Die Geschichte der Revolutionen

Wenn wir das Wort Revolution hören, denken wir gewöhnlich zuerst an die Französische Revolution, die Russische Revolution oder die Iranische-islamische Revolution.

Viel nachhaltiger und langfristiger aber haben ganz andere Revolutionen einen starken Einfluss auf unser heutiges Leben.

Noah Harari beschreibt in seiner Geschichte der Menschheit die…

  1. Kognitive Revolution
  2. Landwirtschaftliche Revolution
  3. Wissenschaftliche Revolution
  4. Industrielle Revolution
  5. Sexuelle Revolution

Die Geschichte der Menschheit beginnt mit der kognitiven Revolution vor ungefähr  dreißigtausend- bis fünfzigtausend Jahren. Davor war der Homo Sapiens eine Spezies neben anderen, zum Beispiel neben den Neandertalern und anderen Menschen- und Affenarten.

Wie schon die alten Mythen erzählen, beginnt diese Revolution mit der Entdeckung und Nutzbarmachung des Feuers.

Ganze Landstriche wurden durch Brandrodung vernichtet, um die Jagd auf Tiere zu erleichtern. Das Kochen und Braten machte die Nahrung besser verdaulich. Es wurde weiniger Energie für den Stoffwechsel benötigt.

Die Därme der Menschen bildeten sich zurück und die Energie floss stattdessen in das Gehirn, das sich ständig vergrößerte.

Dies führte dazu, dass die Köpfe der Neugeborenen irgendwann nicht mehr durch das Becken ihrer Mütter passten. Die Lösung des Problems lag darin, dass die Kinder zu früh geboren wurden.

Das hatte wiederum zur Folge, dass der Homo Sapiens mit weniger ausgeprägten Fähigkeiten zur Welt kam als die meisten anderen Tiere. Dieser Mangel konnte nur dadurch ausgeglichen werden, dass die Neugeboren diese Kompetenzen im Kleinkindalter erst erlernen mussten.

Damit wurde die Kommunikation zum entscheidenden Faktor des Evolutionserfolges. Irgendwann vor dreißigtausend Jahren erwarb der Homo Sapiens die Fähigkeit über Dinge zu sprechen, die es gar nicht gibt.

Das ist die Geburtsstunde der Mythen und Märchen. Nur mit Hilfe dieser Mythen die in den Religionen verankert sind, war es möglich Menschengruppen zu organisieren, die größer waren als eine Horde, in der sich alle Individuen gegenseitig kennen. Die kritische Grenze der Gruppengröße liegt bei hundertfünfzig  Einzelwesen.

Diese Fähigkeit führte in der Geschichte dazu, dass der Mensch nach und nach eine große Anzahl von Säugetieren ausrottete und sich heute auf der Welt so stark verbreitet hat, wie kein anderes Säugetier.

Der erste Schritt, zu diesem exponentiellen Wachstum war die Landwirtschaftliche Revolution. Sie fand vor ungefähr achttausend Jahren statt. Ackerbau und Viehzucht wurden erfunden und große Gruppen von Menschen ließen sich auf relativ kleinen Räumen ernähren.

Die Landwirtschaftliche Revolution hat auch ihre Schattenseiten. Sie zwang den Menschen in kleinen Hütten zu leben und sehr hart zu arbeiten. Die Ernährung wurde einseitiger und die Menschen waren durch die Monokultur viel stärker dem Risiko ausgesetzt, wegen einer Dürre zu verhungern.

Außerdem führte die Landwirtschaftliche Revolution dazu, dass die meisten Menschen in Abhängigkeit von einer kleinen Minderheit der Besitzenden geriet, die sie unterwarfen ausbeuteten.

Vor fünfhundert Jahren ereignete sich die wissenschaftliche Revolution. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Menschen das erste Mal zugaben, das sie nicht alles wissen. Die Erkenntnis des Sokrates, der sagte, „ich weiß, dass ich nichts weiß“ wurde zum Programm.

In traditionellen Gesellschaften ging man davon aus, dass alles, was es zu wissen gab, bereits bekannt war. Man glaubte es in den Offenbarungen der heiligen Schriften finden zu können.

Das Eingeständnis der eigenen Unwissenheit war der Motor zur Eroberung der Welt. Kapitäne und Wissenschaftler unternahmen abenteuerliche Expeditionen um die Welt gleichzeitig zu erkunden und zu erobern.

Vor gerade einmal 200 Jahren begann die industrielle Revolution. Sie beginnt mit der Entdeckung, dass nicht nur der Mensch und die Tiere die Kraft der Sonne in Bewegung umsetzen können, sondern dass auch Maschinen dazu in der Lage sind. Die Dampfmaschine wurde erfunden.

Die nun folgenden Revolutionen ereignen sich in immer kürzeren Abständen. Welche Bedeutung sie auf lange Sicht haben werden, ist noch nicht sicher abzuschätzen.

Zu nennen wären die sexuelle Revolution in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, die digitale Revolution die zehn Jahre später einsetzte, die Revolution durch das Internet, Die Revolution durch die sozialen Netzwerke und das Smartphone.

Sicher ließen sich noch einige weitere Revolutionen nennen, die in schneller Folge über uns hinweg rasen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die Revolutionen, die uns noch bevorstehen, alles Bisherige weit in den Schatten stellen werden.

Wir befinden uns in einer Zeit der permanenten Revolution, von der man noch nicht wissen kann, ob sie ihre Kinder fressen wird oder sie groß und stark macht.

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3 Gedanken zu „Die Geschichte der Revolutionen

    1. hansarandt Autor

      Ich bin mir nicht so sicher ob die Idee mit der Revolution wirklich so gut ist. Ich neige eher zu der sanfteren Alternative, der Evolution. Manchmal wünsche ich mir, es wäre so geblieben, wie es war. Es soll ja Leute geben, die sogar meinen früher sei es besser gewesen. Je älter ich werde, desto mehr neige ich zu dieser Auffassung. Ich bin mal auf einen russischen Philosophen gestoßen, der findet die ganze Idee mit der Entwicklung zu immer höheren Stufen sei Schrott, eine Geisteskrankheit des westlichen Abendlandes. In Wirklichkeit wiederhole sich alles in regelmäßigen Abständen. Zu solchen Vorstellungen neigt man ja auch in den fernöstlichen Religionen.
      Schön finde ich auch den Satz von Karl Popper, der gesagt hat: Jeder Versuch den Himmel auf die Erde zu holen, habe regelmäßig in die Hölle geführt. Für ihn war der Kommunismus die Hölle. Der Kommunismus ist ja mittlerweile aus der Mode gekommen. Dafür haben wir jetzt den Konsumismus. Es ist nicht auszuschließen, dass uns irgendwer wieder in die Steinzeit zurückbomben wird, zur Freude des erwähnten russischen Philosophen.

      Antwort
      1. Kardinal Novize Igor

        Ja, es stimmt, dass die meisten Fanatiker mit dem Mittel, hier auf der Erde das Himmelreich entwickeln zu wollen, arbeiten, aktuell: der IS.

        Andererseits würde ich dem Spruch des Liberalisten Popper hier skeptisch gegenüber stehen. Der war wiederum Atheist, und die haben (wie viele von ihnen glauben), das „Heil“ auch nicht gepachtet. Wie ich Popper kenne, meint der damit, dass man doch den Glauben aufgeben könne, wenn man doch hier auf der Erde schon genießen, fressen, ficken und shoppen darf.

        Das kann doch beides nicht die Lösung sein.

        Ich halte mich lieber an die Mystiker und an die Heiligen: Paul vom Kreuz, Meister Eckhart, Theresa von Avila. Sie haben mir noch am ehesten geholfen.

        Wenn ich von mystischer Revolution rede, muss diese zwangsläufig sanft sein.
        Es ist egal, welchen Mystiker man zitiert: Alle sagen, dass das Problem die „Bildhaftigkeit“ ist, dass man ununterbrochen das 1. Gebot verletzt: „Du sollst dir kein Bild machen….“
        Wenn man also versuchte, die Erde nach einem „Bilde“ Gottes zu formen, und dieses „Bild“ der Erde aufdrücken will, muss es zwangsläufig gewalttätig werden.

        Das wäre aber keine mystische Revolution, sondern theokratische Diktatur.
        Eine mystische Revolution würde sich dann ereignen, wenn die Menschen wieder den Wert des Gebetes kennen lernen würden. Wenn die Gesellschaft erkennen würde, wie blind ihre Gottesbeziehung geworden ist. Und dass die Zwiesprache mit Gott das wichtigste ist, das, was uns heilt.

        LG KNI

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