Der kleine Unterschied

Die Gleichheit ist ein Postulat, das nicht mal als Ideal praktische Gültigkeit hat. Wer wollte zum Beispiel beim Hundertmeterlauf nur gleichschnell wie die  anderen Läufer sein?

Ist es nicht das Ziel eines jeden Teilnehmers am besten schneller als alle anderen zu sein oder doch wenigstens schneller als der Läufer auf dem ungeliebten vierten Platz?

Der Käufer eines IPhones will zwar das gleiche Handy wie alle anderen haben, die sich das auch leisten können, aber er kauft es auch, weil es teurer ist als alle anderen Smartphones und ihn der Besitz eines solchen Gerätes über die Masse der gewöhnlichen Handybenutzer erhebt.

Die Gleichheit ist immer nur eine Forderung der zurzeit unterprivilegierten nach gleicher Teilhabe.

Die Privilegierten selbst wollen aber nichts weniger, als ihre Privilegien abgeben. Das galt auch in den sogenannten kommunistischen Gesellschaften, die sich die Gleichheit in besonderer Weise auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

Die Gleichheit ist nicht nur eine an der Wirklichkeit komplett vorbeigehende Utopie, sondern sie ist auch alles andere als wünschenswert.

Hätte die Evolution auf Gleichheit bestanden, wäre es zu keiner Entwicklung zu immer höheren Lebensformen gekommen.

Wenn wir im Stadium des Einzellers verharrt hätten, wären wir zwar alle gleich, könnten uns heute aber nicht darüber unterhalten, da wir weder über eine Sprache noch überhaupt über die anatomischen Voraussetzungen verfügen würden, die uns in die Lage versetzten könnten zu sprechen.

Die genialste Erfindung der Evolution war die Sexualität, die Fortpflanzung mittels zweier verschiedener Geschlechter. Diese Biotechnologie machte eine unendliche Vielfalt von Individuen einer Art möglich und verbesserte deren Anpassungsfähigkeit an die Natur auf entscheidende Weise.

Die Thermodynamik kennt den Zustand der Gleichheit als den der maximalen Unordnung und der niedrigsten Energie.

Die Gleichheit, obwohl ein Ideal der Französischen Revolution, steht im absoluten Gegensatz zur Freiheit. Ein mehr an Gleichheit bedeutet zwangsläufig immer ein weniger an Freiheit und umgekehrt.

Wer frei sein will, besteht auf das Recht sich von wem auch immer zu unterscheiden, zum Beispiel von den Andersdenkenden

Wer gleich sein will, strebt danach, möglichst in der Masse aufzugehen, unabhängig davon, wohin die Masse gerade strebt. Die Neigung der Lemminge wem auch immer in den eigenen Untergang zu folgen, ist weit verbreitet. Die Beispiele dieses mitunter fatalen Fehlverhaltens in der Geschichte sind Legion.

Ebenso besteht ein absoluter Gegensatz zwischen Gleichheit und Vielfalt. Seltsamer Weise sind es die gleichen Ideolog_*innen, die gleichzeitig die Vielfalt und die Gleichheit auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Die Vielfalt basiert aber gerade auf dem Unterschied der „Vielfältigen“ und eben nicht auf deren Gleichheit.

Die Idee der Gleichheit hat in China und in der Sowjetunion zur totalitären Uniformierung, also der Gleichheit des äußeren Erscheinungsbildes der Menschen und zur Gleichheit der politisch korrekten Gedanken geführt, wie übrigens auch der Faschismus.

Die zentrale Bedeutung des Unterschieds gilt nicht nur für die Evolution und die Politik, sondern auch für die Ökonomie und das gesellschaftliche Zusammenleben.

Vernünftiger Weise kann keine Fußballmannschaft einen Pokal gewinnen ohne einen Trainer, der sagt wo es lang geht und jeder genügend große Chor oder jedes Orchester benötigt einen Dirigenten. Natürlich hat der Dirigent und der Trainer weitgehendere Rechte als jedes andere Mitglied.

Jeder Kindergarten, jede Schule, jede Verwaltung und jede Firma ist hierarchisch organisiert. Weder dürfen die Kinder über die Erziehungsmethoden abstimmen noch entscheiden die Angestellten eines Unternehmens oder einer Verwaltung, wer auf welcher Position eingestellt oder entlassen wird.

Nichts ist in der Entwicklung der Menschheit so unverzichtbar gewesen, wie gerade der Unterschied und gerade jene, die ständig von Gleichheit reden, verteidigen nichts so sehr, wie ihre eigenen Privilegien, die sie von anderen Menschen unterscheiden.

 

 

 

 

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