen mussten.

Ihr werdet es vielleicht nicht glauben: Wer viele Bücher liest, ist hinterher schlauer als vorher.

Wer dagegen viel Fernsehen schaut wird nicht nur nicht schlauer sondern, wenn er es übertreibt, kann er sogar krank davon werden: Bewegungsmangel, Übergewicht, Konzentrationsstörungen sind die Folge.

Nehmen wir mal an, ihr seid alle noch gesund, das heißt ihr schaut grundsätzlich nie mehr als zwei bis vier Stunden Fernsehen täglich, wie die anderen auch.

Jetzt kann man nicht einfach irgendwas gucken. Schließlich will man mitreden am anderen Morgen in der Schule. Es gibt also ein gewisses Pflichtprogramm:

Mädchen sollten sich für Heidi Klum und die Topmodels interessieren und absolut unverzichtbar ist DSDS Deutschland sucht den Superstar.

Es ist noch nicht lange her, dass eine Autogrammstunde von DSDS nicht, wie erwartet 5000 Teenager angezogen hat, sondern 20.000. In der Folge brach eine Massenpanik aus, die leicht zu einem zweiten Düsburg hätte werden können.

Und warum wollen da alle dabei sein oder mitmachen? Es ist der Traum von der ganz großen Nummer, der Traum ganz groß raus zu kommen. eben Superstar zu werden. Und da befindet ihr euch in guter Gesellschaft.

Dieter Bohlen hätte jetzt gesagt, ihr müsst euch einsetzten und durchsetzten und durchboxen, dann schafft ihr das auch. Je frecher und exzentrischer ihr dabei rüberkommt, desto eher werdet ihr auch Erfolg haben.

Ihr werdet jetzt die Augen verdrehen, wenn ich sage: Früher war das anders.

Hätte man in meiner 10. Klasse eine Umfrage  zu unseren Zukunftsplänen gemacht, dann hätte man folgende Antworten erhalten:

Was willst du einmal werden?

Antwort: Weiß nicht

Was willst du einmal machen?

Die Welt verändern.

Ich denke, die beiden Antworten würden heute wie folgt ausfallen:

Was willst du einmal machen?

Antwort: weiß nicht.

Was willst du einmal werden?

Antwort: reich und berühmt.

Früher wollten die Menschen noch in den Himmel kommen. Dazu musste man sich moralisch möglichst untadelig verhalten. Heute reicht es den Menschen, wenn sie ins Fernsehen kommen, und da darf man nicht zimperlich sein.

Wer sich aber über solche Sachen Gedanken machen will, und jetzt sind wir wieder am Anfang: der kommt nicht umhin Bücher zu lesen. Das mag mühsam sein, aber ich verspreche Euch, wenn man erst mal ein Buch gelesen hat, dann geht es beim nächsten schon viel schneller und besser.

Es stimmt wirklich: Man ist hinterher wirklich schlauer als vorher.

Gel, das ist gemein von mir, aber das musste einfach mal gesagt werden!

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4 Gedanken zu „Jugendbeschimpfung

  1. Egotheist

    Das ist so ähnlich wie mit den Muslimen und Homosexuellen, über die es eine Reihe an Vorurteilen gibt, weil man nie Kontakt mit ihnen hatte. Aber super Pauschalisierung. Ich bin vor einer Woche 16 Jahre alt geworden und so gut wie nichts, von dem, was du geschrieben hast, trifft auf mich oder auf meine Freunde zu.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Erst mal herzlichen Glückwunsch, dass es bei Dir und Deinen Freunden nicht so ist. Das freut mich ehrlich. Wenn es so wäre, würdest Du ja auch meinen Blog nicht lesen.
      Allerdings ist Dein Kommentar mit den „Homosexuellen und Muslimen“ selbst ein Vorurteil. Ich habe beruflich und privat regelmäßig mit Jugendlichen zu tun, und weiß, wovon ich rede. Ich habe diesen Vortrag ursprünglich live gehalten vor Jugendlichen.
      Es sind auch nicht nur Jugendliche, die sich so verhalten wie ich es „pauschaliere“. Ich kenne nicht wenige Menschen meiner Generation, die ihren Geist auch auf die SMS-Whatsapp Kapazität von maximal 256 Zeichen plus Selfi runter gekühlt haben.
      Mir fällt in diesem Zusammenhang noch ein Kalauer ein:
      Bevor du ein anderes Land bereist, hast du Vorurteile. Hinterher weißt du warum.

      Antwort
      1. Egotheist

        Mir war nicht bekannt, dass du aus Erfahrung sprichst. Ich bitte um Verzeihung.
        Aber es ist mir eben aufgefallen, dass du in deinem Text auch eine Menschengruppe pauschalisierst und damit habe ich eben so meine Probleme, vor allem, wenn ich dazu gehöre.
        Welchen Beruf gehst du nach? Das würde mich interessieren.
        Man sollte sich durchlesen, was Sokrates, Aristoteles und Platon zur Jugend geschrieben haben. Das Verhalten scheint ein generelles Phänomen zu sein, nur dass es in der Antike keine Fernseher gab.

      2. hansarandt Autor

        Mein Beruf bleibt mein Geheimnis, sorry aber meine Jugend ist vorbei, was ich freimütig zugebe. Die Jugend ist dem Alter gegenüber auch nicht immer frei von „Pauschalierungen“ (trau keinem über dreißig) und der Respekt gegenüber dem Alter hat auch eher nachgelassen als zugenommen. Dass die alten Griechen dieselben Probleme mit ihrer Jugend hatten ist mir wohl bekannt.
        Das mit den „Pauschalierungen“ ist so eine Sache. Sicher trifft nie alles auf jeden zu und Ausnahmen bestätigen die Regel.
        Andererseits ist es auch wahr, dass wir unseren Alltag auf Vorurteilen aufbauen müssen und auch gar nicht anders können. Zum Beispiel auf das Vorurteil, dass der Boden, auf den wir treten, halten wird. Um überhaupt etwas zu begreifen müssen wir es kategorisieren und verallgemeinern.
        Zum Beispiel ist die Behauptung, dort steht ein Baum, eine Verallgemeinerung. Der Begriff Baum ist das Allgemeinste, was wir über einen Baum sagen können, neben den unzähligen Eigenschaften, die er sonst noch hat, wie aus Holz zu bestehen, Blätter oder Nadeln zu haben usw.

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