Sklaverei ist konstitutiv für jede Zivilisation

Kommerzielle Ökonomien versklaven bereits seit vielen tausend Jahren Menschen aus humanen Ökonomien.

Diese Praxis ist so alt wie die Zivilisation. Meine Frage lautet: Inwiefern ist sie konstitutiv für die Zivilisation?

Ich spreche hier nicht von der Sklaverei im strengen Sinn sondern von dem Prozess, der Menschen aus dem Netz wechselseitiger Verpflichtungen einer gemeinsamen Geschichte und kollektiver Verantwortlichkeit herauslöst, das ihnen Identität verleiht.

Herausgelöst aus diesem Netz sind sie austauschbar. Das heißt es wird möglich, sie der Logik der Schuldverhältnisse zu unterwerfen.

Die Sklaverei ist nur der logische Endpunkt, die extremste Form einer solchen Herauslösung. Aber deshalb ermöglicht sie uns einen Blick auf den Vorgang insgesamt, mehr noch, wegen ihrer Rolle in der Geschichte hat die Sklaverei unsere Grundannahmen und Institutionen in einer Weise geprägt, die wir vergessen haben.

Und wären wir uns dieses Einflusses bewusst, würden wir uns wohl weigern, ihn anzuerkennen.

Wir sind zu einer Schuldengesellschaft geworden, weil das Erbe von Krieg, Eroberung und Sklaverei nie ganz verschwunden ist.

Es ist immer noch da, verborgen in unseren tiefsten Überzeugungen von Ehre Eigentum sogar von Freiheit.

Wir sehen nur einfach nicht mehr, dass dieses Erbe weiterlebt. Im nächsten Kapitel beginne ich zu schildern, wie es dazu kam…..

David Graeber

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s