Die Macht des Unwissens und der entscheidende Unterschied

In meinen letzten Beiträgen ging es um die Analogie zwischen den klassischen Religionen und modernen Ideologien, wie dem Kommunismus oder dem Liberalismus.

Die Frage ist nun, ob die moderne Wissenschaft auch eine Ideologie in diesem Sinne ist. Die Antwort lautet eindeutig nein!

Die Wissenschaft unterscheidet sich von allen anderen Ideologien und Weltanschauungen durch das Eingeständnis ihrer eigenen Unwissenheit.

So, wie Sokrates einst sagte, ich weiß, dass ich nichts weiß, geht auch die Wissenschaft davon aus, dass Ihr Wissen unvollkommen und vorläufig ist.

Dieses Eingeständnis hat die rasante technische Entwicklung der letzten 500 Jahre erst möglich gemacht. Man kann in diesem Zusammenhang von der wissenschaftlichen Revolution sprechen.

In traditionellen Religionen wird behauptet, dass alles relevante Wissen bereits „offenbart“ ist. Unwissenheit ist in diesen Kulturen nur Nichtwissen der Offenbarung.

Neue Erkenntnisse, die diese Offenbarung in Zweifel ziehen, grenzt man aus. Vertreter dieser Lehren werden als Ketzer verfolgt.

Wenn ein Entdecker neuer Wahrheiten sich durchsetzt, wie einst Mohamed, erklärt er seine Lehre umgehend zum „Siegel der Propheten“, der letztendgültigen Wahrheit, die nicht mehr überboten werden kann.

In der Wissenschaft sind neue Erkenntnisse hingegen erwünscht und sogar notwendig, um die Entwicklung voranzubringen. Das unterscheidet sie grundsätzlich von Religionen und Ideologien.

Wenn aber alles Wissen Vorläufig und revidierbar ist, gilt dass da auch für die gesellschaftlichen Mythen.

Gesellschaftliche Mythen können aber nur dann ganze Völker und Kulturen einen, wenn sie als unbedingt und ewig gültig akzeptiert werden.

Aus dieser Not heraus verfallen in der modernen, säkularen entmythologisierten Welt viele Menschen in eine quasi religiöse Wissenschaftsgläubigkeit. Wer wollte es Ihnen verdenken.

Wie soll man sonst auch die Geworfenheit ins Dasein ertragen oder wer macht schon ernsthaft den Mythos von Sisyphos zu seiner Lebensmaxime.

Sinngemäß von Noah Harari

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