Widersprüche

Der Widerspruch gehört zu den heiligsten Kategorien des Kommunismus.

Marx, konstatierte den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit. Die Geschichte konzipierte er zu einer Geschichte der Klassenkämpfe und das ersehnte Ziel war die klassenlose Gesellschaft.

Auch mich und viele andere meiner Generation hat diese Lehre stark angezogen. Wir gingen auf die Straße und träumten von der Weltrevolution blieben aber bei Licht besehen eine kleine Minderheit.

Die Arbeiterklasse, die wir von ihrer Ausbeutung durch das Kapital befreien wollten, schloss sich der Bewegung der selbst ernannten studentischen Avantgarde nicht an.

Auch gut gemeinte Versuche von Aktivisten, die Betriebsräte großer Automobilkonzerne und die Gewerkschaften zu unterwandern waren von keinem nennenswerten Erfolg gekrönt.

Die neue linke Avantgarde musste sich auf ihrem „Marsch durch die Institutionen“ andere Objekte der „Befreiung“ suchen. Da die Mehrheit nicht zur Verfügung stand, verlegte man sich auf eine Vielzahl von Minderheiten.

Zu den neuen Objekten der Befreiung wurden nun alle, die aus welchen Gründen auch immer den Status einer Minderheit für sich in Anspruch nehmen konnten: Zum Beispiel auf Grund einer abweichende Herkunft, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung.

Der Begriff der Diskriminierung wurde erfunden und die „politisch Korrekte“ Sprache eingeführt.

Die in den Spitzenpositionen unserer Gesellschaft angekommenen Ex-Marxisten gerieren sich nun als Tugendwächter der ausgefallenen Revolution.

Mit ständig neuen Gesetzen und Interventionen ihrer vielfältigen Lobbygruppen drangsalieren sie ihre Zeitgenossen und verfolgen Andersdenkende mit Verleumdungen und zunehmend auch wieder juristisch.

Der Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit hat sich bei ihnen zu einem verinnerlichten Selbstwiderspruch gewandelt.

So ist ein altlinker multikulturell gesinnter Intelektueller fest davon überzeugt, dass ein Deutscher, der seiner Tochter verbietet, einen Muslim zu ehelichen, als Islamophob und rassistisch zu gelten hat, während man umgekehrt für einen Moslem, der seiner Tochter verbietet einen deutschen Atheisten zu heiraten, Verständnis haben muss,weil er seine Kultur pflegt.

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7 Gedanken zu „Widersprüche

  1. Muriel

    … und sicher können Sie dann mühelos ein Beispiel für einen solchen Intellektuellen herzeigen, der uns das bestätigt, oder? Es darf sich natürlich meinetwegen auch gerne um eine weibliche Intellektuelle oder jemand nicht binär Identifizierendes handeln.

    Antwort
    1. Muriel

      Ja, nee, ich meinte, kennen Sie denn einen einzigen Menschen, der tatsächlich vertritt, was Sie hier tapfer kritisieren, oder sind Sie damit zufrieden, Pappkameraden zu verdreschen, die Sie selbst gebaut haben?

      Antwort
      1. hansarandt Autor

        Da Sie nach einem real existierenden Beispiel für die von mir kritisierte Doppelmoral gefragt haben, will ich Ihnen eines liefern.
        Sybille Mattfeldt-Kloth hat in der von Frauenrechtlerinnen herbei gezwungenen Wiederholung der Sendung „Hart aber fair – nieder mit dem Ampelmännchen“ Sophia Thomalla auf eine Weise herabgewürdigt, die, hätte ein Mann in derselben Weise abfällig über Frau Thomalla gesprochen, das Zeug für eine neue Sexismusdebatte gehabt hätte. (In der Sendung vom 8.9.2015 ab Minute 36.
        Auch dieses Mal ist der „Genderwahnsinn“ nicht besser weggekommen als vor der Zensur in der Videothek der ARD.
        Ich frage mich, wie oft die Sendung noch wiederholt werden muss, bis Frau Mattfeldt-Kloth und ihre Mitstreiterinnen zufrieden sind.

    1. hansarandt Autor

      Ich hätte da noch zwei Beispiele für innere Widersprüche, nach denen Sie nicht gefragt haben.
      Warum werden auf den Posten der „Gleichstellungsbeauftragten“ fast ausschließlich Frauen berufen?
      Warum sind die VerfechterInnen des Genderismus, die fest daran glauben, das Geschlecht und die sexuelle Orientierung eines Menschen seien sozial konstruiert, gleichzeitig selbst davon überzeugt, die Homosexualität sei eine Veranlagung, also genetisch bestimmt.
      Und noch eine Frage zu meinen „Pappkameraden“. Wollen sie im Ernst behaupten, dass die Rolle die Rolle der Frau im Islam mit dem, was wir unter Emanzipation verstehen, kompatibel ist?
      Natürlich äußert niemand diesen inneren Widerspruch in einem Satz. Die Forderung nach Toleranz anderen Kulturen gegenüber, auch wenn sie das Verhältnis zwischen Mann und Frau betreffen, wird oft von den gleichen ProtagonistInnen erhoben, die in Genderfragen besonders gnadenlos sind. Mit einer dieser „PappkameradInnen“ bin ich sogar persönlich verwandt.

      Antwort

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