Der Wille zur Macht

Fritzchen:  Ist Gott tot?

Georg: Irgendwie schon.

Fritzchen:  Wie irgendwie?

Georg: Na, irgendwie auch wieder nicht.

Fritzchen:  Ja was jetzt?

Georg: Irgendwie ist er tot und irgendwie ist er nicht tot.

Fritzchen:  Was ist denn das jetzt für ein Blödsinn? Entweder ist er tot oder er ist nicht tot. Das ist wie mit der Schwangerschaft.

Georg: Mit der Schwangerschaft?

Fritzchen:  Ja entweder ist eine Frau schwanger oder sie ist nicht schwanger, ein bisschen oder irgendwie schwanger und irgendwie nicht schwanger….

Georg: So einfach ist das aber nicht.

Fritzchen:  So sind sie, die Erwachsenen, die müssen immer alles so kompliziert machen, wo es doch ganz einfach ist.

Georg: Na, in der Bibel steht zum Beispiel….

Fritzchen:  Die Bibel? Ist das dieses Buch wo immerfort von Gott die Rede ist?

Georg: Genau, du hast sogar neulich eine in der Hand gehabt

Fritzchen:  In der Hand gehabt?

Georg: Ja in dem Hotelzimmer, weißt du nicht mehr?

Fritzchen:  In welchem Hotelzimmer?

Georg: Da wo wir in Bayern im Urlaub waren, da lag so ein Buch in der Nachtischschublade.

Fritzchen:  Stimmt, das sah irgendwie alt aus aber auch wieder neu, so als ob es noch nie jemand in der Hand gehabt hätte

Georg: Siehst du, sowas gibt es: So irgendwie alt und doch wieder neu, so irgendwie tot aber doch irgendwie lebendig.

Fritzchen:  Ja, ja, irgendwie blöd und irgendwie saublöd.

Georg: Wie auch immer. In dieser Bibel steht jedenfalls, dass Gott irgendwie tot ist.

Fritzchen:  Was? Ich habe immer gedacht, das mit dem Gott ist tot, das ist von diesem N…? …ach der mit dem riesigen Schnurrbart und den buschigen Augenbrauen, diesem….N……, es fällt mir zum verrecken nicht ein.

Georg: Du meinst sicher Nitzsche.

Fritzchen:  Genau, das ist doch der mit den Untermenschen.

Georg: Nein.

Fritzchen:  Nein?

Georg: Das ist der mit dem Übermenschen.

Fritzchen:  Ist doch egal, wenn es Übermenschen gibt, gibt´s doch auch Untermenschen.

Georg: Nein, Nitzsche hat gesagt, der Mensch ist aufgespannt zwischen dem Tier und dem Übermenschen.

Fritzchen:  Na, dann also doch Untermenschen, Tiere sind doch sowas wie Untermenschen.

Georg: Nein, wieso denn das jetzt?

Fritzchen:  Na in dieser Bibel, da steht doch ganz vorne auf der ersten Seite, dass die Menschen sich die Tiere unter… hach wie heißt das noch? Die in der Bibel haben immer so altmodische Worte….unter?….

Georg: Untertan!

Fritzchen:  Genau, untertan, das war es. Das hat doch der Nitzsche gesagt, dass die Menschen, die an Gott glauben so einen Untertanengeist haben, so eine, hach wie hat er das gesagt…., so eine Sklavenmoral haben.

Georg: Genau, das hat er gesagt.

Fritzchen:  Eben, und davon sollen sich die Menschen befreien, sie sollen ihre Herren abschaffen und ihren Gott töten, und dann werden sie zum Übermenschen.

Georg: Nicht gleich…

Fritzchen:  Aber später!

Georg: Später auch nicht.

Fritzchen:  Später auch nicht?

Georg: Das mit der Sklavenmoral ist nur vorgeschoben.

Fritzchen:  Nur vorgeschoben?

Georg: Hinter der Sklavenmoral versteckt sich die Macht.

Fritzchen:  ..Versteckt sich die Macht?

Georg: Ja dahinter versteckt sich der Wille zur Macht.

Fritzchen:  Wer hat denn das jetzt gesagt?

Georg: Nitzsche hat das gesagt.

Fritzchen:  Echt?

Georg: Wenn ich dir es doch sage.

Fritzchen:  Aber jetzt, wo Gott doch tot ist, ist doch auch der Wille zur Macht tot und wir können das vergessen.

Georg: Irgendwie ist aber der Wille zur Macht so lebendig, wie eh und je.

Fritzchen:  Jetzt fang nicht wieder damit an, irgendwie und irgendwie auch nicht. Du willst mich nur schwindelig reden, bis ich nicht mehr weiß, was falsch und was richtig ist. Du willst mich manipulieren.

Georg: Siehst Du.

Fritzchen:  Was sehe ich, ich sehe gar nichts.

Georg: Irgendwie ist der Wille zur Macht so lebendig wie eh und je.

Fritzchen: Und das mit der Bibel, wo stehet da, dass Gott tot ist?

Georg: Da können wir ja ein ander Mal drüber reden.

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2 Gedanken zu „Der Wille zur Macht

  1. Phil Eidos

    Ich mag diesen kleinen Dialog, auch, wenn mir nicht 100%ig klar ist, was Deine Intention dabei ist 🙂

    Und zum Willen zur Macht bei Nietzsche: Dieser Wille liegt bei Nietzsche ja nicht nur der Sklavenmoral zugrunde, sondern allem Lebendigen insgesamt, oder?

    Leben ist „Wille zur Macht“. Die größten Lügner sind bei Nietzsche nur eben die Vertreter einer Sklavenmoral, da sie damit den Willen zur Macht versteckt vollziehen, anstatt ihn offen auszufechten. So glaube ich es verstanden zu haben.

    Auch das (philosophische) Streben nach Erkenntnis kann man somit als „Willen zur Macht“ begreifen, weil man durch das Erkennen (und „Begreifen“) geistige Macht über alle Gegenstände erlangen will.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Das Schöne an den Dialogen ist, dass auch ich vorher nicht genau weiß, was hinten dabei raus kommt und oft bleiben die wesentlichen Fragen offen und deswegen geht der Dialog auch „undendlich weiter.“
      Spannend sind nur die offenen Fragen. Die geschlossenen Fragen sind etwas für den Führerschein und die Schulmedizinprüfung.
      Und dann gibt es noch die prinzipiell unentscheidbaren Fragen, wie die, ob Gott tot ist oder ob es einen Willen zur Macht gibt.
      Nur diese Fragen können wir frei und eigenverantwortlich selbst entscheiden!
      https://hansarandt.wordpress.com/2015/03/09/das-heinz-von-foerster-theorem-der-verantwortung/
      Bei Nietzsche kenne ich mich nur sehr wenig aus.
      Wenn er meint, dass unsere Welt so sein sollte, wie er sie beschriebt, dann wäre seine Philosophie tatsächlich eine totalitäre Ideologie.
      Wenn er aber die Welt nur beschreiben will, wie sie ist, dann hat er wahrscheinlich recht.

      Antwort

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