Glauben Sie an Gott?

„Nein, ich weiß es. Ich bin ihm begegnet. Ich habe mit ihm gesprochen. Er stand unter einer Laterne. Ich weiß, dass es den Gott gibt, aber ich kann es nicht glauben.“

Joel Spazierer in dem gleichnamigen Roman von Michael Köhlmeier

(sehr zu empfehlen)

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4 Gedanken zu „Glauben Sie an Gott?

  1. Kardinal Novize Igor

    In einem Schlussgebet der kath. Hl. Messe lautet es: „…und führe uns vom Glauben zum Schauen.“ Mir scheint, dass Köhlmeier ähnliches meinte.

    Anscheinend geht Köhlmeier sein Glaube nicht „zu Gefühl“. Dies scheint ihm ein Mangel zu sein; möglicherweise erzeugt es sogar Scham.

    Dabei könnte man fragen: was soll man mehr wollen als das Geschenk des Glaubens?
    Köhlmeier scheint also einiges richtig gemacht zu haben, denn
    die Gefühls-Ebene ist ja ein eigentlich instabiles Fundament für den Glauben: vergeht das Gefühl, so vergeht der Glaube.
    Andererseits scheint sich Köhlmeier seiner Sache nicht sicher, denn sonst könnte er sich an seinem „Wissen“ erfreuen; darüber, dass sein Glaube die bloße Emotionsebene verlassen hat. Seine Glaubensentwicklung ist also in Ordnung, und doch sehnt er sich nach Sinlichkeit. Der große Mystiker Johannes vom Kreuz (auch sehr empfohlen!!!) nennt dies „die Nacht der Sinne“ und beschreibt die tiefe, aber reinigende Unruhe, die über einen solchen Menschen kommt.

    Der Herr entzieht solchen Menschen die Genuss-Ebene des Glaubens, damit sie Ihn um Seiner selbst willen lieben.

    Hoffentlich gerät Köhlmeier jetzt nicht an falsche Lehrmeister, die ihm einreden, er müsse Emotion und Sentimentalität wieder mit „Gewalt“ herbeirufen, denn das wäre das Schlechteste. Leider sind unsere paradigmatischen Hollywood-Lebensvorstellungen von solcher hedonistischerSentimentalität geprägt….

    ….und dabei fängt Johannes vom Kreuz hier erst an, im weiteren beschreibt er die noch finsterere „Nacht des Geistes“, in der Herr den Menschen bis zum Grund läutert.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Na ja, das sagt Köhlmeier ja nicht von sich, sondern er lässt es eine seiner Romanfiguren sagen. Diese Romanfigur heißt Joel Spazierer. Schon der Name ist falsch, eine Erfindung, sein wirklicher Name lautet ganz anders. So gut wie alles, was Joel Spazier in dem gleichnamigen Roman über sich und andere erzählt, ist bewusst gelogen. Auch die eine oder andere Leiche ziert seinen Spazierweg.
      Was Köhlmeier uns damit sagen will, weiß ich auch nicht, aber das Zitat hat mir besonders gut gefallen. warum?
      Ich denke, es gibt kein sicheres Wissen, das lehrt uns schon die Geschichte oder wer wollte im Ernst behaupten, das irgendetwas, was wir heute meinen, sicher zu Wissen, sich in Zukunft völlig anders darstellt. In der Regel heißt es:“früher glaubte man (das die Erde Flach ist), aber heute weiß man (dass die Erde eine Kugel ist… das wussten im übrigen die alten Griechen auch schon. Warum sollte die Kugel das Ende der Fahnenstange sein und es als unmöglich gelten, dass man es Morgen besser weiß. Wollte man das behaupten, dann entspräche es der Auffassung vom Siegel des letzten Propheten nach dem es keine Offenbarungen mehr gibt. So glaubte man früher und glauben viele noch heute. Wie lange noch? Sicher wissen kann man etwas nur in der Logik und der Mathematik aber auch nur, wenn mann an deren Axiome glaubt, die nicht weiter begründbar sind, es sei denn in einem Zirkelschluss.

      Antwort
    2. hansarandt Autor

      Zum Thema Glauben, Wissen und Emotion. Ich denke, dass Emotionen viel wichtiger sind als das Wissen. Entscheidungen werden immer auf Grund von Emotionen getroffen. Nach dem ich alles weiß entscheide ich, was mir „lieber“ ist. In der Regel gibt es sowohl für das eine als auch für das andere gute Gründe. Nur Maschinen, zum Beispiel Kampfdrohnen entscheiden emotionslos nach Algoritmen. Aber auch das tun sie nur, weil vorher ein Mensch ihnen beigebracht hat, wen sie lieber umbringen und wen sie lieber nicht umbringen sollen. Es sind ja schon schlaue Bücher über die emotionale Intelligenz geschrieben worden. Ich denke, es sind schon Weltkriege geführt worden, weil bestimmte Leute etwas lieber und etwas anderes lieber nicht wollten. Vielleicht haben sie auch an irgend etwas geglaubt oder so getan als ob sie an etwas glauben. In Wirklichkeit glaubten sie vielleicht an etwas ganz anderes.
      Ich denke der Glaube und die Emotion sind viel wirksamer als Materialisten und Atheisten glauben wollen.
      Ein Glaube ohne Emotion? Was sollte das sein. Hat nicht gerade der Glaube die Qualität, dass er die Emotion einschließt? Das Wissen hingegen, versucht immer wieder verzweifelt, die Emotion auszuschließen. Ließ nicht Goethe auch seinen Faust schon sagen: „….das weiß ich wohl, allein mir fehlt der Glaube?

      Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    Andere Baustelle. Ich meinte nicht, dass „Wissen“ die „Emotion“ ersetzen sollte, sondern dass der Glaube über beidem steht. Dieses auf Dauerfröhlichkeit basierende „Wellness-Christentum“ funktioniert meiner Erfahrung nach auch nicht.

    Dass das Wissen krampfhaft die Emotion ausschalten sollte, sehe ich auch nicht. Wo dies der Fall ist, scheint eher eine krampfhafte Beziehung zu Wissen vorzuliegen. Das wäre dann abr wieder ein emotionales Problem…

    Daher heisst es auch „…ich schenke einen Frieden, wie ihn die Welt nicht fassen kann….“ Welchen Frieden kann aber die Welt nicht fassen? Den Frieden Christi. Weil dieser rein emotionsmäßig nicht fassbar ist.

    LG KNI

    Antwort

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