Lazarettpoesie

Wir können deshalb den vorsorgenden Sozialstaat als Hoheitsverwaltung der Hilflosen definieren.
Die Welt der Wohlfahrt zerfällt nicht mehr in Arbeiter und Kapitalisten, sondern in Betreute und Betreuer.

Dabei entwickelt sich auf beiden Seiten eine unheilvolle
Eigendynamik. Die Betreuer und Sozialarbeiter haben ein Interes-
se an der Hilflosigkeit ihrer Klientel. Und auf der anderen Seite sind
diejenigen, die gelernt haben, sich hilflos zu fühlen, nur noch mit
»Gesellschaftskritik« beschäftigt.
 Diese dürfen sie dann in Talkshows vortragen. Die Entmündigungspolitik, die ihre Wähler durch Sozialtransfers ködert, kann nämlich nur durch die sentimentale
Begleitmusik der Massenmedien die nötige Gefühlsstütze bekommen.
Goethe hat einmal über die »Lazarettpoesie« gespottet – heute wird sie vom Fernsehen verbreitet.
Norbert Bolz
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