Donald Trump, das perfekte Ablenkungsmanöver

Der permanente Streit mit den Medien ist zu Trumps Markenzeichen geworden. Sein übertrieben rüpelhaftes Benehmen bei seinen Auftritten wird immer wieder thematisiert. Obligatorische Handschläge bei gemeinsamen Pressekonferenzen weist er gerne zurück.

Ein besonderes Highlight stellt sein Twitteraccount dar. Regelmäßig schafft er es mit kindlichen Niveau und Sprache seine 30 Millionen Follower mit Sprüchen zu bedienen, die nicht peinlich genug sein können. Im jüngsten Fall postet er ein zehn Jahre altes Wrestling Video in welchem er einen Gegner natürlich zusammenschlägt,  um diese mit einer CNN Verzierung erneut online zu stellen.

Da fragt man sich doch, was denkt sich dieser Mann dabei? Ist er, er ist immerhin der amerikanische Präsident, so dumm, um nicht zu wissen, welches mediale Echo dies nach sich ziehen wird?

Ist Euch was aufgefallen? Selten spielen bei der Berichterstattung über Trump politische Inhalte überhaupt eine Rolle. Die Kritik konzentriert sich im Wesentlichen auf seine Person, welche er durch seine Auftritte und sein Handeln geradezu heraufbeschwört.

Aber warum tut der Mann das? Donald Trump war schon immer extrovertiert und speziell, aber sicherlich nicht dumm.

Warum tut er diese Dinge in dem genauen Wissen, dass negative Dinge über ihn die Schlagzeilen beherrschen werden?

Ist dieser Mann einfach nur eitel, ein Narzisst, ist ihm alles egal? Eine mögliche Antwort auf diese Frage gibt es vielleicht doch.

Donald Trump hat Syrien mit Raketen angegriffen, die Befugnisse der CIA bei Drohnenangriffen erheblich erweitert und den ohnehin gigantischen Wehretat um weitere vierundfünfzig Milliarden Dollar angehoben.

Dieser Mann tut genau das, was der militärisch-industrielle Komplex von ihm verlangt.

Der Unterschied zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ist der, dass Clinton sicherlich genauso handeln würde, sich aber dafür öffentlich deutlich mehr Kritik einhandeln würde.

Auch den Amerikanern kann man Kriege und eine Ausweitung des Wehretats nicht mehr ohne weiteres verkaufen.

Donald Trump ist der perfekte Präsident nur eben nicht für diejenigen, die ihn gewählt haben.

Donald Trump ist das personifizierte Ablenkungsmanöver.

Die Kritiker von Obama und Clinton sind im In- und Ausland verstummt, denn sie haben ihren Präsidenten bekommen, Donald Trump, der Präsident, der alles ändern wollte. Der, der ein politisch korruptes System entfilzen wollte. Doch will er das wirklich?

Jetzt haben wir einen Präsidenten, der, wenn er die Kritik auf seine Person selbst lenkt, die komplette Presse zur Boulevardpresse verkommen lässt. Und welche Person wäre für diese Aufgabe besser geeignet als ein Mann, der über sich selber folgendes sagt: „Mir machen schlechte Geschichten nichts aus, ich kann mit schlechten Geschichten besser umgehen als irgendwer sonst.“

Ist vieleicht genau das der Grund, warum er im Moment die beste Option im Oval Office ist? Statt Kritik an der Realpolitik, bestimmen nun zehn Jahre alte Wrestlingvideos oder die absurde Idee, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer aus Sonnenkollektoren zu bauen.

Wir haben es hier mit einem Mann zu tun, der die perfekte Stabilisierung des Establishments verkörpert. Seine Gegner lässt er den Fokus weg von wesentlicher Kritik hin zu seiner Person mit unwichtigen Boulevardthemen ziehen.

Seinen Befürwortern und Wählern wirft er regelmäßig Brocken vor die Füße, sei es seine permanente Medienkritik, das Betonen von „America first“, Torpedierung internationaler Abkommen, Kritik am Klimaschutz und vieles mehr, was bei dieser Zielgruppe besonders gut ankommt.

Der nette Herr Obama hat seine Rolle ganz gut gespielt, eine aggressive Politik in schöne Worte und Charisma verpackt.

Mit Donald Trump ist ein besonderer Schachzug gelungen.

Wenn im Mainstream die Kritik an Donald Trump mit Boulevardthemen mal wieder hochgekocht wird, dann sollte man genauer hinschauen, ob nicht im Hintergrund die wesentlichen Dinge abgewickelt werden.

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4 Gedanken zu „Donald Trump, das perfekte Ablenkungsmanöver

  1. Kardinal Novize Igor

    Interessant hierzu auch die Kommentare von Christoph Hörstel, die sich mit den deinigen inmanchen Dingen decken (zb. Ablenkungsmanöver) wiewohl ich nicht in allem mit ihm einer Meinung bin.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Bei Hörstel höre ich auch hin und wieder mal rein, besonders wenn es um den Nahen Osten geht, weil mir scheint, er kennt sich da besser aus als viele andere. Zum Beispiel als ich wissen wollte, was in Katar eigentlich los ist. Katars Annäherung an den Iran scheint das Problem zu sein und mittelbar an Russland. Es gibt einflussreiche Leute, die in solchen Fragen gar keinen Spaß verstehen.

      Antwort
  2. Pingback: Und ewig grüßt das Murmeltier | Dumme Fragen

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