Eine kurze Geschichte der Religion

Im Christentum pflegt man vom dreieinigen Gott zu sprechen, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Gelegentlich verstand man in der Kirchengeschichte darunter auch Gott, den Vater, die heilige Jungfrau und Mutter Maria und das Jesuskind.

Aus logischen Überlegungen heraus schlage ich vor, statt dessen von dem dreiwertigen Gott zu sprechen.

Betrachten wir zunächst die zweiwertige Logik: Entweder es gibt Gott, oder es gibt ihn nicht.

In der Religionsgeschichte war man zunächst der Auffassung, dass es viele gleichwertige, höherwertige und niederwertige Götter gäbe. Das nennt man Polytheismus. Diese Auffassung ist für indigene Religionen in der Geschichte und heute typisch. Auch im Hinduismus wird diese Auffassung nach wie vor vertreten.

Die Fragestellung, ob es Gott oder die Götter überhaupt gibt, war noch nicht erfunden.

Historisch jünger sind die monotheistischen Religionen wie zum Beispiel im alten Ägypten, im Judentum und darauf fußend im Christentum und im Islam.

Sie glauben, dass es nur einen Gott gäbe. Warum eigentlich?

Ich denke man hat mit dieser Lehre viele Menschen unter einen Hut bzw. unter eine Herrschaft bringen wollen: ein Volk, ein Reich, ein Gott, ein Führer.

Der ägyptische König hat sich höchst selbst als Gott verehren lassen und der Papst war nur scheinbar bescheidener, als er sich zum Stellvertreter Gottes erklärte und heute, um seine große Bescheidenheit besonders herauszustellen, mit einer abgewetzten Aktentasche in einem gewöhnlichen Kleinwagen umherfährt und sich dabei filmen lässt).

Auch Mohamed hat genauso wie später Johannes Calvin in Genf alle Seitenaltäre in der Kaaba bzw. in der Stadtkirche in Genf zerstören lassen um einzig und allein den Koran bzw. die Bibel ins Zentrum der religiösen Vorstellung zu heben.

Die Lehre von dem einen Gott ist auf bestimmte Weise nichts anderes als die Lehre von der einen Macht, die alles bestimmen und sich global durchsetzen will. Die Geschichte des Christentums und die Geschichte des Islams haben das mehr als deutlich gemacht.

Heute ist die Geschichte der westlichen Zivilisation mit ihrem Anspruch auf globale Vorherrschaft in diese Fußstapfen getreten.

Irgendwann begann man die Existenz Gottes überhaupt zu bezweifeln. Das beginnt schon im Alten Testament, das die Existenz anderer Götter bestreitet. Alle Götter sind nur Götzen, nichts als selbstgefertigte Skulpturen aus Ton oder Stein ohne jede Macht und ohne jeden Einfluss auf die Geschichte. Die einzige Ausnahme, so meinten die Israeliten, sei der eigene, unsichtbare Gott des Judentums.

In der sogenannten Aufklärung vor einigen hundert Jahren waren es logische und später sogenannte wissenschaftliche Argumente, die ins Feld geführt wurden, um die Existenz Gottes zu bestreiten.

Immanuel Kant widerlegte alle Gottesbeweise, die Thomas von Aquin im Mittelalter aufgestellt hatte und der Darwinismus tat ein Übriges, um die Lehre vom Schöpfergott zu zerstören.

Der Philosoph Ludwig Feuerbach war es schließlich, der in seinem 1841 erschienen Werk „Das Wesen des Christentums“ die These aufstellte, nicht Gott habe den Menschen zu seinem Bilde geschaffen, wie die Bibel behauptet, sondern es sei genau umgekehrt, der Mensch habe in seiner Einbildung Gott erschaffen.

Betrachten wir das ganze durch die Brille der zweiwertigen aristotelischen Logik, dann kann es Gott nur entweder geben oder nicht geben bzw. entweder hat Gott die Menschen erschaffen oder die Menschen haben sich so etwas wie einen Gott zusammenphantasiert.

Ich schlage vor, über diesen scheinbaren Widerspruch hinauszugehen und die Frage nach der Existenz Gottes durch die Brille der dreiwertigen Logik zu betrachten:

Kaum zu bestreiten ist, dass nahezu überall in der Geschichte der Menschheit auch religiöse Phänomene und Gottesvorstellungen anzutreffen sind.

In statistischen Kategorien ausgedrückt, finden wir eine überzufällige Korrelation zwischen Zivilisation und Religion. Das lässt zwei Interpretationsmöglichkeiten zu:

Entweder ist der Mensch die Ursache für Gott bzw. die Gottesvorstellung, wie Feuerbach behauptet, oder Gott ist ursächlich für die Entstehung der Menschen, wie es die die Schöpfungstheologie nahelegt.

Die zweiwertige Logik lässt nach dem Satz des ausgeschlossenen Dritten keine andere Möglichkeit zu.

In der dreiwertigen Logik ist aber auch die Variante denkbar, dass sowohl das eine, als auch andere stimmen könnte.

In der Physik wäre das die Interpretation, dass sowohl das eine die Ursache für das andere sein kann als auch umgekehrt.

Man nennt das Wechselwirkung oder auch Rückkopplung, die in einer Unzahl von Schaltkreisen in der Elektronik eine zentrale Rolle spielt. Klassische Beispiele dafür sind die Wirkungsweise eines Thermostates in der Heizung oder einer Einspritzpumpe in einem Kraftfahrzeug.

Hegel würde sagen, die Wahrheit ist das Ganze. Sowohl das eine stimmt, wie auch das andere.

Die enge Verknüpfung zwischen Mensch und Religion zeigt sich unter anderem darin, dass Tiere offensichtlich keine Religion haben. Jedenfalls ist mir nichts derartiges bekannt.

Weiter wird behauptet, nur der Mensch habe so etwas wie ein Selbstbewusstsein. Nur der Mensch kann eine Position einnehmen, in der er sich quasi von außen selbst betrachtet.

Diese Fähigkeit zum Perspektivwechsel ist symbolisch dargestellt in der Gottesvorstellung.  Ein geistiges Wesen außerhalb meiner selbst wird imaginiert mit dem ich in Kontakt treten kann.

Es ist wie mit einem Spiegel. Mit Hilfe eines Spiegels kann ich mich selbst betrachten. Nur der Mensch ist, soweit ich weiß, in der Lage sich selbst zu erkennen, wenn er sich in einem Spiegel sieht.

Ein Hund zum Beispiel, so wird erzählt, der einen Knochen im Maul hat, und sein Spiegelbild in einem See wahrnimmt, schnappt nach dem Knochen des vermeintlich anderen Hundes und verliert auf diese Weise auch seinen eigenen.

In der dreiwertigen Logik stimmt sowohl der Satz, dass es Gott gibt, als auch dass es ihn nicht gibt. Es kommt darauf an, von welcher Seite aus man es betrachtet.

Gott erkennt sich selbst im Menschen wieder und umgekehrt der Mensch sich selbst in Gott. Beide, Gott und Mensch sind Ursache und Wirkung in einem.

Man kann glauben, in der Geschichte das fortgesetzte Eingreifen Gottes zu erkennen, wie es zum Beispiel im Alten Testament behauptet wird oder man führt die Gottesvorstellungen in der Religionsgeschichte auf die Habsucht und die Machtansprüche des Menschen zurück, wie es der Marxismus tut.

Interessant finde ich, dass der Marxismus zum Beispiel unbeschadet aller expliziten Religionskritik, implizit nahezu alle Mythen des Christentums und anderer Religionen widerholt.

Auch der Marxismus hat ein geschlossenes Erklärungsmodell für die Weltgeschichte, auch im Marxismus gibt es ein Paradies, die klassenlose Gesellschaft, auch im Marxismus ist dieses Ziel nur erreichbar durch einen apokalyptischen Endkampf, die Revolution, auch im Marxismus sollen sich alle der einen Partei und ihrem Führer unterwerfen wie unter den einen Gott. Im Leninmausoleum in Moskau wird die einbalsamierte Leiche des ersten Revolutionsführers verehrt wie einst der gottgleiche Pharao.

Alles was man den Religionen vorzuwerfen pflegt, scheint sich unter den neuen atheistischen Machthabern zu widerholen.

Man kann es aber auch positiv betrachten. Wie gesagt, es kommt auf den relativen Standpunkt an, wie Einstein sagen würde:

Denken wir wieder an den Hund und den Spiegel.

Stellen wir uns ein Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt vor, das unzählige Spiegelbilder hervorruft.

Ein Hund, der seinem Herrn in dieses Spiegelkabinett folgt, ihn dort findet und mit dem Schwanz wedelt, wird unzählige andere Hunde entdecken, die auch mit dem Schwanz wedeln und sich um so mehr freuen.

Verfolgt der Hund aber einen Fremden, der ihm gerade seinen Knochen abgenommen hat, wird er im Spiegelkabinett auf eine Armee von anderen Hunden treffen, die ihn anbellen, die Zähne fletschen und ihn ganz offensichtlich angreifen wollen.

Wohl dem Menschen, der erkennt, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Es könnte aber auch sein, dass des Rätsels Lösung erst in der vierwertigen Logik zu begreifen ist.

Weder die zweiwertige Logik mit der Frage nach dem entweder oder, noch die dreiwertige Logik mit der Beahuptung des sowohl als auch sondern erst die vierwertige Logik, die behauptet, das weder das eine noch das andere stimmt, kann das Problem lösen.

Dazu müsste man die Selbstreflexion des Menschen um eine Stufe überschreiten und diese selbst ihrerseits von einer äußeren, vielleicht außerirdischen? Perspektive aus betrachten.

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu „Eine kurze Geschichte der Religion

  1. Pingback: Von Ursache und Wirkung…… | Christophs Blog

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