Protestkultur

„68, das heißt: Protestkultur statt Kultur. Protestpolitik statt Politik, heißt Protestjournalismus statt Journalismus, heißt Protestjustiz statt Justiz.

Nur dass, wenn Protest Mainstream ist, wenn Protest Regierung und Opposition gleichzeitig ist, Subkultur und Hochkultur, vom Protest nichts übrig bleibt; dass dann linker Protest der aalglatteste, angepassteste, opportunistischste Mainstream und kein echter Protest mehr, nur noch Attitüde ist.

Deshalb wird der echte Protest, nämlich der Protest gegen die etablierte Protestkultur selber, bis heute als konterrevolutionär, als autoritär, als rechts, als ewig gestrig, als böse, als imperialistisch, rassistisch oder was noch immer bekämpft und unterdrückt, bis auch die letzte Stimme und das letzte Argument, das eine 68er-Ideologie entlarvt und zur Diskussion stellt, ausgemerzt sein werden.“

Nur die eigentliche Arbeit, das tägliche Geschäft, die schnöde Volkswirtschaft, das interessiert die Ideologen nicht.

Denn schließlich: Der Strom kommt aus der Steckdose, das Geld kommt von der Bank, die Milch kommt aus dem Supermarkt und die Urlaubsreise aus dem Katalog. Muss man sich um so was kümmern?“

(aus „“Die RAF hat euch lieb“: Die Bundesrepublik im Rausch von 68 – Eine Familie im Zentrum der Bewegung“ von Bettina Röhl, der Tochter von Ulrike Meinhof.

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2 Gedanken zu „Protestkultur

  1. Kardinal Novize Igor

    Es hat einen Grund gehabt, warum Adorno sich von dem doofn Aktionismus der 68er abgewendet hat…

    LG KNI

    Antwort

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