Eine Frage der Geistlosigkeit

Der katholische Missionar Maurice Lenhardt, der viele Jahre in Neukaledonien das Evangelium gepredigt hatte, fragte einen seiner Schüler, einen betagten Bildhauer namens Beosu, welche Gedanken durch das herangeführt werden an spirituelle Ideen in ihm ausgelöst wurden.

„Ich wollte herausfinden, welche geistigen Fortschritte die „Kanacken“ erzielt hatten, die ich schon so viele Jahre unterrichtete, und stellte ihm eines Tages folgende Frage: „Nun was bedeutet es für euch, dass wir die Vorstellung, dass es einen Geist gibt, in eure Art zu denken eingeführt haben?“

Er widersprach: „den Geist? Von wegen, ihr habt uns nicht den Geist gebracht. Wir wussten schon vorher, dass es einen Geist gibt. Wir haben schon immer im Einklang mit dem Geist gehandelt. Ihr habt uns vielmehr den Körper gebracht.“

Die Vorstellung der Mensch habe eine Seele, war für Beosu selbstverständlich.

Die Vorstellung, es gebe einen menschlichen Körper, also etwas, was von der Seele getrennt war, eine rein materielle Ansammlung von Nervensträngen und Gewebe und darüber hinaus, der Körper sei das Gefängnis der Seele, die Sterblichkeit des Körpers stelle einen Weg dar die Seele zu verherrlichen oder sie zu befreien, all dies, so zeigte sich, war für den Alten vollkommen neu und fremdartig.

Eine solche Begegnung enthüllt uns, dass das Wesen unserer Gedanken fast das Gegenteil von dem ist, was wir uns darunter vorstellen.

David Graeber

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