Das Gesetz ist ein Zufall

Zum Thema Zufall gibt es grundsätzlich zwei einander widersprechende Auffassungen. „Alles Zufall“, behaupten die einen und die anderen sagen: „Ich glaube nicht an Zufälle.“

Man kann sich darüber streiten, ob etwas ein Zufall ist oder nicht. Der Zufall selbst ist aber ganz sicher kein Zufall. Der Zufall selbst ist ein Gesetz und folgt strengen mathematischen Regeln.

Wer jetzt glaubt, auch die Gesetze seien nicht dem Zufall unterworfen, sieht sich ebenfalls getäuscht.

Gesetze sind grundsätzlich zufällig.

In den USA ist zufällig der Waffenbesitz erlaubt, in den meisten anderen Ländern ist es verboten.

In Saudi Arabien und einigen anderen  Ländern gilt zufällig die Todesstrafe, in Europa wurde sie abgeschafft.

In manchen Kulturen ist der Ehebruch zufällignach wie vor ein Verbrechen, während fortgeschrittene Verfechter der Polyamorie im Ehebruch so etwas wie ein Menschenrecht sehen wollen.

Nun mag man einwenden, diese Zufälligkeiten betreffen zwar die Strafgesetze aber ganz sicher nicht die Naturgesetze.  Auch das ist ein Irrtum.

Auch die Naturgesetze sind zufällig. So wie die Strafgesetze ganz offensichtlich von den Räumen abhängig sind, in denen sie gelten, so gelten die Naturgesetze nur in einer bestimmten Zeit.

Lange Zeit glaubte man in der Bewegung der Himmelskörper Gesetze erkennen zu können, wie zum Beispiel das Gesetz, nach dem sich die Sonne und der Mond um die Erde dreht.

Seit zufällig fünfhundert Jahren beginnt sich die Auffassung durchzusetzen, dass die Erde sich um die Sonne dreht.

Die zufällig am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entstandene Relativitätstheorie meint völlig andere Gesetzmäßigkeiten in der Natur erkennen zu können als das noch zu Zeiten Newtons der Fall war. Analoges gilt für die Quantenphysik.

Wir sehen, auch die Naturgesetze sind davon abhängig, in welcher Zeit sie zufällig entstanden sind. Es ist davon auszugehen, dass auch die heute gültigen Naturgesetze mit der Zeit verschwinden werden so wie es ihre längst überholten Vorläufer in der Geschichte der Menschheit auch getan haben.

Wir können also sagen:

Der Zufall selbst ist kein Zufall sondern ein Gesetz.

Gesetze entstehen grundsätzlich zufällig in der Zeit und gelten zufällig in bestimmten Räumen und in anderen nicht.

Daraus folgt:

Der Zufall ist ein Gesetz.

Das Gesetz ist ein Zufall.

 

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5 Gedanken zu „Das Gesetz ist ein Zufall

  1. Kardinal Novize Igor

    „Es ist davon auszugehen, dass auch die heute gültigen Naturgesetze mit der Zeit verschwinden werden so wie es ihre längst überholten Vorläufer in der Geschichte der Menschheit auch getan haben“
    — ich nehme das einmal als deinen persönlichen Glaubenssatz hin, so lange du keine Beweise dafür hast.

    Ich würde es so formulieren, dass jedes Naturgesetz seinen Gültigkeitsbereich hat. Dringt der Mensch in neue Bereiche vor, erkennt er neue Gesetze.

    Es ist eben nicht so, dass Newton „Schnee von gestern“ wäre. Jeder Baustatiker, Aerodynamiker, Geologe, etc etc. kommt mit Newton wunderbar aus. Die Verdienste Newtons sind ebenso bedeutend und aktuell wie die Kants oder Goethes.

    Für den Wirkungsbereich der kleinsten Teilchen hat sich die Quantenphysik als ebenso nützlich erwiesen, wie Newton für makroskopische Objekte.

    Wird der Mensch in wieder neue Bereiche vordringen, kann es gut sein, dass Newton und Schrödinger ergänzt werden. Und dass dennoch diese Theorien auch nach 500 Jahren, wie Newton, in ihrem Bereich adäquate Modelle liefern.

    Ob das Goethe auch gelingen wird, bleibt abzuwarten. Mir scheint, er ist schon von Kafka abgelöst worden, und bei Hegel sind die Verbrauchserscheinungen sogar noch größer….

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      „ich nehme das einmal als deinen persönlichen Glaubenssatz hin, so lange du keine Beweise dafür hast.“

      Natürlich habe ich keine Beweise dafür, was in der Zukunft passieren wird. Niemand kann dafür Beweise geben, da die Zukunft nun mal die Eigenschaft hat, noch nicht eingetreten zu sein.

      Genau, wie die Naturwissenschaftler mit guten Gründen annehmen, aber wirklich nur annehmen können, dass die Gravitation auch morgen noch in der gleichen Weise wirkt, so nehme ich an, dass auch die so genannten Naturgesetze einem historischen Wandel unterliegen, weil das in ihrer Geschichte bisher immer so gewesen ist.

      Sicherlich ist die Hypothese, dass die Gesetze der Gravitation auch morgen noch gelten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit richtig, aber es bleibt trotzdem eine Hypothese, mit der man natürlich vorzüglich arbeiten kann.

      Im Übrigen glaube ich auch nicht, dass Gott weiß, was in der Zukunft passiert. Das ist natürlich auch nur ein Glaube, den ich nicht beweisen kann.

      Interessant ist in diesem Zusammenhang nur, dass auch die Bibel diese Auffassung wiederzugeben scheint, wenn es zum Beispiel heißt, Gott reute es, dass er die Menschen geschaffen hatte, und beschloss, sie fast alle in einer Sintflut auszurotten, was er ja dann auch getan haben soll.

      Wie kann er sich über die Folgen seiner Schöpfung wundern, wenn er doch von Anfang an wusste, was dabei rauskommen würde? Ich persönlich halte nichts von der Vorsehung. Ich weiß auch nicht, wer die erfunden hat.

      In der Bibel finde ich jedenfalls eher keine Belege. Sollte es anders sein, lasse ich mich auch gerne belehren. Sollte es so sein, dann beweist das nur, dass auch in der Bibel die einen die Sache so sehen und die anderen anders. Wie auch sonst?
      Es mag sein, dass die Firma Google auf dem besten Wege ist, tatsächlich allwissend zu werden, Gott ist es jedenfalls nie gewesen und will es auch gar nicht sein.

      Die Bibel zeichnet ein durch und durch anthropomorphes Gottesbild. Gott liebt, Gott hasst, Gott straft, Gott vergibt, Gott ist wie ein Vater, wie ein Richter, wie ein Heerführer, er hält sogar die Sonne an, weil er noch gar nicht weiß, dass er eigentlich die Erde hätte anhalten müssen, um den Tag der Schlacht zu verlängern.

      Kurz zusammengefasst lernen wir daraus: Gott handelt wie ein Mensch. Er ist wütend, er ist traurig, er ist verliebt, zum Beispiel in sein Volk, wie es sich gerade ergibt und wie es ihm gerade passt. Auch er hält sich an das „Gesetz des Zufalls“.
      Das macht ihn für mich persönlich sympathisch und ich will auch gar keinen „Gott der Philosophen“ haben, der alles richtig macht.
      Menschen, die meinen, sie würden alles richtig machen, sind mir extrem unsympathisch. Ich meide sie wo immer und wann immer sie mir begegnen.

      Natürlich leben alte Weltbilder, auch wenn sie durch neue ergänzt oder überholt werden fort.

      Das Beste Beispiel sind die Religionen. Manche halten sie für total überholt und sind der Meinung, sie müssten eigentlich verboten werden.

      Andere sind davon überzeugt, dass sie nach wie vor und sogar ewig gültig sind und bleiben.

      Und wieder andere haben keine Schwierigkeiten ihre religiösen Vorstellungen mit modernen Naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu überformen, zu ergänzen und zu erweitern.

      Das beste Beispiel ist Rudolf Bultmann, der meinte das Evangelium müsse im Zeitalter des Radioapparates irgendwie, wie du es sagst „ergänzt“ werden. Auch das ist mittlerweile Schnee von gestern.

      Zu der Frage, ob Goethe oder eine naturwissenschaftliche Theorie eine kürzere oder längere Verfallzeit haben, möchte ich folgendes anmerken.

      Die Qualität einer Sache erkennt man nicht an ihrer Haltbarkeit. Blumen sind nicht hässlicher als Kartoffeln, nur weil sie schneller verblühen.

      Ich denke Analoges gilt auch für Goethe, den ich sehr verehre. Er hat in seinen Werken wundschöne Sonnenuntergänge beschrieben.

      Eigentlich müsste man seine Texte verbieten, weil die Sonne nach wissenschaftlicher Erkenntnis ja gar nicht im Meer versinkt, sondern sich in Wirklichkeit nur die Erde wegdreht.

      Niemand hat bisher versucht, aus dieser Tatsache ein Stück Poesie zu machen und das ist auch gut so.

      Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    Ich sehe diese Stelle mit „…Gott reute es“ als eine eher gleichnishafte an, und halte mich an das NT: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren…“, woraus ich aber schließe (freilich ohne Beweis), dass es diese Zeiten und Fristen gibt.

    Ich selber habe schon öfters Träume und Erscheinungen über die Zukunft gehabt, zum Teil sehr genaue Details, die dann, manchmal wenige Wochen später, manchmal auch Jahre, eingetroffen sind. Irgendwie gibt es einen Plan, da bin ich überzeugt, inwiefern das Chaos und unser freier Wille hier mit spielt, ist wohl ein Geheimnis des Herrn.

    LG KNI

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      Ob es einen Plan gibt oder ob Gott einen Plan hat, ist eine Sache. Was aus dem Plan wird, ist eine völlig andere Sache. Auch da nehmen sich Gott und Mensch nichts, glaube ich, wissen kann ich es natürlich nicht. Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung und manchmal werde Pläne auch tatsächlich umgesetzt. Ob das geschieht oder nicht ist entweder zufällig oder es hat mehr oder weniger gute Gründe.

      Antwort
  3. Kardinal Novize Igor

    Ich glaube, dass der Plan unsere Unberechenbarkeiten mit einberechnet. (Die contradictio in adjectio ist beabsichtigt)

    LG KNI

    Antwort

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