Auf der Grenze

Nachdem der Fall der innerdeutschen Grenze und der innereuropäischen Grenzen ausführlich bejubelt worden ist, wird heute zunehmend auch wieder der Ruf nach Grenzen und Grenzkontrollen laut.

Besonders laut erschallt dieser Ruf an der Südgrenze unserer Republik, in Bayern. „Die CSU und Horst Seehofer wollen die Grenzen dicht machen“, so titelten die Tageszeitungen in den vergangenen Wochen.

Unsere Kanzlerin hält dagegen und sagt: „Es gibt keine Obergrenze“ bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Es ist an der Zeit, einmal über Grenzen ganz grundsätzlich nachzudenken:

Ist eine Welt ohne Grenzen nicht geradezu die Voraussetzung für den Frieden?

Bestand der Krieg nicht immer gerade darin, eine Grenze zu überschreiten, zum Beispiel die Grenze zwischen Deutschland und Belgien im Ersten- und im Zweiten Weltkrieg?

Aus Erbfeinden, so heißt es, seien Freunde geworden, was die deutsch-französische Freundschaft beweise.

Kriege werden aber nicht allein von außen geführt durch den Einmarsch einer fremden Armee sondern zunehmend auch von innen. Der Arabische Frühling, unzählige „Farbenrevolutionen“, und der Bürgerkrieg in Syrien sind ein beredtes Beispiel dafür.

Revolutionen sind Kriege, die von innen heraus geführt werden. Das Trojanische Pferd und der Zug, mit dem Lenin durch den deutschen Geheimdienst nach Russland gebracht wurde, sind historische Beispiele dafür.

Was lernen wir daraus? Das nicht Vorhandensein einer Grenze schützt nicht vor Krieg und Gewalt.

Ist es nicht die Schweiz, die bis heute auf ihrer Grenze und ihrer Neutralität und Unabhängigkeit beharrt, die seit über 150 Jahren von Kriegen verschont geblieben ist?

Der Iran zum Beispiel hat seit über 300 Jahren kein anderes Land mehr angegriffen.

Waren es nicht gerade die Militärbündnisse, die 1914 aus einem lokalen Konflikt einen Weltkrieg gemacht haben?

Grenzen führen nicht automatisch zum Krieg, sie können aber helfen ihn zu verhindern.

Grenzen sind die natürlichste und notwendigste Sache der Welt:

Nehmen wir unseren Körper. Die Haut ist die Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt. Sie umhüllt unseren Körper, hilft ihn zusammenzuhalten und ist eine hochsensible, schmerzempfindliche und verletzliche Barriere dar.

Hinter der Grenze wirkt ein weiterer Schutzmechanismus, unsere Immunabwehr. Sie wirkt ähnlich wie der Bundesgrenzschutz. Eindringende Mikroorganismen werden genauestens kontrolliert und gegebenenfalls abgewehrt.

Nehmen wir unsere zweite Haut, unsere private Wohnung. Sie hat klar umrissene Grenzen und Öffnungen, die Fenster, die den Zuzug von frischer Luft und das gewollte Eindringen von Licht ermöglichen, und die Außentür, über die wir selbst die Wohnung betreten und durch die Besucher herein- oder nicht hereingelassen werden.

Staubsauger-Vertreter, die Zeugen Jehovas und die Mormonen müssen in der Regel draußen bleiben. Familienangehörige und gute Freunde  hingegen werden hereingebeten.

Jede Abschlusstür ist mit einer Klingel ausgestattet und ggf. mit einer Wechselsprechanlage, durch die der Besucher sein Begehren äußert und entweder hereingebeten oder nicht herein gebeten wird.

Um den rein privaten Bereich gruppieren sich die öffentlichen Räume und deren Grenzen: Die Kommune, der Kreis, das Land und die Bundesrepublik Deutschland, unser Staat.

Auch die Grenzen zwischen diesen Bereichen, sind zum Teil durchlässig und zum Teil undurchlässig. Gäbe es die Grenzen zwischen Bund, Land, Kreis und Kommune nicht, könnte man auf diese Gebilde auch gleich ganz verzichten. Alles könnte im Bund oder noch besser in Europa oder warum nicht gleich einheitlich für die ganze Welt geregelt werden.

Genauso wie es unnatürlich und Gesundheitsschädlich wäre, wenn man die Körpergrenzen abschaffen wollte, ist es undemokratisch, die Staatsgrenzen zwischen den Ländern abschaffen zu wollen.

Die Demokratie ist vom Begriff her, die Herrschaft des Volkes. Ein Volk kann aber nur herrschen, wenn klar ist, wer zum Volk dazugehört und wer nicht. Bestimmte Menschen haben das Wahlrecht für einen bestimmten Bereich.

Die Menschen dürfen nur ihre eigene Regierung wählen, nicht die eines anderen Volkes oder anderen Landes. Eine demokratische Wahl macht nur Sinn, wenn der Souverän bekannt ist, der darüber bestimmen kann, wer an die Regierung kommt. Nur eine gewählte Regierung eines Staates hat das Recht in diesem Staat Gesetzte zu erlassen und ihre Durchsetzung notfalls sogar mit Gewalt zu erzwingen. Das ist das Wesen eines jeden demokratischen Staates.

Der demokratische Staat lebt davon, dass er klare geographische und gesetzliche Grenzen hat.

Mit der Globalisierung wurde eine unnatürliche und undemokratische Entwicklung in Gang gesetzt. Gesetze werden jetzt schon zum weitaus überwiegenden Teil in Brüssel ausgearbeitet und beschlossen, von Menschen, die wir nie gewählt haben. Hierzulande werden diese Gesetze nur noch durch gewunken.

Besonders wichtige Gesetzesinitiativen werden von hoch höherer Warte aus gesteuert. Die Genderagenda zum Beispiel wird zur Zeit mit ungeheurem Auffand weltweit vorangetrieben. Als Vehikel dienen die UN und viele NGO´s.

Das TTIP, das zur Zeit verhandelt wird, sieht vor, dass globale Konzerne jede beliebige Regierung dazu zwingen kann, Gesetzesinitiativen fallen zu lassen, wenn sie den Interessen dieser Konzerne zuwider läuft. Die Staaten werden auf diese Weise erpressbar, wenn sie es nicht ohnehin schon sind.

TTIP ist die Organisierte Kriminalität in Gesetzesform.

Wenn Staaten global agierende Konzerne nicht mehr in ihre Schranken weisen können, dann ist das Ende der Demokratie nahe herbei gekommen.

Jan Uwe Rogge hat einige bemerkenswerte pädagogische Bücher zum Thema: „Kinder brauchen Grenzen“ geschrieben.

Wir Erwachsenen brauchen diese Grenzen auch, wenn wir nicht im Chaos der freien Wildbahn versinken wollen, wo nur noch das Recht des Stärkeren gilt

Willkommen im grenzenlosen Niemandsland des real existierenden Raubtierkapitalismus des Einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s