Die Wahrheit, die Freiheit und…

Selbst wenn alles unterginge, so blieben aber doch diese drei:

Die Wahrheit, die Freiheit und, das wird jetzt viele verwundern, Gott. Der oder die größte aber ist Gott.

Eingeweihte erkennen hier ein Zitat aus 1. Kor. 13,13

Wenden wir uns zunächst dem Genderaspekt zu: Da sowohl die Wahrheit als auch die Freiheit weiblich ist, plädiere ich dafür, dass wenigstens Gott Männlich gedacht wird um wenigstens einen Hauch von Geschlechterproportz zu wahren.

Warum sollen diese Drei ausgerechnet wichtiger sein als alles andere?

Sie sind nicht deshalb wichtig, weil sie besser, schöner oder größer wären als zum Beispiel der Glaube, die Hoffnung und die Liebe.

Das besondere an diesen drei Begriffen ist, dass sie unhintergehbar sind.

Es gibt zwar ernst zu nehmende Versuche, die Wahrheit abzuschaffen. Es gäbe unendlich viele verschiedene Wahrheiten, die kulturell oder anders bedingt sein können, so wird argumentiert. Die Wahrheiten seien deshalb immer nur relative, niemals aber absolute Wahrheiten.

Wir können uns aber dem allgemeinen Begriff der Wahrheit nicht entziehen. Jedes Computerprogramm arbeitet mit Algorithmen, die ausschließlich in jedem Schritt eine Entscheidung fällen ob eine gegebene Frage mit dem Wahrheitswert 0 oder 1 richtig oder falsch bewertet wird.

Auch die Behauptung alle Wahrheiten seien relativ, nimmt für sich in Anspruch, selbst wahr zu sein.

Jede Aussage, die  „wissenschaftlich  überprüfbar“ sein soll, unterwirft sich dem Urteil, als wahr oder falsch zu gelten, sonst wäre sie keine „wissenschaftliche“ Aussage.

Kommen wir zur Freiheit:

Gerne wird behauptet, man habe zum Beispiel in einer Diktatur keine Freiheit und sei deshalb auch nicht verantwortlich für das, was man tue, selbst wenn es Folter oder Mord ist. Befehlsnotstand wird reklamiert.

Es gibt ungefähr 1001 Möglichkeiten die eigene Verantwortung zu leugnen, die bekannteste und erfolgreichste ist die, sich selbst zu belügen.

Wer die Freiheit leugnet, leugnet jegliche Moral und Ethik. Nur ein freies Individuum kann Verantwortung tragen und dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Es gibt nur die Möglichkeit sich aus der Verantwortung zu stehlen, durch Lügen, Drogen oder Suizid.

Aber selbst, wer sich für eine dieser drei Fluchtmöglichkeiten entscheidet, bleibt ein Individuum, das eine Entscheidung getroffen hat und ist daher frei.

Und wie ist das jetzt mit Gott?

Ist der nicht tot, wie Nitzsche einst sagte, oder hat der jemals gelebt außer in den Vorstellungen seiner Gläubigen, wie Feuerbach meinte.

Es heißt, Gott sei allmächtig, allwissend und allgütig. Ist das nicht in Wirklichkeit eine Allmachtsphantasie einer Priesterkaste, die meint über alles Bescheid zu wissen und sich als globaler Wohltäter aufspielt?

Sollten wir nicht endlich aufhören mit diesen überkommenen Vorstellungen die Menschheit dumm zu halten?

Ich meine, Gott ist so unverzichtbar, wie die Wahrheit und die Freiheit. Bisher haben alle, die meinten, sie könnten eine Welt ohne Gott konstruieren, selbst etwas anderes an seine Stelle gesetzt, dem sie die gleichen Fähigkeiten andichteten, die vormals noch Gott zugedacht waren.

Man nennt das auch Fetischismus, wie das der Philosoph Markus Gabriel sehr treffend herausgearbeitet hat. Die Menschen neigen seit Urzeiten dazu, sich Götter selbst herzustellen, die sie dann anbeten, als seien es selbständige Größen.

Im Alten Testament wird das zutreffend mit Götzendienst bezeichnet. Bei der Anbetung der Götzenbilder, die man selbst hergestellt hat, wiederholt sich das, was ich im Zusammenhang mit der Wahrheit schon gezeigt habe: Der Selbstbetrug.

Betrachtet man zum Beispiel den Marxismus, so kann man feststellen, dass er nahezu alle Züge einer Weltreligion trägt: Die Verheißung eines kommenden Reiches, eine unhintergehbare Analyse der Geschichte als eine Geschichte der Klassenkämpfe, quasi eine Heilsgeschichte und eine Lehre von der Sünde, die sich unter dem Begriff der „Entfremdung“ versteckt. Einer der Päpste dieser Religion, Lenin, ist in einem Mausoleum in Moskau aufgebahrt, wie ein Pharao im alten Ägypten.

Nicht anders verhält es sich mit der Religion des Geldes, wie sie zur Zeit als neue Heilslehre um den Globus zieht. Es handelt sich dabei um nichts anderes als um den Tanz um das Goldene Kalb, von dem schon das Buch Exodus berichtet.

Die Götter dieser Religion heißen Geld, Zins, Wachstum und Rendite und man ist bereit, ihnen alles und jeden zu opfern. Die ersten und größten Opfer sind in der Regel die Wahrheit und die Freiheit.

Mittlerweile ist die ganze Welt vom großen Geld abhängig ohne dieser Wahrheit ins Auge sehen zu wollen.

Nun haben aber die Begriffe Wahrheit, Freiheit und Gott auch positive Konnotationen.

Wer im Dienst der Wahrheit steht, wird diese Zusammenhänge verstehen und aufdecken.

Wer im Dienst der Freiheit steht, ist nicht länger bereit dies alles hinzunehmen.

Und wer sich entschlossen hat, ein Diener Gottes zu sein, der weiß, dass es neben der Allmacht und der Allwissenheit Gottes auch seine Allbarmherzigkeit und Allgüte gibt.

Gott steht nicht nur für die Macht und das Wissen sondern auch für das Mitgefühl, einer auch menschlichen Eigenschaft, die Nitzsche am liebsten abgeschafft hätte.

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Ein Gedanke zu „Die Wahrheit, die Freiheit und…

  1. Yeti

    Ich finde es erfrischend, wie Du aus dem Zitat, das sich ja eigentlich auf Glaube, Hoffnung und Liebe bezieht, dann auf Wahrheit, Freiheit und Gott schwenkst.

    Und tatsächlich hat Wahrheit viel mit Glauben zu tun. Wenn wir jemandem glauben, dann vertrauen wir darauf, dass er Wahrheit spricht, ja, dass er Wahrheit IST.

    Wenn wir hoffen können, dann nur aufgrund der Freiheit. Die Menschen, die keine Optionen, keine Freiheiten, mehr haben, sind tatsächlich in der Depression, die das Gegenteil ist von Hoffnung.

    Und im Johannesbrief wird es wortwörtlich ausgesprochen, wenn auch nur verschämt in einem Nebensatz: Gott ist die Liebe. Diese gewaltige Wahrheit, die der Inbegriff ist aller unserer Hoffnung, kann gar nicht ernst genug geflüstert werden.

    Meint
    Euer Christoph

    Antwort

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