Die sieben Todsünden der Bildungspolitik

Die Sieben Todsünden haben neuerdings Eingang in unsere Bildungssystem gefunden, allerdings nicht als Stoff, der im Unterricht behandelt werden soll, sondern als Agenda, die den Lehrplänen und Unterrichtsmodellen zu Grunde liegt:

Die sieben Todsünden sind folgende ideologische Grundmuster, die in der Diskussion über die Bildungspolitik den Ton angeben:

  1. Der Egalitarismus:
    Der Egalitarismus verschließt sich der offensichtlichen Einsicht, dass alle Menschen verschieden sind und fordert stattdessen, dass alle gleich gemacht werden sollen. Alle sollen in die gleiche Schule gehen (Inklusion), Integrierte Gesamtschulen sollen das dreigliedrige Schulsystem ersetzen usw. Jeder Gärtner weiß, dass verschiedene Pflanzen verschiedene Pflege brauchen, viel oder wenig Wasser, viel oder wenig Sonne. Würde ich alle Pflanzen der gleichen Sonneneinstrahlung und der gleichen Wassermenge aussetzen, würden alle Schaden erleiden. Je heterogener eine Schulklasse in ihrem Leistungsniveau ist, desto niedriger muss ich den Standard ansetzen, damit überhaupt noch ein Klassenziel erreicht werden kann.
  2. Der Empirismus
    Der Empirismus hat die irrige Vorstellung hervorgebracht, dass man alles und jeden messen können muss. Der Pisatest und der Bologna Prozess sind ein beredtes Beispiel dafür. Immer häufiger werden in Prüfungen nur noch Multiple-Choice Fragen gestellt und keine Antworten mehr in frei formulierter Schriftform verlangt.
  3. Der Psychologismus
    Der Psychologismus entschuldigt alles und jeden. Niemals liegt es an einem selbst, wenn etwas schief läuft, sondern an den Eltern oder am Fehlen der Eltern oder ganz allgemein an der „Gesellschaft“ bzw. am „System“. Der Psychologismus entschuldigt systematisch jede Form der Leistungsverweigerung.
  4. Der Hedonismus
    Der Hedonismus negiert die traditionelle Auffassung, dass mit der Schule der Ernst des Lebens anfängt. Stattdessen geht es um die Maxime, es muss auf jeden Fall Spaß machen. Vor den Ferien werden in jeder Klasse nur noch Filme angeschaut und mit schwer Erziehbaren fährt man auf den Ponnyhof oder gleich an einen sonnigen Strand am Mittelmeer, damit sich die Delinquenten endlich einmal selbst finden können.
  5. Utilitarismus
    Nichts hat einen Wert an sich, sondern immer nur im Verhältnis zu anderem. Es muss „nützlich“ sein. In Amerika ist man deshalb dazu übergegangen, auf das Lesen klassischer Texte zugunsten von Kochkursen und Führerscheinprüfungen zu verzichten. Der Versuch alles der Maxime der Nützlichkeit zu unterwerfen, verrät die klassischen Bildungsideale, des Guten, des Wahren und des Schönen. Ebenso verwirft es den Gedanken, dass zur Charakterbildung sehr viel mehr gehört als das Schielen auf den eigenen Vorteil.
  6. Behaviorismus
    Der Behaviorismus ist die Grundlage für die irrige Vorstellung, der Mensch komme als Tabula Rasa (neuerdings sogar ohne klar definiertes Geschlecht) auf die Welt, wie ein weißes Blatt, das durch Erziehung beschrieben werden könne. In dieser Auffassung spiegelt sich die Hybris, die glaubt, alles sei machbar. Das geht bis hin zu der Vorstellung man könne einen Menschen „begaben.“ Diese Auffassung leugnet die Tatsache, dass Begabungen vorhanden sind und nicht erworben werden können. Wäre dies der Fall, könnte man in Offenbach ein Fußballteam zusammenstellen und allein durch gutes Training zur Weltmeisterschaft führen. Tatsächlich aber werden außergewöhnliche Talente auf der ganzen Welt zusammengesucht, die dann tatsächlich den Titel erringen können.
  7. Dirigismus
    Jeder neue Amtsleiter auf einer Schulbehörde hat nichts Eiligeres zu tun, als neue Regeln und Direktiven herauszugeben. Immer neue Schlagwörter werden erfunden, wie zum Beispiel die Inklusion oder die Gendergerechte Sprache und werde zur Vorschrift gemacht. Ob das in der Praxis sinnvoll ist und funktionieren kann, ist meist sekundär. Solange sich ein Bildungspolitiker damit profilieren kann, ist er zufrieden und alle anderen müssen mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Das Ganze erinnert stark an die von Ideologie dursetzte Planwirtschaft im ehemaligen Ostblock. Wenn bestimmte Bildungsziele nicht erreicht werden, hilft man sich durch Quotenregelungen.

Positiv könnte man ein Bildungsprogramm, das diese sieben Todsünden vermeidet vielleicht so umschreiben:

 

Freiheit statt Gleichheit

Leistung statt Verwöhnung

Qualität statt Quote

Inhalte statt ständig neue Kurrikula

 

Frei nach Josef Kraus

 

 

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2 Gedanken zu „Die sieben Todsünden der Bildungspolitik

  1. Kardinal Novize Igor

    ….und natürlich haben die Buben „feministisch“ erzogen zu werden; wie in den Umerziehungsheimen des 19. Jhts;

    Humor im Unterricht wird bestraft;

    die pädagogischen Grundsätze werden wie modeströmungen jährlich geändert, auch in ihr Gegenteil, wer sie aber nicht für die absolute Wahrheit hält, ist ein Reaktionär…..

    ….könnte man ewig fortsetzen…

    LG KNI

    Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    Nirgendwo spiegelt sich die konzentrierte, destillierte Dummheit eines Zeitalters so, wie in der Bildungspolitik. Es wäre wert, über die Gründe dafür nachzusinnen…

    LG KNI

    Antwort

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