Wir haben nichts zu verbergen

Wer sagt:

„Die Privatsphäre ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen“ ,

meint damit auch:

„Die Meinungsfreiheit ist mir egal, ich habe nichts zu sagen.“

Edward Snowden

Das Wahre an dieser Botschaft ist gleichzeitig das Perfide. Edward Snowden ist das Gesicht mit dem man uns Wochen und Monate lang genau diese Botschaft verkauft hat.

Nicht nur unsere angeblichen Feinde in Moskau, Nordkorea und anderswo werden flächendeckend von unserer Schutzmacht abgehört sondern auch die Bürger und Institutionen befreundeter Nationen. Wie man seit Merkels Handy weiß, macht die Überwachung auch vor den jeweiligen Staatsoberhäuptern nicht halt.

Es ist zwar nach wie vor politisch unkorrekt, zu behaupten, unser Land sei kein souveräner Staat, aber spüren können und sollen wir es schon.

Wir sollen sogar wissen, dass wir abgehört und beobachtet werden.

Der smarte Präsident Obama hätte uns auch persönlich über die Tätigkeiten seiner NSA informieren können. Dann wäre es sicher zu heftigeren Reaktionen und zu einem erheblichen Imageverlust der Schutzmacht gekommen.

Sehr viel klüger war es dagegen, diese Mitteilung über die angebliche Enthüllung Edward Snowdens einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Wer es wissen wollte, dem war schon sehr viel früher bekannt, dass Emails und Telekommunikation von US-Diensten flächendeckend aufgezeichnet wurden. Wer vor Edward Snowden darauf hinwies und davor warnte, galt als paranoider Verschwörungstheoretiker. So ändern sich die Zeiten.

Nun weiß jeder, dass er absolut nichts befürchten muss, solange er keine vom Mainstream abweichende Meinung vertritt. Die „seriösen Qualitätsmedien“ informieren uns zeitnah darüber, was gut und was schlecht ist.

Wer „gut informiert“ ist, weiß tagesaktuell über die gerade gültige politisch korrekte Ausdrucksweise Bescheid und kann seine Mitmenschen, die versehentlich einen nicht mehr erlaubten Begriff verwenden, mehr oder weniger freundlich zurechtweisen.

Mit den Enthüllungen von Edward Snowden sind wir der Meinungskontrolle, wie sie in Diktaturen üblich ist, einen großen Schritt näher gekommen. Der Untertan in der Diktatur soll wissen, dass er bespitzelt wird. Das macht ihn ängstlich und fügsam.

Interessant ist, dass dies von den meisten Bürgern unseres Landes nicht als Problem oder Einschränkung wahrgenommen wird.

Auch der eben im Bundestag kurz vor der Sommerpause beschlossene Staatstrojaner für alle ging im allgemeinenen Jubel über die Ehe für alle unter. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein „Zufall“ kommt selten allein. Das ist schon merkwürdig in einem Land in dem noch unlängst landauf landab gegen die Volkszählung mobiliesiert wurde.

Selten war die Umerziehung so erfolgreich wie heute. Es wird nicht einmal bemerkt, dass sie überhaupt stattfindet. Das liegt daran, dass sie längst stattgefunden hat. Da ist tatsächlich nichts mehr, das sich lohnt verborgen zu werden.

 

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