Und ewig grüßt das Murmeltier

Nach dem Mauerfall scheint sich das westliche, marktwirtschaftliche demokratische Modell der „Offenen Gesellschaft“ global durchgesetzt zu haben.

Bisweilen wurde diese Entwicklung als das „Ende der Geschichte“ gefeiert. (Fukuyama)

Der Kommunismus als die letzte totalitäre Ideologie wurde durch die Freiheit für alle ersetzt. Der real existierende Globalismus als Vorstufe des Reichs der Freiheit war bereits angebrochen.

Alles, worum es noch zu gehen schien, war die Entmachtung der alten Mächte Russland und China, die dieser segenreichen Entwicklung der Produktivkräfte immer noch im Wege stehen. Es gilt diese einzudämmen oder besser noch aufzulösen im weltumspannenden Komsumismus.

Was den Jüngern der neuen Religion des Neoliberalismus allerdings entging, war die strukturelle und inhaltliche Ähnlichkeit, des neuen- mit dem alten System.

Vielleicht ist es diesen Ähnlichkeiten geschuldet, dass die Akteure der 68er Bewegung und die Nomenklatura der ehemaligen DDR in Gestalt unserer Kanzlerin und ihrer Mitstreiter sich so bruchlos in die neoliberale Elite integrieren ließen.

Die Überscheidungen der beiden scheinbar widerstreitenden Systeme sind unübersehbar:

Sowohl der Kommunismus als auch die liberale Demokratie deklarieren sich ….

zu Befreiern der Menschheit;

erheben die Gleichheit zum gesellschaftlichen Leitbild;

erklären sich zur besten Gesellschaftsform aller Zeiten;

glauben, das Mandat der Geschichte zu besitzen;

haben ein ökonomistisches Menschenbild;

sind modernitätsgläubig und vergöttern die Technik;

sind universalistisch und greifen nach der ganzen Welt;

erklären sich für alternativlos;

kriminalisieren und pathologisieren ihre Gegner;

führen einen ständigen Kampf gegen „Abweichler“;

sind atheistisch, kultur- und traditionsfern;

greifen massiv ins Privatleben der Menschen ein;

bekämpfen die traditionelle Familie und „Geschlechterrollen“;

verachten die Religion;

wollen sämtliche Menschen in ihrem Machtbereich sozialisieren;

beherrschen die Köpfe der Menschen:

durch das Bildungsmonopol,

durch Propaganda und Medien;

bespitzeln und kontrollieren die Bürger;

erzeugen einen enormen Konformitätsdruck;

erheben die Mittelmäßigkeit zum Leitbild;

streben einen durch sozialen Druck und „social engeneering“ erzeugten Einheitsmenschentypus an;

erklären existentielle Probleme zu sozialen und geben vor, das politische Know-how zu besitzen, sie zu lösen;

verachten und verteufeln die Vergangenheit;

erklären sich für multikulturalistisch;

stehen immer erst am Anfang einer glorreichen Entwicklung, deren Ziel die Eingeweihten kennen, das die Massen aber am Ende schon begreifen werden.

Diese scharfsinnige Aufzählung verdanke ich dem polnischen Philosophie-Professor Ryszard Legutko, „Der Dämon der Demokratie. Totalitäre Strömungen in liberalen Gesellschaften“, Wien 2017

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4 Gedanken zu „Und ewig grüßt das Murmeltier

    1. hansarandt Autor

      Hier noch eine Ergänzung aus katholischer Perspektive:

      Nicolás Gómez Dávila, der, ähnlich wie der polnische Philosophie-Professor, die Parallelen zwischen Sozialismus und liberaler bzw. liberistischer Demokratie aus katholischer Perspektive zieht (die nicht meine ist), und zitiert aus dessen Band „Texte“ („Textos“) von 1959 die folgenden Passagen:

      „Sowohl Kapitalismus als auch Kommunismus (…) bewegen sich auf verschiedenen Wegen zu einem ähnlichen Ziel. Ihre Anhänger schlagen ungleiche Techniken vor, aber sie huldigen den gleichen Werten. Die Lösungen trennen sie; ihre Bestrebungen machen sie zu Brüdern. Rivalisierende Methoden, um ein identisches Ziel zu erreichen. (…) Die bürgerlichen und die proletarischen Ideologien sind (…) rivalisierende Fahnenträger einer einzigen Hoffnung. Der Kapitalismus sieht sich nicht als bürgerliche Ideologie, sondern als Gebäude der menschlichen Vernunft; der Kommunismus erklärt sich nicht zur Klassenideologie, sondern behauptet, das Proletariat sei der einzige Vertreter der Menschheit. (…) Der Dogmatismus ihrer Doktrinen, die ansteckende Verbreitung, die fanatische Hingabe, zu der sie anstiftet, das fieberhafte Vertrauen, das sie weckt, haben beunruhigende Parallelen angedeutet. (…) Die moderne demokratische Religion ist futuristischer Anthropotheismus. Die Idee des Fortschritts ist ihre Theodizee. (…) Die demokratische Menschheit häuft technische Erfindungen mit fiebrigen Händen an. Es bedeutet ihr wenig, ob die technische Erfindung sie erniedrigt oder ihr Leben bedroht. Wenn ein Gott seine Waffen schmiedet, verachtet er die Verletzungen der Menschen. (…) Wer gestattet, daß ein religiöser Einwand die Fortentwicklung eines Geschäftes stört, daß ein ethisches Argument eine technische Neuerung verbietet, daß ein ästhetisches Motiv ein politisches Vorhaben abändert, verletzt die bürgerlichen Gefühle und verrät das demokratische Projekt. (…) Der wirtschaftliche Raubzug gipfelt in einem armseligen Individualismus, in dem die ethische Gleichgültigkeit sich als intellektuelle Anarchie fortsetzt. Die Hässlichkeit einer Zivilisation ohne Stil bestätigt den Triumph der verkündeten Souveränität, als wäre eine schamlose Vulgarität die von den demokratischen Bemühungen ersehnte Trophäe. In die Flammen der albernen Verkündigung wirft das Individuum – als wären es heuchlerische Gewänder – die schützenden Riten, die wärmenden Konventionen, die es erziehen durch traditionelle Gesten. In jedem befreiten Menschen gähnt ein schläfriger Affe und erhebt sich.“

      Das ganze habe ich von Acta diurna- Michael Klonowski. Wenn Du den noch nicht kennst, der ist wirklich spitzenklasse, sollte Bestandteil jeder ernsthaften Abendandacht sein.

      Antwort
  1. Kardinal Novize Igor

    gefällt mir sehr gut!
    Andererseits gehe ich am Abend vor dem Schlafengehen eher nach innen; da hilft mir zb. Meister Eckehart!

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Wahrscheinlich ist das besser, es langt wenn man sich tagsüber aufregen muss. Am Abend sollte man runterkommen und auch am Tag ist Selbstkontrolle nach wie vor eine Tugend, wenn sie nicht zur Anpassung um jeden Preis verkommt.

      Antwort

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