Natur-Gesetze?

Die Begriffe Natur und Gesetz könnten gegensätzlicher gar nicht sein. Die Natur folgt gerade nicht einem Gesetz sondern das Gegenteil ist der Fall.

Die Quantenphysik und die Evolutionsbiologie lehren uns, dass alles Natürliche, das Organische wie das Anorganische, geradezu auf dem Gegenteil von dem beruht, was wir Gesetz nennen, nämlich auf Zufall.

Deshalb hatte auch Einstein sich bis zu seinem Tod nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden können, dass „Gott würfelt“. Er und viele nach ihm, hätten gerne die Weltformel gefunden, ein Gesetz dem sie alles unterwerfen können.

Das Gesetz ist etwas ganz und gar Unnatürliches. Es geht davon aus, dass ein denkendender Geist eine Regel oder Norm erfindet, die er in einen bestimmten Bereich für verbindlich erklärt.

Der Begriff des Naturgesetzes stammt deshalb auch nicht zufällig aus der Tradition des Deismus, der Vorstellung, Gott habe dem Lauf der Dinge eine bestimmte Ordnung gegeben, sich dann aber aus dem Geschehen zurückgezogen.

Der Begriff des Naturgesetzes, so wie er heute gebraucht wird, hat schlicht vergessen, woher er stammt und ist sich seiner selbst nicht mehr bewusst. Er ist sozusagen regrediert.

Er glaubt, die Naturgesetze seien etwas Gefundenes und nicht etwas Erfundenes. Naturgesetze sind aber keine Gegenstände, die irgendwo herumliegen, sodass man sie finden könnte. Sondern Naturgesetze sind tatsächlich Gesetze, also Produkte des setzten Denkens, und insofern Gesetztes.

In der Natur gibt es nie nur eine Ursache sondern immer ein hochkomplexes Setting und eine lange Kette von einander zum Teil wechselseitig sich beeinflussender Faktoren, die zusammen eine Wirkung ergeben.

Ich gebe ein Beispiel: Nicht alleine der Druck auf das Gaspedal bewirkt die Beschleunigung eines Fahrzeuges, sondern eine unzählig lange Kette von Einzelursachen haben den Motor erst zu dem gemacht was er ist, um diese Wirkung möglich zu machen: Die Entdeckung des Erdöls, die Entwicklung des Ottomotors usw.

Das Menschliche Denken ist es, dass im wissenschaftlichen Experiment und in der Ingenieurskunst versucht, eine der vielen Ursachen zu isolieren und zu kontrollieren.

Ein Naturgesetz beschreibt nicht die Natur unter natürlichen Bedingungen sondern eine künstliche Versuchsanordnung unter idealen Bedingungen.

Die Lichtgeschwindigkeit ist nur im Vakuum konstant, in der Atmosphäre, also in der uns umgebenden Natur, nicht.

Nicht alle Gegenstände, die ich aus dem Fenster werfe fallen dem Gesetz der Gravitation folgend zur Erde. Für Singvögel und Gasluftballons gilt das natürlich nicht.

Die Naturgesetze beschreiben nicht unsere reale Umwelt sondern lediglich Idealisierungen derselben.

Nun haben die sogenannten Naturgesetze zweifelsohne eine hohe Evidenz. Nur der Begriff verführt zu einer Denkweise, die tatsächlich auf die Logik des Deismus herabsinkt.

Das Reflexionsniveau, das die inneren Widersprüche des Begriffs aufhebt, wird nicht erreicht.

Mir scheint tatsächlich eine Denkweise vorherrschend zu sein, die der Wissenschaft unreflektiert eine quasi göttliche Rolle zuweist.

Ein Beispiel: Ich habe in meiner Jugend bei den Pfadfindern folgendes Lied gesungen:

Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt,

dass Marmelade Heu enthält, Heu enthält, Heu enthält,

drum essen wir auf jeder Reise, jeder Reise, jeder Reise

Marmelade Eimerweise, Eimerweise, Eimerweise

Marmelade, Marmelade, Marmelade, die essen wir alle so gern.

 

Ich glaube, die Wissenschaftsgläubigen sind mittlerweile zahlreicher als die Gläubigen jeder anderen Religion es jemals gewesen sind. Dabei glauben die meisten bereitwillig alles, was man ihnen erzählt, und sind fest davon überzeugt, dass nur die hohen Priester der Wissenschaft den unmittelbaren Zugang zur Wahrheit haben.

 

Interessant wäre eine Debatte darüber, welcher andere Begriff an die Stelle des Naturgesetzes treten könnte, der nicht den oben genannten Aporien verfällt und das, worum es geht, reflektierter und dem Gegenstand Natur angemessener wäre.

Wie wäre es zum Beispiel mit Emergenz?

 

 

 

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10 Gedanken zu „Natur-Gesetze?

  1. Kardinal Novize Igor

    „Die Quantenphysik und die Evolutionsbiologie lehren uns, dass alles Natürliche, das Organische wie das Anorganische, geradezu auf dem Gegenteil von dem beruht, was wir Gesetz nennen, nämlich auf Zufall.“

    stimmt so nicht. In der QM handelt es sich um Eigenwertproblematiken, in der Evolutionstheorie um Optimierung.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Danke für den Hinweis, ich glaube du hast recht, obwohl ich als nicht Nawi von „Eigenwertproblematiken“ null Ahnung habe. Ich denke selbst der Zufall ist kein Zufall sondern ein Kategorie, die das Menschliche Denken an seine sinnliche Wahrnehmung heran trägt, wie Kant das meinte. Hinter jeder Empirie steht immer auch eine Theorie zum Beispiel die von der Optimierung, so als sei das ganze keineswegs zufällig sondern ganz im Gegenteil sehr zielgerichtet. Es ist wahrscheinlich eine unausrottbare Angewohnheit des Menschen in allem und jedem immer einen Sinn sehen zu wollen. Kontingenz ist so schrecklich, dass sie niemand aushält.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Aber ist es nicht so, dass Schrödingers Katze gerade nicht einem Gesetz sondern einem Zufall zum Opfer fällt, woran sich sogar Albert Einstein nicht gewöhnen wollte?

      Antwort
    3. hansarandt Autor

      „stimmt so nicht. In der QM handelt es sich um Eigenwertproblematiken, in der Evolutionstheorie um Optimierung.“
      Mag sein, dass in der Evolutionsbiologie nicht der Zufall, sondern die „Optimierung“ das eigentliche Agens ist oder doch zu mindestens das Zusammenwirken dieser beiden Faktoren.
      Interessant ist aber, welches Weltbild hinter dieser Theorie steht, wenn sie mit dem Begriff „Optimierung“ zutreffend beschrieben ist.
      Während in der Religion, der antiken Philosophie und der kontinentalen idealistischen Philosophie, das „Wahre, Schöne und Gute“ im Zentrum der Betrachtung steht, so ändert sich das in der Folge der Aufklärung in der angelsächsischen Analytischen Philosophie, im Positivismus, im Utilitarismus, in den Wirtschaftswissenschaften und anderen verwandten Strömungen in der Moderne in Richtung Zweckrationalismus.
      In diese Reihe gehört auch die Evolutionsbiologie und die Freudsche Psychoanalyse, die mit der Libido einen der „Optimierung“ verwandten Begriff zum Agens des Unbewussten erklärt hat.
      Während der Begriff des „Wahren, Schönen und Guten“ ethische und ästhetische Konnotationen hat, kommt der Begriff der „Optimierung“ kalt und berechnend daher. Während das Wahre, Schöne und Gute als für alle wahr, schön und gut gedacht ist, ist die Optimierung in hohem Maße auf sich selbst bezogen:
      Was für den Weizen in der Reife optimal ist, bedeutet für das „Unkraut“ die totale Vernichtung mit der chemischen Keule. Eine Art „optimiert“ sich fast immer auf Kosten anderer Arten.
      Es kommt darauf an, wie ich die Welt betrachte. Ich kann in ihr das Wahre Schöne und Gute suchen oder danach trachten für mich das Beste herauszuholen.
      Menschen die allzu offensichtlich nach dieser Maxime leben, sind mir gelinde gesagt unsympathisch und ich versuche ihnen aus dem Weg zu gehen.
      Es gibt in der Gegenwart eine Unzahl von Geistesströmungen, die uns in diese Denkungsart der Selbstoptimierung hineinziehen wollen.
      Besonders gut hat das der FAZ Chefredakteur Frank Schirrmacher in seinem letzten Buch, das er vor seinem frühen Tod geschrieben hat zum Ausdruck gebracht. Es trägt den bezeichnenden Titel „Ego“.
      Darin beschreibt er eine Entwicklung, die darauf abzielt, aus den Menschen zweckrationale Maschinen zu machen, um sie den alles berechnenden Algorithmen besser unterwerfen zu können.

      Antwort
      1. Kardinal Novize Igor

        Das ist kein Widerspruch zur Naturwissenschaft.

        Ich kann auch das Wahre, Schöne und Gute in der Schönheit des Kosmos, der elektronischen Strukturen eines Moleküls, der Großartigkeit der Komplexität der Quantenmechanik suchen. Alles das ist Schöpfung, und es ist sehr schön, sie in voller Tiefe zu betrachten. Die quantenmechanischen Formeln sind eine solche Betrachtungsweise mit tiefer Ästhetik.

        Was aber nicht funktioniert, ist, dieser Naturbetrachtung einen verkitschten Schönheitsbegriff von aussen „aufzupfropfen“.

        So, wie eine 300jährige Eiche nicht unbedingt schöner wird, wenn man sie mit rosa Maschen verziert.

        Die Tatsache, dass man Naturwissenschaften utilitaristisch missbrauchen kann, macht sie noch lange nicht „böse“.

        Man kann einem auch mit einer Michelangelo-Statue den Schädel einschlagen. Deshalb bleibt sie doch ein Kunstwerk.

        So, wie es der falsche Weg wäre, deshalb die Statue zu Staub zu zermahlen, wäre es schwachsinnig, der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise, nur weil sie „missbraucht werden könnte“, die Tiefe ihrer Betrachtungsweise abzusprechen.

        LG KNI

  2. Kardinal Novize Igor

    Offensichtlich sind in der QM, wie du richtig bemerkst, Zufall und Gesetz miteinander verknüpft.
    Allerdings kann der Zufall in manchen Belangen zu eindeutigen Ergebnissen führen, etwa bei der Energie (Energie ist ein Eigenwert, siehe Quantensprung) -nicht aber beim Gesamtimpuls, zb.

    Man sieht auch, dass „Gesetz“ und „Zufall“ keine sich ausschließenden Kategorien darstellen. Die Synthesis lautet: Wahrscheinlichkeitsfunktion.

    Vermutlich handelt es sich wie so oft um ein sprachliches Problem: „Gesetz“ heisst für einen Theologen etwas anderes als für einen NAWI, ersterer denkt an „Gebot“, zweiterer an „physikalische Beschreibungsmöglichkeit“.

    Das ist aber ohnedies jedem NAWI klar, nämlich aus seiner Arbeitspraxis.

    Das Problem, Naturwissenschaft mit Mystik oder Magie zu verwechseln und damit die „Naturgesetze“, die in Wahrheit Arbeitshypothesen sind, mit magischer Dogmatik verwechseln, betrifft nur die Unmündigen einerseits und die Neuheiden andererseits.

    Darum ist das von dir zitierte -und evidente- Problem:

    „Ich glaube, die Wissenschaftsgläubigen sind mittlerweile zahlreicher als die Gläubigen jeder anderen Religion es jemals gewesen sind. Dabei glauben die meisten bereitwillig alles, was man ihnen erzählt, und sind fest davon überzeugt, dass nur die hohen Priester der Wissenschaft den unmittelbaren Zugang zur Wahrheit haben.“

    -nur eines der gesellschaftlichen Niederungen, und in der Tat eines des primitiven Neuheidentums. Dass sich rund um einige prominente Nawis und um die NAWI allgemein immer Groupies ansammeln, die an diesem Wissen mitnaschen wollen, ohne sich aber der Mühe der entsprechenden Ausbildung unterziehen, ist ebenso evident, aber das kann man dem einzelnen NAWI wohl nur schwer vorwerfen.

    Falsch verstanden zu werden, ist schließlich sogar Jesus schon passiert….

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ich stimme dir zu. Ich denke auch, dass ein NAWI, der sich selbst und seine Wissenschaft ernst nimmt, sich der grundsätzlichen Vorläufigkeit und Bedingtheit seiner Erkenntnis Möglichkeiten durchaus bewusst ist. Was ich kritisiere ist eben dieses „Neuheidentum“ (schöner Begriff, kannte ich gar nicht, bei mir lief dasitzen unter „das wissenschaftliche Weltbild“, wie es häufig unreflektiert im Alltagsbewusstsein der Normalbürger anzutreffen ist. Allerdings gibt es durchaus auch Wissenschaftler, die jenes Neuheidentum vertreten zum Beispiel Richard Dawkins und manche Magiere der Hirnforschung.

      Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    Den Dawkins habe ich auch auf der Neuheiden u. Blödmann-Liste! Natürlich gibt es auch die Kombination NAWI+Neuheide; hier u.a. Renee Schröder (bei Interesse googlen) oder der mittlerweile verstorbene Physiker Oberhummer.

    Man muss aber auch dazu sagen, dass diese eine Minderheit darstellen und sich früher oder später in der community lächerlich machen (Schröder).

    Umgekehrt würde ich mir aber auch wünschen, dass die Verachtung, die einem Nawi auf der theologischen Fakultät entgegen schlägt, bald der Vergangenheit angehören möge. Man sei ja „NUR Naturwissenschaftler….“ und habe daher „keine Ahnung von Gott“. Auf der Theologie, so hört man, beschäftige mit „höherem“. Das ist ziemlich hochmütig und lächerlich.

    Nur weil jemand das Wort „Gott“ dauernd im Munde hat, heisst es noch nicht, dass man ein göttlicher Mensch ist; nur weil man sich mit „höherem“ beschäftigt, heisst es noch nicht, dass man dies auch in hoher Weise tut.

    Natürlich bin ich bald dahinter gekommen, dass es schlicht und einfach Neid war, der sie geritten hat: auf ein Wissen, das sie nicht haben.

    Da denke ich mir: solch niedere Emotionen haben auf der Theologie nichts verloren. Wer anderen die Ausbildung neidig ist, ist spirituell nicht gefestigt.

    Wie, frage ich mich, sollen solche Menschen ein religiöses Element in die Welt bringen?

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Leider ist es heutzutage so, dass Theologie und Naturwissenschaft als Gegensatz oder Widerspruch erscheint. Es führt zu nichts, wenn die einen den anderen Weltfremdheit und die anderen den einen die höheren Weihen absprechen.
      Ich denke Theologie und Naturwissenschaft könnten in einen Dialog treten, der nicht von der Konkurrenz bestimmt ist sondern von gegenseitiger Anerkennung. Dann könnte die beiden Wissenschaften sich gegenseitig befruchten und weiter bringen.
      Hegel war noch in der Lage das eine mit dem anderen zusammen zu denken. Die Wahrheit ist das Ganze, war seine These. Nur wenn wir beides zusammen denken und reflektieren können wir in unserer Erkenntnis dialektisch fortschreiten.
      Ich kann das Licht nicht begreifen ohne die Finsternis, das Gute nicht ohne das Böse und die Natur nicht ohne den Geist.

      Antwort

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