Wie dumm kann man sein?

Immer häufiger höre ich hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand den Vorschlag: „Den sollte man umbringen.“ Gemeint ist kein geringerer als der amerikanische Präsident Donald Trump.

Auf Karnevalsumzügen zeigt man gerne seinen abgehackten Kopf in der Hand der siegreichen Freiheitsstatue oder wie er es derselben von hinten besorgt und Herr Joffe von der Zeit antwortet in der Sendung Presseclub auf die Frage einer Zuschauerin, was man den jetzt noch gegen den gewählten Präsident machen könne, mit dem lapidaren Satz: „Mord im Weißen Haus!“

Die bekannte Kronenzeitung in Österreich fordert ganz unverblümt: „Magie soll helfen, Hexen wollen Trump mit einem Fluch belegen.“ Es folgt eine genaue Beschreibung, welche Utensilien für den Bannfluch nötig sind, wie das Ritual genau funktioniert und zu welchem Zeitpunkt es idealer Weise durchgeführt werden sollte.

Ich finde es skandalös, mit welcher Geschwindigkeit sich hier eine neue Hass-Spirale zu drehen beginnt und mit welcher Selbstverständlichkeit auch vernünftige und gebildete Menschen bereit sind, terroristische Morde zu akzeptieren, wenn es nur den vermeintlich Richtigen trifft.

Dass dieselben Zeitgenossen sich eben so heftig über sogenannte Hasspropaganda im Internet ereifern können und lautstark nach Zensur schreien, zeigt nur ein weiteres Mal, wie widersprüchlich unsere Welt geworden ist.

Das Traurige daran ist, dass das den meisten Menschen nicht bewusst wird, weil sie so denken wie es ihnen täglich vorgekaut wird, weil sie es schlucken und sich dabei auch noch neutral- und gut informiert fühlen.

Ich frage mich, wie dumm kann man sein?

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5 Gedanken zu „Wie dumm kann man sein?

  1. Kardinal Novize Igor

    Ein Indiz für Extremismus ist die Unfähigkeit, zwei Dinge mit demselben Maß zu messen:

    Ein schönes Beispiel ist der Feminismus.

    Wenn man „entdeckt“, dass Burschen in Mathematik besser und in Deutsch schlechter sind als Mädchen, liest sich das aus feministischer Perspektive so:

    „Die Mädchen sind in Deutsch besser, weil sie begabter sind. In Mathematik schneiden sie schlechter ab. Offensichtlich ist die Diskriminierung der Mädchen in Mathematik immer noch nicht abgeschafft. Wahrscheinlich werden sie von den Burschen insgeheim unterdrückt.“

    oder, neulich im „Standard“: Das „Recht“ nackter Frauen auf „Unkommentiertheit“.

    Hmmm, denke ich mir, normalerweise nimmt sich dieses „Recht“ nur eine sehr kleine Personengruppe heraus. Die der Diktatoren.

    Endlich ist es also heraussen: die weibliche Erdogan-Quote ist zu niedrig!

    Nun, und mit den Anti-Trumpisten ist es genau so. Natürlich dürfen die machen, was sie wollen, sie sind ja die Guten!

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, ich sehe das genauso. Ein Recht nackter Männer auf Unkommentiertheit gib es natürlich nicht. Im Gegenteil: Nackte Männer an öffentlichen Orten gelten als Exhibitionisten, die zwar nicht kommentiert- dafür aber verhaftet und bestraft werden. Keine Frau der Welt würde hier jemals „Gleichbehandlung“ fordern. Auch fordert niemand, dass Frauen aus Gründen der Gleichbehandlung gefälligst vier Jahre früher sterben sollen, um die ungleiche Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen auszugleichen. Dreht man das Männerbild in der gängigen feministischen Literatur um, indem man Männer und Frauen vertauscht, tritt der Sexismus sofort offen zu Tage. Ich sage immer: „Die größten Kritiker der Elche sind am Ende selber welche.“ Meine große Schwester, eine Genderwissenschaftlerin, sagte neulich zu mir, mein Problem sei, dass ich ein weißer Mann sei. Mein Problem ist also mein Geschlecht und meine Hautfarbe, die ich ja nicht ändern kann. Jedenfalls nicht wenn man sich nicht umoperieren lassen will (meine Schwester hat mir das allen Ernstes vorgeschlagen), oder sich depigmentieren lässt, wie Michael Jackson. Ist das nicht der nackte Sexismus und Rassismus, wie er im Buche steht?
      Man kann die Geschichte mit dem Splitter im Auge des Bruders und dem Balken im eigenen Auge gar nicht oft genug wiederholen.

      Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    @ha
    Danke für deine Insider-Infos aus der Feministik! Das Gedankengut deiner Schwester hört sich ziemlich bedenklich an….es war mir klar, dass es der Extremismus im Feminismus stark ausgeprägt ist.

    Jetzt scheint mir aber, dass das aller-Extremste bereits „common sense“ geworden ist.

    Kannst du mir das bestätigen?
    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Leider ja, die finden das aber nicht extrem sondern eben normal oder hoffentlich bald normal. Mit meiner Schwester verstehe ich aber trotzdem mittlerweile wieder gut. Allerdings mussten wir wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten eine längere Sendepause einlegen. Jetzt haben wir uns darauf geeinigt das wir uns gegenseitig nicht zu bekehren versuchen und das klappt auch. Offensichtlich hat sich auch bei ihr die Meinung durchgesetzt, dass es doch noch ein anderes Geschlecht gibt und auch eine andere Meinung, die frau nicht gleich verteufeln muss. Neulich haben wir es geschlagene vier Tage miteinander ausgehalten und uns nur manchmal, dafür aber kurz und heftig gestritten.

      Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    Jaja, Familienbande bedeutet nicht automatisch, dass man sich gut versteht! (Bei mir ist es so, dass mein jüngerer Bruder und ich ein wenig auseinanderdriften, auch wir wählen unsere Gesprächsthemen mit Bedacht)
    Ist Jesus auch so gegangen, denke ich mir, wenn ich an den „Propheten im eigenen Haus“ denke, der nichts gilt!

    Freut mich, dass ihr trotzdem eine Kommunikationsbasis bewahren konntet!

    LG KNI

    Antwort

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