Alles ist relativ

Fritzchen: Alles ist relativ!

Georg: Auf einmal doch? Du hast doch immer gegen diesen Einstein gewettert und behauptet, dass das alles Quatsch sei, mit der Relativitätstheorie.

Fritzchen: Hab ich das?

Georg: Ja hast Du! Zum Beispiel in unserem Gespräch zum Thema Einstein.

Fritzchen: Es ist aber nicht alles Quatsch, was Einstein gesagt hat.

Georg: So? und was zum Beispiel?

Fritzchen: Die Behauptung, dass alles relativ ist, das stimmt.

Georg: Da bin ich aber mal gespannt.

Fritzchen: Zum Beispiel die Behauptung, dass jede Beobachtung vom Beobachter abhängt und deshalb niemals „objektiv“ sein kann.

Georg: Ist denn die Relativitätstheorie keine objektive Wissenschaft?

Fritzchen: Natürlich nicht! Sie kann ja nur relativ sein, wie Einstein schließlich selber sagt.

Georg: Das verstehe ich jetzt aber nicht.

Fritzchen: Ich gebe dir mal ein Beispiel.

Georg: Ein Beispiel?

Fritzchen: Ja, zum Beispiel die Küste Englands.

Georg: Die Küste Englands?

Fritzchen: Ja, wie lang die Küste Englands ist, hängt nicht von der Küste Englands ab, sondern vom Beobachter.

Georg: Ist doch Quatsch!

Fritzchen: Ist kein Quatsch. Es gibt eine Messung, da ist die Küste Englands mit allen Ausbuchtungen ca. 12.000 Kilometer lang und eine andere Messung ergibt 16.000 Kilometer.

Georg: Dann ist eine von den Messungen falsch.

Fritzchen: Nein, beide sind richtig. Es kommt auf den Beobachter an.

Georg: Wie, es kommt auf den  Beobachter an?

Fritzchen: Es kommt darauf an, wie genau man hinschaut.

Georg: Hä?

Fritzchen: Ja es kommt auf den Maßstab an.

Georg: Auf den Maßstab?

Fritzchen: Wenn du jede Ausbuchtung in der Küstenlinie in die Berechnung mit einbeziehst, kommt es darauf an, wie genau du hinschaust.

Georg: Verstehe ich nicht.

Fritzchen: Wenn du genauer hinschaust und auch kleinere Einbuchtungen und Vorsprünge mit einbeziehst, wird die Küstenlinie immer länger.

Georg: Ja, wenn man das so sieht.

Fritzchen: Wenn Du mit dem Mikroskop drauf schaust, wird die Küste immer länger, je höher die Auflösung des Mikroskops ist.

Georg: Du bist aber wieder spitzfindig.

Fritzchen: Außerdem kann man mit dem bloßen Auge schon feststellen, dass sich die Länge der Küstenlinie mit jedem Wellenschlag ändert.

Georg: Ja, bei der Küstenlinie von England mag das stimmen, aber die Entfernung zwischen zwei Punkten ist immer gleich.

Fritzchen: Ist sie nicht.

Georg: Warum nicht?

Fritzchen: Weil es in Wirklichkeit keine Entfernung zwischen zwei Punkten gibt.

Georg: Quatsch, die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade, das ist Mathematik. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Fritzchen: Es gibt aber in Wirklichkeit weder einen Punkt noch gibt es eine Gerade.

Georg: Jetzt mach aber mal halblang.

Fritzchen: Ein Punkt ist eine gedachte Größe, die unendlich klein ist.

Georg: Und?

Fritzchen: Eine Gerade ist eine gedachte Linie zwischen zwei Punkten.

Georg: Aber das habe ich doch eben gesagt.

Fritzchen: Punkte sind aber gedachte Punkte und Geraden sind gedachte Linien, die es in der Wirklichkeit so nicht gibt.

Georg: Gibt es wohl.

Fritzchen: Nein, in der Wirklichkeit ist alles irgendwie krumm und nichts kann so klein sein, wie ein gedachter Punkt. In der Natur kommen auch keine Quadrate, Würfel, Zylinder oder Pyramiden vor. Die gibt es nur in der Geometrie.

Georg: Aber dafür ist die Geometrie eines Quadrates absolut.

Fritzchen: Das ist richtig.

Georg: Dann ist also doch nicht alles relativ.

Fritzchen: Nein, die Gedanken können natürlich absolut sein, aber nur die Gedanken.

Georg: Na bitte, also gibt es doch etwas Absolutes, die Gedanken!

Fritzchen: Nein, die auch nicht, denn es kommt auch hier wieder auf den Beobachter an.

Georg: Den Beobachter?

Fritzchen: Der eine findet die Gedanken eines anderen absolut, der andere findet sie relativ, je nachdem wie er das sieht.

Georg: Aber eine Sache ist doch absolut und nicht relativ.

Fritzchen: Und welche soll das sein?

Georg: Die Behauptung, alles sei relativ.

Fritzchen: Wieso?

Georg: Ja, wenn einer sagt alles sei relativ, ganz ohne jede Ausnahme, dann ist diese Behauptung selbst absolut.

Fritzchen: Ja, das ist wie immer, die Katze beißt sich eben in den Schwanz.

Georg: Ja, genau, und diese Behauptung ist auch wieder absolut.

Fritzchen: Da muss ich dir recht geben.

Georg: Also ist doch nicht alles relativ.

Fritzchen: Schade eigentlich. Die Sache mit dem Astronauten, der langsamer alt wird als sein Zwillingsbruder habe ich eh nie geglaubt. Aber ich dachte immer, mit der Behauptung, alles sei relativ, hätte Einstein wenigstens recht.

Georg: Hat er offensichtlich nicht.

Fritzchen: Schade, ich hätte es ihm gegönnt.

 

 

 

 

 

 

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