Normale Hierarchien

Wir behaupten gern, andere Gesellschaften hätten unnatürliche und lächerliche Hierarchien, während unsere Hierarchie natürlich gerecht sei.

So haben wir inzwischen gelernt, dass keine Rasse einer anderen überlegen ist und entrüsten uns über Gesetze, die es Angehörigen einer bestimmten ethnischen Gruppe verbieten in den selben Stadtteilen zu leben, ihre Kinder an die selben Schulen zu schicken oder dieselben Krankenhäuser aufzusuchen wie die übrigen.

Doch die Hierarchie zwischen arm und reich, die es Reichen erlaubt, in vornehmeren Stadtteilen zu leben, ihre Kinder auf bessere Schulen zu schicken oder modernere Krankenhäuser aufzusuchen wie Arme, scheint uns vollkommen normal.

Und das obwohl die meisten Reichen nur deshalb reich sind, weil sie in eine reiche Familie hinein geboren wurden und die meisten Armen nur deshalb ein Leben lang arm bleiben, weil sie aus einer armen Familie stammen.

Man vergisst leicht, dass auch die Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung selbst wie selbstverständlich Sklavenhalter und Rassisten waren, die gerade einen erfolgreichen Völkermord an den Ureinwohnern eines ganzen Kontinents hinter sich gebracht hatten.

Diese Einsicht entstammt einem Buch, das ich gerade mit großem Interesse lese. Dort finden sich auch Thesen wie diese:

Die Schrift erzeugt Schubladendenken und verhindert die ganzheitliche freie Assoziation, die für das menschliche Denken typisch ist.

Die kognitive Revolution vor ca. 30.000 Jahren, bringt die Fähigkeit hervor über Dinge zu kommunizieren, die es nicht gibt. Das befähigt die Menschen dazu, Gruppen von mehr als hundertfünfzig Individuen zu organisieren. Es entstehen Religionen, Staaten und Imperien.

Nicht nur die Religionen fußen auf erfunden Geschichten, unser Rechtssystem, die Erklärung der Menschenrechte, die Firma Peugot und jede andere Aktiengesellschaft tut es auch.

Die Landwirtschaftliche Revolution vor 10.000 Jahren hat aus ursprünglich freien Jägern und Sammlern Sklaven ihrer eigenen Produktionsweise gemacht.

Man könnte auch sagen, nicht der Mensch hat den Weizen sondern der Weizen hat den Menschen domestiziert.

Der Weizen ist zum Gewinner der Evolution geworden, indem er sich über weite Teile der Erde verbreitet hat. Die Menschen hat er dazu gezwungen sich seinen Bedürfnissen unterzuordnen, ihn zu bewässern, ihn zu düngen und jegliche Schädlinge von ihm fern zu halten. Der Mensch ist gezwungen, in kleinen Hütten wie in Käfigen zu leben, um für den Weizen da zu sein. Der Weizen selbst blüht, reift und vermehrt sich dank der ihm dienenden Menschen in der freien Natur.

Nicht der Weizen, der Mensch wurde domesdiziert

 

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6 Gedanken zu „Normale Hierarchien

  1. Kardinal Novize Igor

    Interessanter Text!

    Aber impliziert die Annahme, dass die Religionen nur aus Schriften entstanden seien, nicht die Prämisse des Atheismus?

    Mir scheint, dass heute suggeriert werden soll, der Atheismus sei das „natürliche“, die Religion das künstliche.

    Dass aber gerade die afrikanischen Urvölker prinzipiell religiös sind (ohne Schrifttum), scheint für das Gegenteil zu sprechen.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      So war das nicht gemeint. Der Atheismus ist genauso wenig natürlich wie die Religionen. Im gegenteil, der Buddhismus ist eine Religion und kommt auch ohne Gott aus. Die Religion genauso wie der Athheismus ist untrennbar mit dem menschlichen Geist verbunden. Auch der Kommunismus, der sich selbst als atheistisch verstehet, ist voller Mythen, die einer Religion zum Verwechseln ähnlich sind. Auch der Liberalismus ist eine Religion. so ungefähr sieht das der Autor des Buches, eine kurze Geschichte der Menschheit, und in diesem Punkt kann ich seinen Gedanken folgen.

      Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    Ja, das sehe ich genau so!

    Nur nebenbei: Auch das urban-linke (Stichwort: Bobo) ist gerade dabei, sich seine Ersatzreligion aufzubauen…..
    LG KNI

    Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    Bobo: „bourgiose Bohemeiens“ früher hätte man vielleicht gesagt: Salonlinke: jedem Modetrend sklavisch folgend, äußerlich wie meinungstechnisch; im Moment gerade die mit den Vollbärten und den Umhängetaschen. Generation facebook: Plakativ und nur solange differenziert, so lange es schick ist. (Auch googeln unter „Hipster“!)

    LG KNI

    Antwort

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