Jahresrückblick 2015

Auf das Jahr 2015 möchte ich am liebsten gar nicht zurückblicken, weil ich dort Dinge anschauen müsste, die ich lieber nicht sehen wollte.

Ich habe Angst davor, wie eine bekannte Figur aus der Mythologie, die einmal zurückgesehen hat, obwohl sie es nicht sollte, und dann, als sie sich doch umwandte, für immer erstarrt ist.

Ich meine die Frau Lots, eines Neffen Abrahams, die zu einer Salzsäule erstarrt sein soll, als sie auf die im Feuer untergehenden Städte Sodom und Gomorra zurückblickte.

Wenn ich auf das Jahr 2015 zurückblicke sehe ich auch eine immer größer werdende Zahl von Brandherden, die sich zu einem neuen großen Weltenbrand vereinigen könnten, der alles und jeden in den Abgrund reißt.

Es begann mit einer Selbstverbrennung in Tunesien. Der Tod von Mohamed Boazizi war der Startschuss für den so genannten Arabischen Frühling.

Diese Bewegung hat aber den Mittelmeerraum nicht in blühende Landschaften verwandelt, wie es sich viele versprochen haben, sondern hat in vielen Ländern Trümmerfelder hinterlassen und eine ganze Region in ein nicht enden wollendes Chaos gestürzt.

Im Augenblick erleben wir, wie dieses Feuer auf Europa übergreift.

Im Zurückliegenden Jahr ist es auch in Europa zu Terroranschlägen gekommen.

Diese Anschläge sind zusätzlicher Zündstoff ein einer Gemengelage, die immer brisanter zu werden droht.

Die Anschläge von Paris waren der Auslöser für die Beteiligung Frankreichs und auch für die Beteiligung der Bundesrepublik am Krieg in Syrien.

Ich mag es nicht, wenn es heißt, „wir sind Charlie Hebdo“ oder „wir sind Paris“ .

Mich erinnert das an die denkwürdigen Worte des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II, der bei Kriegseintritt 2014 in einer berühmten Rede gesagt hat: „Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche.“

Das Brandenburger Tor und andere berühmte Gebäude und Millionen von Gesichtern auf Facebook wurden in die Farben der französischen Nationalflagge getaucht.

Wenn alle die gleiche Fahne hochziehen, bedeutet das selten etwas Gutes. Meistens ist es die Kriegsflagge. Und in diesem Fall ist es ganz sicher die Kriegsflagge.

Noch stehen wir am Rande dieser großen Feuersbrunst, so wie einst die Frau Lots, die wie angewurzelt auf die untergehenden Städte Sodom und Gomorra zurückblickt.

Weil sie zurückblickt, ereilt sie das gleiche Schicksal wie die Stadt selbst. Sie verliert ihr Leben, sie erstarrt zu einer Salzsäule.

Sie erstarrt nicht deshalb, weil sie zurückblickt, sondern weil sie bei dem Blick zurück verharrt.

Lot selbst blickt nach vorne und entkommt dem Schicksal, das seine Frau und die untergehende Stadt Sodom ereilt.

Oft ist es so, dass man das Unheil kommen sehen kann. Manche bemerken es früher und andere später.

Niemand kann die Monsterwellen eines Tsunami aufhalten. Nur einigen wenigen gelingt es vielleicht sich rechtzeitig auf eine Anhöhe zu retten und so die Sturmflut zu überleben.

Wir können das Schicksal nicht aufhalten. Wir können eine brennende Stadt so wenig vor ihrem Untergang retten, wie die Küste Thailands oder Japans vor dem Tsunami.

Wohl aber können wir eine Entscheidung treffen.

Wir können uns dafür entscheiden, ausschließlich zurück zu blicken und unser Schicksal zu beklagen oder wir entscheiden uns dafür Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und für unser Handeln.

Mutter Theresa soll einmal von einem Journalisen gefragt worden sein:

Sie haben das Elend in Kalkutta aus nächster Nähe gesehen:

Was meinen sie, wie sollte sich die Welt ändern?

Ihre Antwort war:

Sie können sich ändern und ich kann mich ändern.

 

 

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