Gesunde Geschäfte

Immer wieder höre ich, die Abgeordneten seinen stolz darauf, dass sie den „geschäftsmäßigen“ Umgang mit der Sterbehilfe verboten hätten.

Das glatte Gegenteil ist richtig.

Die Behandlung eines Sterbenden von der ersten Diagnose bis zur Rechnungslegung des Bestatters und dem Vertrag für die Grabpflege ist grundsätzlich immer und zu jedem Zeitpunkt ein außergewöhnlich gutes Geschäft.

In der Wochenzeitung die Zeit war zum Beispiel zu lesen, dass die Gesundheitskosten für einen sterbenden Krebspatienten im letzten Lebensjahr ca. zwanzig Mal so hoch sind wie im Vorletzten oder anders ausgedrückt so hoch, wie in den 20 Jahren davor zusammengenommen.

Wenn das kein gensundes Geschäft ist.

Das neue Gesetz, das von einer Abgeordnetengruppe um Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD) eingebracht wurde, sorgt dafür, dass auch in Zukunft diesen lukrativen Geschäften nichts im Wege steht.

Ein Gast aus Indien, der bei mir vor einigen Jahren zu Besuch war, sagte auf die Frage, was ihm an Deutschland und Europa nicht gefallen habe:

„Ich bin entsetzt darüber, dass man die Menschen hier nicht sterben lässt.“

In der Tat werden hierzulande sehr viele und sehr teure Operationen unmittelbar vor dem Tod durchgeführt.

Nach dem neuen Gesetz kann sich ein Arzt nun auch strafbar machen, wenn er sich derartiger Geschäftemacherei verweigert.

Genau aus diesem Grund beschweren sich auch viele Mediziner, dass sie nun einen Staatsanwalt zur Seite gestellt bekommen, der darüber wachen soll, ob auch weiterhin genügend Geschäfte gemacht werden.

Ganz unabhängig von dieser Geschäftemacherei bin ich der Meinung, dass die derzeitige Diskussion um die Sterbehilfe dem Versuch zur Wiedereinführung der Euthanasie gleich kommt, wie sie in Holland, Belgien und der Schweiz bereits weitgehend und immer weitgehender vollzogen wird.

Ebenso wichtig, wie der Schutz des Lebens, ist aber auch das humane Sterben.

Schon immer war ich ein Gegner lebensverlängernder Maßnahmen, die das Sterben nur hinauszögern um den Gewinn der „Gesundheits“-Industrie „geschäftsmäßig“ zu maximieren.

Ich und meine Eltern haben aus diesem Grund eine Patientenverfügung, die das ausschließen soll. Bleibt zu hoffen, dass der Arzt, der gemäß dieser Verfügung handelt, sich nicht nach dem neuen Gesetz strafbar macht.

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Ein Gedanke zu „Gesunde Geschäfte

  1. Pingback: Gesunde Geschäfte | dragan11

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