Revolutionsgeschichte

Der klassische Revolutionär will nicht so sehr sich selber, sondern viel lieber andere befreien. Ständig ist er auf der Suche nach Subjekten, Klassen und Gruppen, die als unterdrückt gelten können und emanzipiert werden sollen.

Traditionell gilt die Arbeiterklasse als das zu befreiende Subjekt. Deshalb gingen linke Studenten in die Betriebe, um dort sogenannte Basisarbeit zu machen. Den Arbeitern sollte ihre Klassenlage bewusst gemacht werden, damit sie Teil der neuen Bewegung werden, die den Staat bez. das „System“ umstürzen will.

Die Studenten, die diese „Basisarbeit“ ins Leben riefen, betrachteten sich selbst als die „Avantgarde“, als die Supernanny, die den Arbeiter an der Hand nimmt und in die Freiheit bzw. in die Kaderschmiede führt.

Die Begeisterung in den Betrieben hielt sich sehr in Grenzen und die „Basisarbeit“ wurde sehr bald wieder eingestellt. Was nun fehlte, war das revolutionäre Subjekt. Da die große Mehrheit der Menschen sich für die Weltrevolution und ihre selbsternannte Avantgarde nicht interessieren wollte, musste dringend ein Ersatz gefunden werden.

Die Mehrheit konnte es nicht sein, also blieben als Objekte der Befreiung nur die Minderheiten übrig, die im Fokus der Bewegung landeten.

Wurde man im real existierenden Sozialismus noch geadelt, wenn man entweder dem Arbeiter oder Bauernstand angehörte, so gehört es heute zum guten Ton, wenigstens einer oder am besten gleich mehrerer „diskriminierten“ Minderheiten anzugehören.

Der Moderne Revolutionär setzt sich für Minderheiten ein, nicht um sie in das große Ganze zu integrieren, wie immer wieder gerne behauptet wird, sondern um mit Berufung auf eben diese Minderheiten, die Mehrheit zu bevormunden und zu gängeln.

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