Die Zeiten ändern sich

Wer sich ständig damit beschäftigt, was in den letzten achtundvierzig Stunden so Wichtiges geschehen ist, dass es den Weg in die Massenmedien gefunden hat, verliert den Überblick.

Er regt sich über das auf, worüber sich alle aufregen und er befürchtet das, was alle befürchten und er ist gegen das, wogegen alle sind.

Gleichzeitig ist er felsenfest davon überzeugt, er habe sich eine eigene Meinung gebildet und wisse dies oder das schon lange und habe es eigentlich schon immer gewusst.

Dabei entgeht dem aufmerksamen Beobachter der Tagespolitik, dass die Zeiten sich ändern.

Dinge, die heute selbstverständlich sind, waren noch vor kurzem undenkbar und galten geradezu als absurd. Anderes, was unlängst noch normal war, gilt heute als extrem und umgekehrt gilt das, was gestern noch als abartig angesehen wurde, heute als normal.

Wer 2005 behauptet hat, die Banken wären willens und fähig mit krimineller Energie ganze Volkwirtschaften an den Rand des Abgrundes zu treiben, wurde wegen dieser kruden Theorie belächelt oder Schlimmeres. Heute weiß man, dass es stimmt und ist sich sicher, man habe das schon immer gewusst.

Wer vor einigen Jahren behauptet hätte, der Führungsstaat der freien Welt, würde foltern und wöchentlich mehrere Menschen und ganze Menschengruppen mit ferngesteuerten Kampfmaschinen ohne Gerichtsverhandlung und Urteil einfach liquidieren lassen und wir würden in Deutschland von amerikanischen Geheimdiensten total überwacht, wäre als Kryptokommunist mit  antiamerikanischen Wahnvorstellungen abgestempelt worden.

Heute sagt der amerikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger:

„Ja, so ist es, und das ist gut so!“

Der achtundvierzig Stunden Nachrichten Konsument sagt sich:

„Na und, ich habe nichts zu verbergen.“

Wer heute darauf hinweist, dass in einer Demokratie die Mehrheit drüber bestimmt, wo es lang geht, gilt mittlerweile als radikal.

Damit erfüllt sich eine Prophezeihung, die George Orwell bereits 1948 für 1984 vorausgesagt hat:

Alle werden abgehört und Videoüberwacht, der Kriegsminister bekommt den Friedensnobelpreis und die Folterberichte handeln von den selbsternannten Verteidigern der Menschenrechte.

Der achtundvierzig Stunden Nachrichten Konsument merkt nicht, dass die Zeiten sich ändern, sondern glaubt, er habe es immer schon gewusst. Und hinterher wird er wieder sagen, dass er von alle dem nichts gewusst habe.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Die Zeiten ändern sich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s