Sind die Naturgesetze eine Illusion?

Julius Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, erkannte früh die Sprengkraft, die ganz allgemein in den Erkenntnissen der Atomphysik lagen.

Zusätzlich zu den Fakten brachte er einen philosophisch -Erkenntnistheoretischen Aspekt in die Überlegungen zur Quantenphysik ein, der bis dahin nicht vorhanden gewesen war.

Legten die Entdeckungen der Atomphysik nahe, die Unanzweifelbarkeit der Zweiheit zwischen dem Subjekt des Beobachters und dem Objekt des Beobachteten aufzugeben?

Wie konnte man intellektuell redlich weiterleben, nachdem sich herausgestellt hatte, dass zwei sich gegenseitig ausschließende Aussagen über die gleiche Sache beide als wahr bezeichnet werden mussten?

Was, wenn der Begriff der Komplementarität nicht allein auf das Elektron beschränkt war, das manchmal als Welle mit stetiger Fortpflanzung und charakteristischer Interferenz, manchmal als endliches und individuelles Partikel mit einer zu jeder Zeit bestimmten Lage erschien, sondern wenn diese zwei einander logisch ausschließenden Seinsformen in allem wirksam waren also auch in uns und zwar gleichzeitig, sodass wir uns, je nach dem unter welchem Gesichtspunkt wir unser Leben betrachteten, sowohl als sterbliche als auch als unsterbliche fühlen durften?

Was, wenn die Erkenntnisse der Physik uns eines Tages zwingen, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung als Grundlage jeder Weltbetrachtung und Weltanalyse nicht mehr als zwingend anzusehen?

Waren die Naturgesetze nur eine Illusion?

In Oppenheimers Gegenwart geriet alles in einen Ausnahmezustand. Jedes Wort, jede Geste jede Frage jedes Schweigen.

Wenn die Wirklichkeit nichts ist, dann gibt es nichts Verlässliches auf der Welt außer den Illusionen. Dann ist was ist, das, was einer bestimmt, das es sei. Eine größere Freiheit war nicht denkbar.

An ihr musste von nun an der Grad der eigenen Freiheit gemessen werden.

Glaub mir, wir schwankten zwischen Entsetzen und Euphorie.

Michael Köhlmeier in seinem Roman Abendland

 

 

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12 Gedanken zu „Sind die Naturgesetze eine Illusion?

  1. Kardinal Novize Igor

    Da hat der Michael Köhlmeier eines nicht verstanden: Dass eben Welle und Teilchen KEINE einander ausschließenden Seinsformen darstellen. Nur für unseren Sensualismus scheint es so. Allerdings ist für eben diesen Sensualismus auch Gott und Realität einander ausschließend.

    Das bedeutet aber nicht, dass Gott tatsächlich nicht existierte, sondern dass unser Sensualismus beschränkt ist.

    LG KNI

    Antwort
  2. hansarandt Autor

    Es soll ja Oppenheimer sein, der das gesagt hat.
    Warum soll das kein Wiederspruch sein? Bei einer Welle bewegen sich die Teilchen des Mediums, Luft oder Wasser zB., senkrecht zur Ausbreitungsrichtung, bei einem Teilchenbeschleuniger aber in der Bewegungsrichtung. Oppenheimer meint ja, dass die Erkenntnis „sensualistisch“, wie du sagst, vom Beobachter abhängt.

    Da das aber nur so scheint, wie du sagst, ist das eine Illusion. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten also keine ewige Wahrheit, sondern eine Illusion.

    Meinst du mit Deinem Verweis auf Gott, dass man den Welle/Teilchendualismus glauben muss, wie man an Gott glaubt oder nicht glaubt, weil uns beides sensualistisch nicht zugänglich ist?

    Es soll mal jemand auf die Frage, was es bedeutet, wenn die Wirklichkeit mit unserer Theorie nicht übereinstimmt, gesagt haben: „Um so schlimmer für die Wirklichkeit!“

    Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    „Warum soll das kein Wiederspruch sein? Bei einer Welle bewegen sich die Teilchen des Mediums, Luft oder Wasser zB., senkrecht zur Ausbreitungsrichtung, bei einem Teilchenbeschleuniger aber in der Bewegungsrichtung“

    Das ist mal überhaupt kein Widerspruch, hat aber mit der eigentlichen Frage nichts zu tun. Wie auch immer: auch im Teilchenbeschleuniger gibt es selbstverständlich Amplituden in Bewegungsrichtung. Wegen denen beschleunigt man zwar das Elektron nicht, werden also oft negiert, aber machen tun sie s wohl.

    „Oppenheimer meint ja, dass die Erkenntnis „sensualistisch“, wie du sagst, vom Beobachter abhängt. “

    Du vermischt hier zwei Dinge, die unbedingt getrennt gehören. Das eine ist das über-sensualistische der QM, dass ein dritter Beobachter durch bloßes Beobachten die Dinge ändern kann. Das andere, dass die grundlegen Experimente natürlich sensualistischen Charakter haben, da sie ja, wie jedes Experiment gesehen, protokolliert etc geworden sind.

    Daraus ergibt sich dann auch ganz einfach die Antwort auf deine nächste Frage:

    „Da das aber nur so scheint, wie du sagst, ist das eine Illusion. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten also keine ewige Wahrheit, sondern eine Illusion.“

    Man könnte fast schreiben: siehe oben. Die Beeinflussung durch den dritten ist keine Illusion, habe ich auch nie behauptet, nur hast du die Antwort nicht verstanden. Wie wäre es, wenn Du dich anstatt mit Kommentaren über Quantenphysik einmal mit der Quantenphysik selber beschäftigst?

    Alle die Quantenphysiker gehen nämlich davon aus, dass man die QM zumindest in Ansätzen verstanden hat…und formulieren provokativ-amüsante Philosopheme, die Unbedarften in die falsche Kehle kommen.

    Genau so wenig, wie man einem 8-jährigen Hardcore-Pornos in die Hand drückt, werden QM-Laien mit den Aussagen Oppenheimers etwas anzufangen wissen – und das, wo es hier nicht einmal um Hardcore-Pornos an sich geht, sondern um Kommentare darüber! 🙂

    Aus meinen obigen Klarstellungen ergibt sich auch die Antwort auf:

    „Meinst du mit Deinem Verweis auf Gott, dass man den Welle/Teilchendualismus glauben muss, wie man an Gott glaubt oder nicht glaubt, weil uns beides sensualistisch nicht zugänglich ist?“

    Nein, meine ich nicht. Der Welle-Teilchendualismus ist deduzierbar, die Existenz Gottes nicht.
    Wo sich beides tatsächlich ähnelt: Man braucht für beides einen offenen Geist. Auch zu Oppenheimers Zeiten mussten sich die Schrödinger-Rebellen gegen die Newtonsche Inquisition durchsetzen.

    Womit sich dann die Antwort auf die Frage

    „Es soll mal jemand auf die Frage, was es bedeutet, wenn die Wirklichkeit mit unserer Theorie nicht übereinstimmt, gesagt haben: „Um so schlimmer für die Wirklichkeit!“

    erübrigt, da es (glücklicherweise) nichts mit den hier diskutierten Themen zu hat.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      „auch im Teilchenbeschleuniger gibt es selbstverständlich Amplituden in Bewegungsrichtung.“

      Wie soll ich mir das vorstellen? Das Teilchen macht zwei Schritte nach vorne und einen zurück oder so?

      Hat Herablassung auch etwas mit Quantenphysik zu tun?

      Geht es auch etwas freundlicher?

      Ich habe ja nur etwas zitiert und ein paar dumme Fragen gestellt.

      Schlauer bin ich dabei leider nicht geworden .

      Antwort
  4. hansarandt Autor

    Oppenheimer war sicher einer, der sich in der Quantenphysik auskannte. Denkst du, dass er etwas Ähnliches wie das, was Köhlmeier ihm in den Mund gelegt hat, niemals gesagt haben könnte oder wenn er es gesagt haben sollte, es ein ausgemachter Blödsinn gewesen ist?

    Antwort
  5. Kardinal Novize Igor

    „Schlauer bin ich dabei nicht geworden“ – Tatsächlich macht nicht jede Frage schlau. Auch „dumme“ Fragen nicht.

    PS.: Wenn du meinen Hinweis, dass du offensichtlich einige grundlegende Dinge nicht verstanden hast, als Unhöflichkeit interpretierst, tut es mir leid. Aber dann würde ich mich an deiner Stelle fragen, warum du das so empfindest.

    Oder magst du keine Hardcore-Pornos?

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      „Alle die Quantenphysiker gehen nämlich davon aus, dass man die QM zumindest in Ansätzen verstanden hat…“
      Wirklich alle? Hat nicht der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Richard P. Feynman einmal behauptet: „Wer sagt, er versteht die Quantenphysik, der hat sie nicht wirklich verstanden.“
      „Der Welle-Teilchendualismus ist deduzierbar, die Existenz Gottes nicht.“
      Ist nicht auch Gott deduzierbar? War man nicht lange Zeit der Ansicht, man könne aus dem allgemeinen Gesetz, dass alles eine Ursache haben muss, deduktiv schließen, es müsse eine erste Ursache von allem geben. Diese Ursache sei Gott, der unbewegte Beweger.
      Wie heißt doch gleich noch mal das allgemeine Gesetz, aus dem der Welle/Teilchen Dualismus abgeleitet ist?
      Das allgemeine Gesetz, dass alles eine Ursache haben muss, scheint mir genau so sicher oder unsicher zu sein, wie die Behauptung, es gäbe einen Gott. Noch einmal das Zitat des fiktiven Oppenheimer: „Was, wenn die Erkenntnisse der Physik uns eines Tages zwingen, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung als Grundlage jeder Weltbetrachtung und Weltanalyse nicht mehr als zwingend anzusehen?“
      Ist die Kopenhagener Interpretation nicht eine Sprachregelung, eine Konvention, die einige Wissenschaftler miteinander verabredet haben, um offene Fragen als beantwortet und ungelöste Probleme als gelöst erscheinen zu lassen?
      Und noch eine ganz allgemeine dumme Frage, die ich auch auf meinen Blog stellen werde:
      Wenn das Licht oder der Elektromagnetismus als Welle wahrgenommen werden kann, was offensichtlich der Fall ist, dann stellt sich die Frage, welches Medium in dem einen oder anderen Fall in Schwingung versetzt wird.
      Heißt es nicht, seitdem man den Glauben an einen allgegenwärtigen Äther aufgegeben hat, der Weltraum sei leer und gleiche einem Vakuum?
      Wenn man eine Welle messen kann, dann muss es da auch etwas geben, was gemessen wird.
      Ist das der Grund, warum der Weltraum dunkel und schwarz wie die Nacht ist, weil da nichts ist, was beleuchtet werden kann?
      Wir haben eine Vorstellung davon, wie die Erde aus der Perspektive eines Raumfahrer aussieht. Wie aber erscheint die Sonne dem Betrachter im Weltraum? Wie ein kleiner Scheinwerfer, der uns im Dunklen entgegenkommt, der uns nur blendet aber nichts beleuchtet?
      Entsteht das, was wir als Licht wahrnehmen, vielleicht erst dann, wenn es auf einen Körper oder eine Atmosphäre trifft?
      Wie kommt das Licht durch den dunklen Raum, in dem es kein Medium gibt, das es in Schwingung setzten kann?
      Wenn wir das Licht als Teilchen auffassen, die von der Sonne zu uns geschossen werden, müsste die Sonne dann nicht kontinuierlich kleiner werden, wenn sie permanent etwas von ihrer Masse abgibt?

      Antwort
  6. Kardinal Novize Igor

    „Wer sagt, er versteht die Quantenphysik, der hat sie nicht wirklich verstanden.“
    Den Satz habe ich schon einmal von dir gehört- also wieder mal ein Kommentar über Quantenphysik statt Quantenphysik.

    Die Antwort habe ich dir auch schon des öfteren gegeben: Du findest sie unterhalb der Stelle, wo du diese Frage zum erstenmal gepostet hast.

    „Ist nicht auch Gott deduzierbar?“
    Nein, Gott ist nicht deduzierbar. Wenn es eine Deduktion Gottes gibt, bitte mir weiterleiten. Danke!

    LG KNI

    Antwort
  7. Kardinal Novize Igor

    „Wie heißt doch gleich noch mal das allgemeine Gesetz, aus dem der Welle/Teilchen Dualismus abgeleitet ist?“

    Schrödinger-Gleichung bzw Heisenbergsche Unschärferelation.

    LG KNI

    Antwort
  8. Kardinal Novize Igor

    „Das allgemeine Gesetz, dass alles eine Ursache haben muss, scheint mir genau so sicher oder unsicher zu sein, wie die Behauptung, es gäbe einen Gott.“

    Eben. Das ist kein allgemeines Gesetz: Daher ist eine Deduktion Gottes nicht möglich.

    LG KNI

    Antwort
  9. Kardinal Novize Igor

    „Was, wenn die Erkenntnisse der Physik uns eines Tages zwingen, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung als Grundlage jeder Weltbetrachtung und Weltanalyse nicht mehr als zwingend anzusehen?“

    Dann bricht ein neues Weltzeitalter an, wie es jetzt der Fall ist. Habe ich auch schon geschrieben. Das Problem an diesem Oppenheimer-Satz ist allerdings, dass er bloßes Chaos insinuiert. Insofern plakativ, weil es in der QM sehr wohl auch Ursache-Wirkungsprinzipien gibt, siehe: Eigenwertproblematik.

    LG KNI

    Antwort
  10. Kardinal Novize Igor

    „Wenn das Licht oder der Elektromagnetismus als Welle wahrgenommen werden kann, was offensichtlich der Fall ist, dann stellt sich die Frage, welches Medium in dem einen oder anderen Fall in Schwingung versetzt wird.“

    Manche Wellen brauchen kein Medium (Physik 10. Schulstufe)

    LG KNI

    Antwort

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