Ich muss

Aber warum schreibst denn du? — 
A.: Ich gehöre nicht zu Denen, welche mit der nassen Feder in der Hand denken;
und noch weniger zu Jenen, die sich gar vor dem offenen Tintenfasse ihren Leidenschaften überlassen, auf ihrem Stuhle sitzend und auf’s Papier starrend.
Ich ärgere oder schäme mich alles Schreibens; Schreiben ist für mich eine Nothdurft, — selbst im Gleichniss davon zu reden, ist mir widerlich.
B.: Aber warum schreibst du dann?
A.: Ja, mein Lieber, im Vertrauen gesagt: ich habe bisher noch kein anderes Mittel gefunden, meine Gedanken los zu werden.
B.: Und warum willst du sie los werden?
A.: Warum ich will? Will ich denn? Ich muss. —
B.: Genug! Genug!

 

Digitale Kritische Gesamtausgabe (eKGWB)
eKGWB/FW-93 — Die fröhliche Wissenschaft: § 93. Erste Veröff. 10/09/1882.

 

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