Bitte keine Fragen stellen

Bei REWE an der Kasse bekomme ich seit einiger Zeit immer Fragen gestellt.

Es begann mit der Frage nach den Treuepunkten und der Frage ob ich diese kleinen Bildchen für die Kinder mitnehmen wollte.

Da ich kein Briefmarkensammler bin, interessiere ich mich nicht für Treuepunkte. Die Bildchen für die Kinder nahm ich manchmal mit, um sie den nächstbesten Kindern am Ausgang zu schenken. Meine eigenen Kinder sind mittlerweile zu groß für kleine Bildchen.

Dann kam die Frage, ob ich Geld abheben möchte. Mit dieser Neuerung war ich sehr zufrieden. Ich konnte mir den Gang zum Geldautomaten sparen und ich durfte nach dem Einkauf mit mehr Bargeld nach Hause gehen als ich mitgebracht hatte, ein schönes, wenn auch trügerisches Gefühl.

Doch die Fragerei nahm kein Ende. Ob ich eine Paybackkarte habe, wollte die freundliche Verkäuferin wissen. Was ist denn das schon wieder? Ist das sowas wie Treuepunkte?

An Weihnachten wurde man gefragt ob man für einen Euro eine Schokolade für einen Guten Zweck mitnehmen will. Ich wollte nicht.

Nun kommt die Frage, ob ich für fünf Euro eine Tüte Lebensmittel für die Armen Tafel spenden will.

Auch das will ich nicht. Es ist eine Schande, dass es Einrichtungen  wie die Armen Tafel überhaupt geben muss. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Erde. Warum leben hier so viele Menschen in Armut?

In Amerika, dem reichsten Land der Erde, sind 40 Millionen Menschen auf Lebensmittelkarten angewiesen. Das sind Zahlen, wie wir sie nur aus dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit kennen.

Es gibt ja Menschen, die behaupten, in der DDR war nicht alles schlecht. In einem Punkt haben sie recht. Dort gab es ein in der Verfassung garantiertes Recht auf Arbeit und es hatte tatsächlich jeder, der arbeiten konnte und wollte, einen Job.

Die Arbeit war wesentlich stressfreier als die Arbeit, die heute im wiedervereinigten Deutschland angeboten wird. In den seltensten Fällen reicht der Lohn, um eine Familie zu ernähren, wie das in der alten Bundesrepublik noch selbstverständlich war.

Das stimmt vielleicht, aber, so wird eingewandt, die DDR sei doch eine Diktatur und ein Überwachungsstaat gewesen. Das ist richtig.

Aber werden wir nicht mittlerweile von der NSA über Facebook, Google, Whatsapp, Videocameras und GPS in einer Weise überwacht, wie es die ehemalige Staatsicherheit in DDR nicht zu träumen gewagt hätte?

Und sind die Wahlen in unserem Land nicht auch zu einer Farce verkommen, da sich die etablierten Parteien in allen wichtigen Fragen, zum Beispiel der über Krieg und Frieden, verhalten wie die Blockparteien im SED-Staat?

Ist das vielleicht einer der Gründe, warum bei der Europawahl 2014 nur noch 43 % überhaupt zur Wahl gingen.

Ich mag diese Fragerei an der Supermarktkasse nicht mehr und überlege, ob ich mir nicht in Zukunft ein Schild um den Hals hängen soll mit dem Titel: Bitte keine Fragen stellen.

Ich denke auch den freundlichen Frauen an der Supermarktkasse käme das sehr entgegen, die womöglich demnächst einen Logopäden aufsuchen müssen, weil sie sich den Mund mit den immer gleichen Fragen fusselig reden mussten.

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Ein Gedanke zu „Bitte keine Fragen stellen

  1. Chantao

    Bei der Frage nach den Treuepunkten versichere ich stets, dass ich auch so treuer Stammkunde bin, was Umstehende oft zum Schmunzeln bringt und eigentlich auch mein Ziel ist; bei der Tafel (wo ich selbst mal mit getafelt habe als Ehrenamtlicher musste ich erkennen, dass andere Helfer sich vor den wahrhaft Bedürftigen schon bereicherten …. Manche Fragen sind in meinem Bewußtsein einfach nur Hintergrundgebrabbel, wo ich weiß, dass es von alleine aufhört. Nur so, um eigene Erfahrungen zu rebloggen 😉

    Antwort

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