Wie das Leben ist

„Der Gott des Alten Testamentes ist, das kann man mit Fug und Recht behaupten, die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur. Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf, ein kleinlicher ungerechter Überwachungsfanatiker, ein rachsüchtiger, blutrünstiger, ethnischer Säuberer, ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinder- und völkermordender, ekeliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launischer und bösartiger Tyrann.“

So leidenschaftlich beschreibt der bekannte Atheist Richard Dawkins in seinem Buch, „Der Gotteswahn“, den Gott des Alten Testamentes.

Wer dieses Buch wirklich gelesen hat, wird all dies auf erschreckende Weise bestätigt finden. Unter normalen Umständen verbietet es sich von selbst einer solchen Gestalt, einem solchen Charakter noch etwas Gutes abgewinnen zu wollen. Versuchen wir es trotzdem:

Zugegeben er liebt sein Volk, und gelegentlich lässt er sogar Gnade vor Recht ergehen und immer wieder ist auch von seiner Barmherzigkeit die Rede.

Der Gott des Alten Testamentes ist nicht der allmächtige, allwissende, allgütige und allgerechte Gott, für den ihn viele halten.

Der Gott des Alten Testamentes ist eine Figur, die sich im Laufe eines Dramas entwickelt:

Am Anfang lässt er sich völlig unwissend auf das Experiment ein, einen Menschen zu erschaffen, der ihm nahezu gleich ist. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Mensch im Gegensatz zu Gott sterblich ist.

Zunächst teilt der Mensch das Leben mit den Tieren im Paradies, solange bis er vom Baum der Erkenntnis isst. Die Evolutionsbiologen würden sagen, so lange bis die kognitive Revolution stattfindet.

Die kognitive Revolution vertreibt die Menschen aus dem Paradies, das sie mit den Tieren geteilt haben. Der Mensch erhebt sich über die anderen Geschöpfe und macht sie „sich untertan“ wie die Bibel sagt.

Mit dem Erscheinen des Homo sapiens sterben nicht nur viele Tierarten aus, sondern der Mensch führt auch Krieg gegen seines gleichen.

Gott reut es, dass er die Menschen gemacht hat, und er beschließt die Menschheit in einer Sintflut vollständig zu vernichten.

Nachdem er die Menschheit fast ausgeslöscht hat, bereut Gott seinen unkontrollierten Zornesausbruch und beschließt, es „nie wieder zu tun.“ Als Zeichen dafür erscheint der Regenbogen am Himmel.

Man spricht in diesem Zusammenhang von der doppelten Reue Gottes. Zum einen bereut er, dass er die Menschen überhaupt gemacht hat und zum anderen bereut er, dass er sich so vergessen konnte und beinahe seine ganze Schöpfung vernichtet hätte.

Das Schöne an diesem brutalen Gott ist seine Ambivalenz, seine Emotionalität und seine Menschenähnlichkeit. (Seien wir doch mal ehrlich, wer von uns hätte noch nie mit dem Gedanken gespielt, seinen kleinen Bruder umzubringen?)

Das, was Richard Dawkins beklagt, finde ich sympathisch. Dawkins macht den Fehler, dass er Gott so behandelt, als wäre er eine menschliche Person, die sich etwas zu Schulden kommen lässt und verurteilt werden muss.

Gott ist aber eben keine menschliche Person, sondern ein Mythos. Er ist das Spiegelbild des Menschen. Und da er das Spiegelbild des Menschen ist, ist er auch eifersüchtig, kleinlich, ungerecht, rachsüchtig, frauenfeindlich, homophob, rassistisch, größenwahnsinnig, sadomasochistisch, launisch und bösartig.

Es ist ein Irrtum zu glauben, in der Bibel stünde, wie das Leben sein soll.

In der Bibel steht, wie das Leben ist.

 

 

 

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2 Gedanken zu „Wie das Leben ist

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