Gibt es ideologiefreie Zonen?

Wenn überhaupt gibt es Ideologiefreie Zonen nur in sehr engen Grenzen. Es gibt sie nicht im Alltag, nicht in der Politik und auch nicht in der Wirtschaft.

Einzig die Wissenschaft glaubt, sich in einer ideologiefreien Zone zu befinden. Es ginge, so wird gerne behauptet, um „nackte Tatsachen“ oder schlicht darum, „was der Fall ist“. Kann man das wirklich sagen?

Auf den ersten Blick scheint es so zu sein. Die Mathematik kennt keine Ideologie sondern nur Axiome und auch die sind nicht sakrosankt sondern willkürlich. Die Mathematik würde mit anderen Axiomen auf die gleiche Weise funktionieren.

Aber die Wissenschaft ist nicht nur Mathematik, sondern beschäftigt zum Beispiel auch mit der Natur. Die Natur ist bekannter Maßen sehr komplex. Wie bekommt man jetzt heraus, wofür genau sich die Wissenschaft interessieren soll und wofür nicht?

Spätestens hier endet die Ideologiefreiheit. Es gäbe keinen einzigen Wissenschaftler, wenn nicht ein anderer, ein Staat ein Land ein Konzern oder eine Firma dafür bezahlt. Spätestens an dieser Stelle kommen Interessen ins Spiel, die der Motor jeder Ideologie sind.

Ein Staat strebt zum Beispiel nach der Weltherrschaft, ein Land will sich gegen ein anderes verteidigen, ein Konzern will über das Saatgut die Welternährung kontrollieren und eine Firma will die ersten künstlichen Organe für die Transplantation auf den Markt bringen. Alle brauchen die Wissenschaft und bezahlen sie dafür.

Es soll auch Wissenschaftler geben, die sich tatsächlich mit der Bekämpfung des Welthungers beschäftigen aber das sind sehr wenige und sie werden schlecht bezahlt, weil sich kein Profit damit machen lässt.

Es gibt auch Wissenschaftler, die für die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte bezahlt werden, die meisten von ihnen allerdings vom Militär.

Überhaupt kann man sagen, dass alle wesentlichen technischen Innovationen zunächst für den Krieg entwickelt wurden und in der Regel erst Jahrzehnte später für den allgemeinen Gebrauch in Anwendung kamen, wie zum Beispiel das Farbfernsehen, die Atomkraft und das Internet. Insider behaupten, dass die militärische Forschung der Zivilen um fünfzig Jahre voraus ist.

Ich will mir lieber gar nicht vorstellen, was da alles auf uns zukommt.

Auch die Mathematik ist nur so lange Ideologiefrei, wie man sie nicht anwendet.

Falls dem geneigten Leser doch noch Ideologiefreie Zonen in- oder außerhalb der Wissenschaft einfallen, mag er das bitte bei den Kommentaren mitteilen.

Ich glaube wir alle würden uns freuen, wenn es ideologiefreien Zonen gäbe. Die beste und erfolgreichste Ideologie ist immer noch die, die man nicht als Ideologie erkennt.

 

 

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9 Gedanken zu „Gibt es ideologiefreie Zonen?

  1. Kardinal Novize Igor

    @HA:
    „Spätestens hier endet die Ideologiefreiheit. Es gäbe keinen einzigen Wissenschaftler, wenn nicht ein anderer, ein Staat ein Land ein Konzern oder eine Firma dafür bezahlt. Spätestens an dieser Stelle kommen Interessen ins Spiel, die der Motor jeder Ideologie sind.“

    Dieser Satz stimmt -ich habe dir auch gesagt, warum- erwiesenermaßen nicht. Was hast du nur für ein Problem mit „der“ Wissenschaft?

    Ich denke mir -für mich: es gibt schon einen Unterschied zwischen intellektuellem Nachbohren und bloßem Wiederholen von Klischees, die dem so Tuenden, warum auch immer, etwas „geben“. Vielleicht bist es ja du, der du der Wissenschaft eine Ideologie aufzwingen willst?

    Nachdem das aber kein Aussenstehender nachvollziehen kann, spare ich mir jetzt die Diskussion -und schreib lieber was für mein (wissenschaftliches, non profit, non-ideologie)-paper.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Der Aufstieg der Wissenschaft und der Aufstieg des Kapitalismus gehen Hand in Hand, wie Noah Harari in seiner Geschichte der Menschheit sehr eindrücklich beschrieben hat. Es ist ein wirklich abenteuerliches Buch und sehr lesenswert. Ich fiebere schon auf die Übersetzung seiner Zukunft der Menschheit, die den Titel trägt, Homo Deo, die in wenigen Tagen auf den deutschen Markt kommt.

      Antwort
  2. hansarandt Autor

    Vielleicht hast du ja recht und ich sollte wirklich mal darüber nachdenken, welches Problem ich mit der Wissenschaft habe, ich war ja selber ziemlich lange auf der Uni. Vielleicht gefällt dir mein Beitrag zum Teufelskreis der Ideologiekritik besser. Ich habe mir den Beitrag oben auch gar nicht selber ausgedacht sondern mal wieder bei Noah Harari abgekupfert.

    Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    @HA
    Ich habe mich auch etwas hart ausgedrückt, sorry!

    Es stimmt natürlich, dass Naturwissenschaft -leider- extrem oft missbraucht wird. Dabei kommt mir, siehe Pharmaindustrie, das K*tzen.

    Andererseits: Bis etwa mathematische Erkenntnisse praktisch gebraucht werden können, vergehen im Schnitt 150 Jahre. D.h. der Mathematiker kann nicht wissen, wofür es verwendet wird.
    Wie alle Menschen, muss auch der Mathematiker (Physiker, Chemiker…) die Hoffnung haben, dass die Welt, als ganzes, weniger die Bühne des Missbrauchs, als viel mehr ein Zeugnis der Liebe Gottes ist (und wird).

    Und dass er, wie jeder Mensch, etwas zu diesem Zeugnis beitragen kann.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Was ich sagen wollte ist, das der rechte Gebrauch oder der verwerfliche Missbrauch nicht in der Sache der Wissenschaft selbst liegt, sondern von Außen an sie herangetragen werden muss, durch Moral, Ethik, staatliche Gesetze, Religion oder eben Ideologie. Deshalb braucht es die Ideologie in einer der oben genannten Ausprägungen. Ideologie in diesem Sinne wäre dann nicht schlecht oder böse sondern notwendig.
      Meine These würde dann lauten, es sollte gar keine ideologiefreien Zonen geben. Der Kapitalismus, der immer wieder genau das fordert, alles muss frei sein auch frei von Moral, ist selbst eine besonders perfide Ideologie und noch dazu die machtvollste, die der Planet bisher gesehen hat.

      Antwort
      1. Kardinal Novize Igor

        Die Kapitalisten (deren Obergurus teilweise von einer teuflischen Intelligenz sind) nützen ein altes Missverständnis bezüglich der Moral skrupellos aus:

        Dass nämlich Wirtschaft rein „mechanisch“ funktionieren müsse (Angebot-Nachfrage_hebel etc), und da Mechanik zwangsläufig keine Moral in sich hat, die Wirtschaft auch keine Moral haben brauche.

        Diesen Irrtum (einfacher Menschen) instrumentalisieren jene Gurus zum eigenen Vorteil und machen daraus eine große Lüge. Sie ignorieren mit Absicht, dass nämlich der einzelne Mechaniker (sei er nun Wirtschaftler, Bauingenieur oder Quantenmechaniker) sehr wohl Verantwortung trägt, die sich auf die Gemeinschaft auswirken soll.

        Natürlich macht es keinen Sinn, etwa dem archimedischen Hebelgesetz moralische Kriterien aufzuoktoyieren, aber in der Anwendung zeigt sich dann, ob man Folterinstrumente oder Brücken baut.

        Es bedarf ja wirklich nur eines Minimums an spiritueller Festigung, dass alles Wissen nur Werkzeug ist, auf dessen Anwendung es ankommt – nämlich gute oder böse Anwendung.

        Es wäre viel gewonnen, wenn sich jeder Mensch am Morgen vornimmt, den kommenden Tag und all seine Talente und sein Tun in den Dienst Gottes zu stellen.

        LG KNI

  4. Kardinal Novize Igor

    PS.: Wo wir beide, glaube ich übereinstimmen:
    Wenn wir den Missbrauch der Rationalität betrachten wollen, wir in Leuten wie alphachamber ein gutes Beispiel finden.

    Nicht, dass ich ihm selber diesen Missbrauch vorwerfe; der schwimmt nur im Mainstream mit. Aber die Pose der Rationalität, aufgesetzt von einem Schwach-Logiker, ist bezeichnend für die Anbetung des Robespierrschen Vernunft-Götzen, wenn einem die Nawi in die falsche, nämlich göttliche Kehle kommt.

    Es bedarf der spirituellen Festigung, um in Zeiten wie diesen, nicht in die Geistige Verengung zu geraten, die Menschen auf seine bloße Vernunft zu reduziert.

    Ich wette um ein elektronisches Bier mit dir, dass just der (oder die) keine Ahnung von Naturwissenschaft haben.

    Nebenbei: Robespierres schwachsinniger „Kultus der Vernunft“ hat -auf die kurze Zeit gerechnet, 100mal mehr Tote hervorgebracht als alle Religionskriege zusammen…

    Und hier kommt das Bier: 🙂
    x x x x
    x x x x x x
    ( )
    ( )ooooo
    ( ) 0
    ( )000
    (___________)

    Ich hoffe, es sieht nach dem Abspeichern noch genau so aus!
    LG KNI

    Antwort
  5. Kardinal Novize Igor

    ganz arges und heisses Thema: die Bargeldabschaffung!

    Der gläserne Mensch! Hurra! Alle Macht den Konzernen!!
    (KOTZ)

    Antwort

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