Unterwerfung, ja bitte!

„Frieden ist machbar, Herr Nachbar“, aber wie geht das?

Die eine Möglichkeit ist der Kompromiss auf Augenhöhe, der nur sehr selten zu Stande kommt und die andere Möglichkeit, die fast immer angewendet wird, ist die Unterwerfung.

Jedes gelingende Staatswesen basiert auf der Unterwerfung. Alle Bürger auch und gerade die eines demokratischen Landes erkennen das staatliche Gewaltmonopol an und unterwerfen sich der staatlichen Ordnung.  

Sie verzichten auf die Anwendung von Gewalt und meist auch auf den Besitz von Waffen. Sie unterwerfen sich den Entscheidungen der Gerichte und den Anweisungen der polizeilichen Exekutive.

Wenn sie das nicht nun, sich also nicht unterwerfen, gelten sie als Staatsfeinde und werden von den Behörden verfolgt.

Das hört sich nicht gut an, wenn man es so offen und ungeschönt ausspricht. Es bleibt aber eine Tatsache, dass diese Unterwerfung eine Bedingung der Möglichkeit für die Herstellung des inneren Friedens einer Gesellschaft ist.

Historisch geht diese Unterwerfung in Europa auf die Einführung des sogenannten Landfriedens zurück. Diese Verordnung verbot, die Regelung von Streitigkeiten zwischen Einzelnen und Familien durch die Ausübung Gewalt.

Rechtsstreitigkeiten mussten vor ein ordentliches Gericht gebracht werden und nur die Gerichtsbarkeit war dazu ermächtigt, Strafen zu verhängen, die auch Strafen gegen Leib und Leben sein konnten.

Die Wiederherstellung der Ehre durch ein Duell wurde strafrechtlich verfolgt. Diese neu eingeführte Landfriedensordnung war die erste wichtige Voraussetzung dafür, dass wir heute in unserem Land in Frieden leben können.

Aber nicht nur im privaten- und Familiären Streit wird der Frieden durch die Unterwerfung unter eine höhere, staatliche Ordnung gewährleistet, sondern auch im zwischenstaatlichen Bereich ist die Unterwerfung eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für den Frieden.

Betrachten wir die Pax Romana. Der Frieden in diesem antiken Weltreich beruhte auf der Unterwerfung einer Vielzahl von Völkern. Jenseits des Limes herrschten weiterhin die traditionellen tribalistischen Familien und Clanstrukturen.

Es ist durchaus möglich, dass das Leben diesseits des Limes unter der Pax Romana friedlicher und angenehmer war, als jenseits dieser Grenze.

Die beiden Staaten, die in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, bezogen ihre Legitimation vor allem aus der Unterwerfung unter einen jeweils anderen Hegemon die USA oder die UdSSSR.

Rückblickend frage ich mich, ob wir den Frieden in Europa nicht vielleicht doch dem Gleichgewicht des Schreckens, der atomaren Bedrohung, die von den beiden Hegemonialmächten ausging, zu verdanken hatten.

Im religiösen Diskurs spielt die Unterwerfung eine herausragende Rolle. Manche Autoren übersetzen das Wort Islam nicht mit Frieden, sondern mit Unterwerfung. Vielleicht steckt darin die tiefe Weisheit, dass das eine ohne das andere nicht zu haben ist.

Der Begriff der Erziehung setzt auch jenseits der Religion voraus, dass es einen Erziehenden und einen Erzogenen gibt. Der Erziehende ist übergeordnet und der Erzogene ist untergeordnet.

Das Kind, so wird erwartet, soll sich den Anweisungen der Eltern oder der Lehrer unterordnen bzw. unterwerfen. Tut es das nicht, greifen die Autoritäten zu besonderen disziplinarischen Maßnahmen. Der Versuch der antiautoritären Bewegung, die Anarchie im Kinderzimmer einzuführen, sind in aller Regel nicht zufällig im Sande verlaufen.

Jeder, der seinen Lebensunterhalt in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis verdient, muss sich den dort herrschenden Hierarchien unterwerfen, wenn er seinen Job behalten will.

Auch fast jede andere staatliche oder freie Organisation basiert auf dem Prinzip von Überordnung und Unterordnung. In einer Aktiengesellschaft oder in einem Verein trifft alle wichtigen Entscheidungen der Vorstand. Die Beschäftigten bzw. die Vereinsmitglieder müssen sich diesen Entscheidungen fügen bzw. müssen sich den Anordnungen unterwerfen.

Auch wer eine Ehe eingeht, unterwirft sich einer höheren Ordnung, die die eigenen Freiheitsrechte erheblich einschränkt. In der Regel tut er das freiwillig.

Das gilt aber nicht nur für die Ehe. Die Unterwerfung ist fast immer ein freiwilliger Akt. Er ist vergleichbar mit der Kapitulation am Ende eines Krieges.

Der unterlegene Kriegsteilnehmer hat die Möglichkeit, entweder bis zum physischen Untergang zu kämpfen oder aber freiwillig den Kampf aufzugeben und zu kapitulieren indem er sich dem Kriegsgegner unterwirft.

Der darauffolgende Frieden folgt aus dieser Unterwerfung.

Frieden herrscht in einem System nur, wenn es eine Ordnung gibt. Die Ordnung ist aber von ihrem Begriff her eine Rangfolge. Die einzelnen Elemente in diesem System folgen einer Relation, die durch größer bzw. kleiner, höher bzw. niedriger ausgedrückt wird.

Eine Ordnung, in der alle gleich sind, ist keine Ordnung, sondern etwa anderes. Auch in der Physik herrscht dieser Ordnungsbegriff. Ein Atom ist deshalb ein Atom, weil in seinem Kern und auf seiner Elektronenhülle eine bestimmte Ordnung besteht.

Gelingt es mittels Kernspaltung diese Ordnung aufzulösen, entsteht die maximale Zerstörungskraft einer Atombombe.

Die Schöpfung bleibt, Evolutionstheorie hin oder her, die Entstehung der Ordnung aus dem Chaos. Das Ende des Kosmos wird der Rückfall der Ordnung ins Chaos sein.

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Unterwerfung, ja bitte!

  1. Kardinal Novize Igor

    So gesehen, hat natürlich auch das Christentum mit Unterwerfung zu tun.

    Aber nicht mit der Unterwerfung unter ein durch äußere Bedingungen (wie militärische Gewalt oder irgendwelche Mehrheiten) aufrecht erhaltenes Gesellschaftssystem, wie es der Islam vorsieht, sondern mit der Unterwerfung unter den Willen Gottes, wie er durch Christus verkündet worden ist, und wie er im Einklang mit der eigenen Seele steht.

    LG KNI

    Antwort

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